Nur geringe Evidenz für das Setzen von Implantaten ohne Lappenbildung

Dentale Implantate werden in der Regel nach einer Lappenbildung zur Visualisierung des Knochenbetts für die Implantation gesetzt. Im Hinblick auf solche Eingriffe wurden verschiedene Arten der Lappenbildung vorgeschlagen. Implantate lassen sich aber in bestimmten Fällen auch ohne eine Lappenbildung inserieren, was für den Patienten angenehmer sein kann. Das Ziel dieser Cochrane-Übersicht war es, folgende Fragestellungen zu evaluieren: Bringt ein Vorgehen ohne Lappenbildung für den Patienten Vorteile? Welches Lappendesign ist ideal? Sind Techniken zur Korrektur/Augmentation der Weichgewebe für den Patienten vorteilhaft, und welche Technik ist die beste? Bieten Techniken zur Ver- breiterung der keratinisierten Gingiva für den Patienten Vorteile, und welche Technik ist die beste? Welche Nahttechniken/-materialien sind die besten?

Angewendet wurde die übliche Cochrane-Library- Strategie. Von 17 in Frage kommenden randomisierten kontrollierten Studien konnten nur sechs (138 Patienten) berücksichtigt werden. Zwei Studien (56 Patienten) verglichen das Setzen von Implantaten ohne Lappen mit einer konventionellen Lappenbildung, eine Studie (10 Patienten) verglich eine Inzision auf dem Kamm mit einer vestibulären Schnittführung, eine Studie (20 Patienten) untersuchte den Einsatz eines Erbium:YAG- Lasers im Vergleich zur Lappenbildung bei der Freilegung der Implantate, eine Studie untersuchte in einem Split-Mouth-Design (10 Patienten), ob der Einsatz eines Bindegewebstransplantates zur Verbesserung der Gewebesituation um Implantate führt, und eine Studie (40 Patienten) verglich den Einsatz eines autologen Transplantates mit dem einer tierischen Kollagenmatrix zur Verbesserung der Höhe der keratinisierten Gingiva.

Bezogen auf den Patienten und nicht auf das Implantat selbst, führten das Setzen der Implantate ohne Lappenbildung und die Freilegung mit Hilfe eines Lasers zu statistisch signifikant weniger postoperativen Schmerzen als Eingriffe mit einem Lappen. Bereiche, in denen ein Aufbau der Weichgewebe mit einem Bindegewebstransplantat erfolgt war, zeigten eine bessere Ästhetik und dickere Gewebe. Sowohl das palatinale Transplantat als auch die Anwendung einer vom Schwein gewonnenen Kollagenmatrix führten zu einer Verbesserung der Höhe der keratinisierten Gingiva, hatten jedoch eine Rezession der periimplantären Gewebe von 0,5 mm zur Folge. Bei den übrigen Auswertungen fanden sich keine weiteren statistisch signifikanten Unterschiede.

Schlussfolgerungen: Es gibt nur eine eingeschränkte und eher schwache Evidenz dafür, dass ein Setzen von Implantaten ohne Lappenbildung voraussagbar ist und bei ausgewählten Patienten zu einer Reduktion post- operativer Schmerzen führt, dass die Augmentation mit Weichgewebstransplantaten im Bereich der Implantate effektiv zu einer Verdickung der Weichgewebe und einer verbesserten Ästhetik führt und dass eine Technik zur Verbreiterung der keratinisierten Gingiva mit autolo- gem Gewebe oder einer tierischen Kollagenmatrix dieses Ziel (jedoch auf Kosten einer schlechteren Ästhetik in Form einer Rezession von 0,5 mm) erreicht. Es fehlt an ausreichender Evidenz, um Empfehlungen hinsicht- lich einer idealen Lappengestaltung sowie der besten Technik zum Aufbau von Weichgewebe geben zu können und zu entscheiden, obTechniken zur Verbreiterung der keratinisierten/angewachsenen Gingiva dem Pati- enten Vorteile bringen und welche Inzisions-/Nahttech- niken bzw. Nahtmaterialien die besten sind. Zur Beantwortung diese Fragen bedarf es mehr randomisierter kontrollierter Studien mit mindestens 6 Monaten Beobachtungszeit.

Esposito M, Maghaireh H, Grusovin MG, Ziounas I, Worthington HV. Interventions for replacing missing teeth: management of soft tissues for dental implants. Cochrane Database of Syst Rev 2012;(2):CD006697. DOI: 10.1002/14651858.CD006697.pub2.

