Mannitol als Zusatz steigert die Effektivität der Lokalanästhesie

Moderne Lokalanästhetika sind ein wichtiger Bestandteil der täglichen zahnmedizinischen Praxis. Immer noch kommt es aber vor, dass eine Anästhesie der Pulpa ver- sagt. In der vorliegenden klinischen Studie sollte untersucht werden, ob der Zusatz von Mannitol zu einem Lidocain mit Epinephrin dessen Effektivität erhöhen kann. Bei 40 zufällig ausgewählten Patienten wurde eine Lokalanästhesie des Nervus alveolaris inferior in drei Sitzungen mit einem zeitlichen Abstand von mindestens 1 Woche durchgeführt. Folgende Kombinationen kamen zum Einsatz: 1,8 ml Lösung von 36 mg Lidocain mit 18 ?g Epinephrin (Kontrolle); 2,84 ml Lösung von 36 mg Lido- cain mit 18 ?g Epinephrin (1,80 ml) plus 0,5 M Mannitol (1,04 ml); 5 ml Lösung von 63,6 mg Lidocain mit 32 ?g Epinephrin (3,18 ml) plus 0,5 M Mannitol (1,82 ml).

Nach der Injektion wurden die Zähne blind mit einem elektrischen Pulpatester in 4-minütigen Intervallen über 60 Minuten nach der Anästhesie getestet. Keine Reaktion des Patienten auf den Pulpatest bei maximaler Leistung wurde als „pulpale Anästhesie“ gewertet. Die Gesamt- auswertung erfolgte als Prozentsatz totaler Anästhesie der Pulpa über den Zeitraum von 60 Minuten. Schmer- zen bei der Applikation der Anästhesielösung und postoperative Schmerzen wurden ebenfalls ausgewertet. Folgende Ergebnisse wurden gefunden:

• 2,84 ml Lidocain mit Epinephrin plus 0,5 M Mannitol war statistisch signifikant besser als 1,8 ml Lidocain mit Epinephrin bei Molaren und Prämolaren.

• 5 ml Lidocain mit Epinephrin plus 0,5 M Mannitol war statistisch signifikant besser als 1,8 ml Lidocain mit Epinephrin und 2,84 ml Lidocain mit Epinephrin plus 0,5 M Mannitol bei allen Zähnen außer den mittleren Schneidezähnen.

• Die Schmerzen bei der Applikation der Flüssigkeit und die postoperativen Schmerzen waren zwischen den Gruppen mit und ohne Mannitol nicht verschieden.

Schlussfolgerungen: BeiTerminal- und Leitungsanäs- thesien verbesserte ein Zusatz von 0,5 M Mannitol zu einem Lidocain mit Epinephrin dessen Effektivität signifikant mit einem prozentual höheren Anteil an vollständigen pulpalen Anästhesien im Vergleich zu einem Lidocain mit Epinephrin ohne Mannitol.

Wolf R, Reader A, Drum M, Nusstein J, Beck M. Anesthetic efficacy of combinations of 0.5 m mannitol and lidocaine with epinephrine in inferior alveolar nerve blocks: a prospective randomized, single-blind study. Anesth Prog 2011;58:157-165. 

Amoxicillin bei akuter Sinusitis nicht hilfreich

Die akute Sinusitis (Rhinosinusitis) ist eine häufige Erkrankung, die bei Erwachsenen in den USA zu ein bis fünf Verschreibungen von Antibiotika führt. Die Richtlinien der „US Centers for Disease Control and Prevention“ (CDC) empfehlen die Anwendung von klinischen Kriterien in der Diagnose, welche den Einsatz von Antibiotika auf Patienten mit moderat schweren oder schweren Symptomen beschränken.

