Strahlend weisse Zähne galten schon bei den Römern als Zeichen für Schönheit und Gesundheit. «Manche Menschen halten ihre Zahnfarbe für dunkler als die anderer Menschen», sagt Thomas Attin, Direktor der Uniklinik für Präventivzahnmedizin, Parodontologie und Kariologie in Zürich. «Dabei ist ihre Farbe durchschnittlich oder sogar heller als der Durchschnitt.» Die natürliche Zahnfarbe wird vor allem von Farbpigmenten im Dentin bestimmt, dem knochenähnlichen Gerüst des Zahns unter dem Zahnschmelz. 

Zähne können sich durch Farbstoffe verfärben, die von aussen einwirken, wie sie in Rotwein, Kaffee oder Tabak enthalten sind. Auch Farbstoffe, die im Inneren des Zahns entstehen, etwa bei Blutungen in die Zahnhöhle oder bei Wurzelkanalbehandlungen, können die Farbe verändern. Ältere Menschen haben häufig gelb-braune Zähne, weil der oberflächliche Zahnschmelz zurückgeht und das dunklere Dentin mehr durchschimmert. Um Zähne heller erscheinen zu lassen, gibt es verschiedene Methoden: Bleichmittel, spezielle Zahnpasten oder das Aufkleben von «Blendschalen» aus Kunststoff oder Keramik. «Im Einzelfall sind die Schalen eine gute Methode», sagt Adrian Lussi, Direktor der Uniklinik für Zahnerhaltung, Präventiv- und Kinderzahnmedizin in Bern. «Aber dafür müssen wir immer Zahnsubstanz abschleifen.»

Selbstbehandlung mit Schiene

Von Zahnpasten zum Aufhellen hält der Zahnarzt nicht viel. «Bleichmittel zum Auftragen wirken viel besser.» Bevor man sich diese kaufe, solle man sich aber von seinem Zahnarzt beraten lassen. Dieser stellt fest, wodurch die Verfärbungen verursacht wurden, und rät möglicherweise gleich vom Aufhellen ab: «Äusserliche Verfärbungen von Getränken oder Tabak entfernen wir mit einer professionellen Zahnreinigung, nur bei inneren Verfärbungen eignen sich Bleichmittel.» 

Ausserdem muss der Arzt wissen, ob der verfärbte Zahn noch lebt oder nicht: Bei toten Zähnen empfiehlt er meist ein Verfahren von innen. Dabei bohrt er die Zahnhöhle auf und bringt das Bleichmittel ein. Sind die Zähne noch gesund, kann der Patient das Bleichmittel entweder selbst anwenden oder es sich vom Zahnarzt auftragen lassen. Beim Home-Bleaching fertigt der Zahnarzt eine Schiene aus Kunststoff an, die exakt auf die Zahnreihe passt. Zu Hause füllt der Patient Bleichmittel in die Schiene und trägt diese für etwa 2 Stunden pro Tag über einen Zeitraum von 2 bis 6 Wochen. 

Beim Bleichen in der Praxis schützt der Arzt das Zahnfleisch mit einem Gummituch oder mit Silikon-Gel, bevor er das Bleichmittel aufträgt. «Manche wollen den Bleichvorgang mit Wärme aus Lasern oder speziellen Lampen beschleunigen. Das sollte man nicht bei sich durchführen lassen», warnt Thomas Attin. «Es ist nicht nachgewiesen, dass es den Bleich-Effekt verbessert, und ausserdem erhöht sich das Risiko für eine Entzündung im Zahn.» Einige kaufen sich in Apotheke oder Drogerien mit Bleichmittel imprägnierte Streifen oder Lösungen, die man auf die Zahnoberfläche aufklebt oder aufträgt. «Ich halte Bleichen in der Schiene oder beim Zahnarzt für sinnvoller», sagt Lussi. «Bei den Lösungen gelangt Bleichmittel leichter in die Mundhöhle und kann das Zahnfleisch eher reizen.» Ausserdem müsse man die Produkte im Vergleich zum Home-Bleaching oft länger anwenden, um das gleiche Resultat zu erzielen.

Zähne dunkeln nach

Dass man mit Bleichmitteln die Zähne wirklich aufhellen kann, beweisen Studien. Allerdings variiert die Erfolgsquote. «Je jünger man ist und je höher der Gelb-Anteil im Zahn vor der Behandlung, desto besser wirkt die Therapie», sagt Attin. Hellt der Zahnarzt einen toten Zahn von innen auf, hält der Effekt oft lebenslang an. Anders beim Bleaching von aussen: Nach 2 bis 3 Jahren dunkeln die Zähne bei jedem zweiten Patienten wieder nach.

Quelle: NZZ am Sonntag 14.03.2010, Nr. 11, S. 79