Lichtaktivierung bei Bleichtherapie kann zu höherer Zahnempfindlichkeit führen

Das Bleichen der Zähne ist eine immer populärer werdende kosmetische Behandlung. Dabei sind das Bleichen in der Praxis („in-office bleaching“) sowie das häusliche Zähnebleichen („home bleaching“) mittels vom Zahnarzt empfohlener Schienen und Bleichmittel die am häufigsten eingesetzten Methoden. Die Aktivierung mit verschiedenen Lichtquellen wie Halogen-Polymerisationslampen, Xenon-Halogen-Lampen, Plasma- lampen, LEDs, LEDs plus Laser sowie Laser wurde verwendet, um die Behandlungszeit zu verkürzen und die Zahnüberempfindlichkeit zu reduzieren. Dennoch zeigen Studien widersprüchliche Resultate. Das Ziel dieser Übersicht war es, den Einfluss der Aktivierung durch Licht auf das Bleichen und die Überempfindlich- keit der Zähne zu untersuchen.

Die elektronischen Datenbanken Medline, Embase und Cochrane Central wurden ohne Einschränkung der Sprache durchsucht. Nur Systeme für das In-Office- Bleaching vitaler Zähne fanden Berücksichtigung. Randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) oder Quasi- RCTs, welche das Vorgehen mit und ohne Aktivierung durch Licht verglichen, wurden bewertet. Berichte ohne klinische Daten zur Effektivität des Bleichens oder zur Zahnempfindlichkeit wurden ausgeschlossen. Die Aus- wertung der Daten erfolgte durch zwei unabhängige Untersucher und die Bewertung der Qualität mit Hilfe der Cochrane-Kriterien. Der Grad des Bleichens wurde mit Hilfe einer visuellen und/oder instrumentellen Farbwahl bestimmt. Die Zahnempfindlichkeit wurde mit Hilfe einer visuellen Analogskala (VAS), einer in Worten gefassten Skala oder in Form einer Prozentangabe der Patienten zu bewertet.

Die Auswertung ergab folgende Resultate:
Elf Studien (neun RCTs, zwei kontrollierte Studien) wurden in die Metaanalyse eingeschlossen. Fünf RCTs zeigten ein niedriges und vier ein moderates

Risiko einer möglichen statistischen Verzerrung.

Bei niedrigeren Wasserstoffperoxid-Konzentrationen (15-20 %) führt ein System mit Lichtaktivierung zu einer besseren unmittelbaren Bleichwirkung als ein System ohne Licht (Durchschnittsdifferenz [DD], -1,78; 95%-Kon- fidenzintervall [KI]: [-2,30, -1,26]; p < 0,00001).

Bei hohen Wasserstoffperoxid-Konzentrationen (25-35 %) fand sich kein Unterschied in der unmit- telbaren (DD, -0,39; 95%-KI: [-1,15, 0,37]; p = 0,32) oder kurzzeitigen Bleichwirkung (DD, 0,25; 95%-KI: [-0,47, 0,96]; p = 0,50) zwischen Systemen mit oder ohne Lichtaktivierung.

Dennoch führte der Einsatz der Lichtaktivierung zu einem höheren Prozentsatz von Zahnüberempfind- lichkeiten (Chancenverhältnis/Odds Ratio [OR], 3,53; 95%-KI: [1,37, 9,10]; p = 0,009) als ein System ohne Lichtaktivierung im Rahmen eines In-Office- Bleachings.

Schlussfolgerungen: Licht erhöht das Risiko einer Zahnüberempfindlichkeit bei einem In-Office-Bleaching und führt beim Einsatz von hoch konzentriertem Wasserstoffperoxid (25-35 %) nicht zu besseren Resultaten. Aus diesem Grund sollten Behandler Systeme mit einer Lichtaktivierung sorgfältig anwenden oder besser dar- auf verzichten. Weitere detaillierte Studien sind notwen- dig, um den Vorteil der Lichtaktivierung beim Einsatz niedrig konzentrierter Wasserstoffperoxide (15-20 %) genauer zu untersuchen.

He LB, Shao MY, Tan K, Xu X, Li JY. The effects of light on bleaching and tooth sensitivity during in-office vital bleaching: A systematic review and meta-analysis. J Dent 2012 Apr 20 [Epub ahead of print]. PubMed ID: 22525016.