Das Ziel dieser Studie war die Bestimmung des zu- sätzlichen Effekts einer Behandlung mit Amoxicillin zu einer symptomatischen Therapie auf die krankheits- spezifische Lebensqualität von Erwachsenen mit einer klinisch diagnostizierten akuten bakteriellen Rhinosinusitis. Erwachsene Patienten, welche die diagnostischen CDC-Kriterien für eine moderate, schwere oder sehr

schwere akute bakterielle Rhinosinusitis erfüllten, wur- den in die Studie eingeschlossen. Den Studienteilnehmern wurde zufällig über 10 Tage entweder Amoxicillin (Test) mit einer täglichen Dosis von 1.500 mg in drei Dosen à 500 mg oder ein Placebo (Kontrolle) mit ähnlichem Aussehen und Geschmack in derselben Art verabreicht. Bei allen Patienten erfolgte eine 5 bis 7 Tage dauernde symptomatische Behandlung von Schmer- zen, Fieber, Husten und nasaler Verstopfung, welche nach Bedarf genutzt werden konnte. Das Augenmerk lag beim Effekt der Behandlung auf der krankheitsspezifischen Lebensqualität am dritten Tag, welche mit Hilfe des „Sinonasal Outcome Test-16“ (SNOT-16) bewertet wurde. Die Daten wurden mit Hilfe von telefonischen Befragungen an denTagen 3, 7, 10 und 28 erhoben.

166 Erwachsene (36 % Männer, 78 % mit weißer Hautfarbe) wurden zufällig in die Test- (n = 85) oder Kontrollgruppe (n = 81) eingeteilt. Hierbei zeigte sich, dass 92 % gleichzeitig eine oder mehr symptomatische Behandlungen nutzten (94 % in derTestgruppe, 90 % in der Kontrollgruppe; p = 0,34). Die durchschnittliche Veränderung der SNOT-16-Werte war am Tag 3 zwischen den Gruppen nicht signifikant verschieden. Es gab keine signifikanten Unterschiede der Durchschnittswerte zwischen den bei- den Gruppen amTag 3 oderTag 10, aber amTag 7 zeigten sich Unterschiede zugunsten des Amoxicillins. In Bezug auf Neben- oder sekundäre Wirkungen konnten keine Unterschiede zwischen den Gruppen festgestellt werden.

Schlussfolgerungen: Bei Patienten mit einer akuten Rhinosinusitis führte eine 10-tägige Behandlung mit Amoxicillin im Vergleich zu einem Placebo am dritten Tag nicht zu einer Reduktion der Symptome. Es fragt sich, ob im Zeitalter von weltweit zunehmenden Resistenzen gegenüber Antibiotika in solchen Fällen nicht besser auf konventionelle „Hausmittel“ zurückgegriffen werden sollte.

Garbutt JM, Banister C, Spitznagel E, Piccirillo JF. Am- oxicillin for acute rhinosinusitis: a randomized cont- rolled trial. JAMA 2012;307:685-692. 

Anmerkung: In Ergänzung zu dem obigen Referat werden im Folgenden nur die Schlussfolgerungen von zwei Cochrane Reviews zu einer ähnlichenThematik wiedergegeben.

Schlussfolgerungen: Die aktuelle Evidenz lässt darauf schließen, dass Kortikosteroide als Zusatztherapie zu oral verabreichten Antibiotika eine kurzfristige Linderung der Schmerzen bei einer akuten Sinusitis bewirken. Allerdings ist die Datenlage limitiert, und es besteht ein signi- fikantes Risiko einer möglichen Verfälschung der Daten. Qualitativ hochwertige Studien zur Effektivität von Kortikosteroiden als Zusatz- oder Einzeltherapie bei Patienten mit einer akuten Sinusitis sollten initiiert werden.

Venekamp RP,Thompson MJ, Hayward G et al. Systemic corticosteroids for acute sinusitis. Cochrane Database Syst Rev 2011;(12):CD008115. DOI: 10.1002/14651858. CD008115.pub2. 

Schlussfolgerungen: Es findet sich nur eine moderate Evidenz, dass Antibiotika bei der primären Behandlung von Patienten mit einer komplikationslosen akuten Sinu- sitis einen geringfügigen therapeutischen Effekt haben. Allerdings kam es bei 80 % der ohne Antibiotika behandelten Patienten zu einer Verbesserung innerhalb von 2 Wochen. Kliniker müssen den geringen Vorteil einer Antibiotikabehandlung gegen die möglichen Nebeneffekte auf individueller Basis und bei der Gesamtbevölkerung abwägen.

Ahovuo-Saloranta A, Borisenko OV, Kovanen N et al. Antibiotics for acute maxillary sinusitis. Cochrane Data- base Syst Rev 2008;(2):CD000243. DOI: 10.1002/14651858. CD000243.pub2.