Versiegelung der Zahnoberfläche zum Schutz vor Erosionen

In den industrialisierten Ländern hat die Karies als Ur­sache für den Verlust an Zahnhartsubstanz in den letz­ten 10 Jahren weiter abgenommen. Im Zuge dieser Abnahme sind andere Ursachen wie die dentale Ero­ sion mehr in den Fokus gerückt. Zur Prävention von Erosionen wird oft die lokale Anwendung von Fluorid­ haltigen Pasten und Spüllösungen empfohlen. Die meisten dieser Maßnahmen hängen stark von der Mitarbeit der Patienten ab, so dass die Prävention oft nicht die gewünschten Ziele erreicht. Ein patientenun­ abhängigerer Ansatz wäre sicher eine sinnvolle Alter­native. Die Versiegelung der Zahnoberflächen scheint hierbei ein vielversprechender Ansatz zu sein.

In einer In­vitro­Studie an 144 in 12 Gruppen unter­ teilten bovinen Proben sollte die langfristige Schutz­ funktion von Versieglern gegen extrinsische und in­ trinsische Säuren untersucht werden. Die Proben der Gruppen 1, 5 und 9 blieben unversiegelt (positive Kontrolle). Die Proben der Gruppen 2, 6 und 10 wur­ den mit Silicon Seal Nano Mix und die der Gruppen 3, 7 und 11 mit Seal&Protect behandelt. Bei den Proben der Gruppen 4, 8 und 12 erfolgte eine Versiegelung mit einem fließfähigen Komposit (negative Kontrolle). Die Proben der Gruppen 1 bis 4 wurden in künstlichem Speichel, die der Gruppen 5 bis 8 in Flusssäure und die der Gruppen 9 bis 12 in Zitronensäure für jeweils 28 Tage eingelegt. Nach 1, 2, 4, 7, 11, 14, 21 und 28 Ta­gen erfolgte neben einer Erneuerung der Lösungen die Bestimmung des Schmelzabtrags mit Hilfe der gelösten Mineralien in der Lösung. In allen Lösungen wurde der geringste Verlust an Mineralien für die negative und der höchste für die unversiegelten Kontrollgrup­ pen gefunden. In künstlichem Speichel und Zitronen­ säure war der Substanzverlust der mit Seal&Protect versiegelten Proben nicht signifikant verschieden von demjenigen der negativen Kontrolle, während der Substanzverlust der mit Silicon Seal Nano Mix versie­ gelten Proben signifikant höher war. In Flusssäure un­ terschied sich der Substanzverlust der mit Seal&Protect versiegelten Proben über die ersten 4 Tage nicht von dem der negativen Kontrolle. Außer nachTag 1 war der Substanzverlust in der Seal&Protect­Gruppe signifikant niedriger als in der Silicon­Seal­Nano­Mix­Gruppe.

Schlussfolgerungen: Der getestete Versiegler auf Kompositbasis ist in der Lage, die erosive Deminerali­sierung des Schmelzes durch Fluss­ und Zitronensäure auch nach längerer Exposition wirksam zu verhindern bzw. zu minimieren. Ein präventiver klinischer Einsatz erscheint bei Risikopatienten mit Anzeichen beginnender und bei Patienten mit bestehenden Erosionen sinnvoll.

Wegehaupt FJ, Tauböck TT, Sener B, Attin T. Long-term protective effect of surface sealants against erosive wear by intrinsic and extrinsic acids. J Dent 2012;40: 416-422.

Längenmessung der Wurzelkanäle auf DVTs

Eine genaue Messung der Wurzelkanallänge ist für den Erfolg einer Wurzelkanalbehandlung mitentscheidend. Konventionelle Messmethoden mit Hilfsmitteln wie dem elektronischen Apexfinder (EAF) und periapikalen Rönt­ genbildern sind in der Literatur ausführlich beschrieben.

Eine der Einschränkungen der Messung mit zweidimen­ sionalen Mitteln besteht darin, dass die Wurzellänge häufig überschätzt wird. Die digitale dentale Volumen­ tomographie (DVT) ist ein valides Werkzeug zur dreidi­ mensionalen Beurteilung von Wurzelkanälen. Axiale Schnitte können Krümmungen und die genaue Position des Foramen darstellen. Seit der Einführung dieser 3­D­ Röntgentechnik hat sie auch in der endodontischen

Diagnostik zunehmend an Bedeutung gewonnen. Ne­ ben dem besseren Verständnis der Wurzelanatomie ist die DVT für die Darstellung von periapikalen Läsionen, Wurzelfrakturen und internen/externen Resorptionen ein sehr gutes diagnostisches Hilfsmittel.

Das Ziel dieser prospektiven klinischen Studie be­ stand darin, die Arbeitslänge einer geplanten Wurzel­ kanalbehandlung in vorhandenen DVTs auszumessen und diese dann mit einer klinischen elektronischen Längenmessung zu vergleichen. Bei allen Probanden war ein DVT vorhanden, das unabhängig von der Stu­ die angefertigt worden war. Außerdem musste min­ destens ein Zahn im anterioren Bereich endodontisch versorgt werden. 40 Frontzähne von 30 Patienten (13 Frauen und 17 Männer, Durchschnittsalter 44 Jahre) wurden in die Studie eingeschlossen. Klinisch erfolgte die Messung der Wurzellänge mit einem EAF durch einen Endo­Spezialisten. Diese Messung wurde mit der Längenbestimmung in vestibulooralen und mesiodis­ talen DVT­Schnitten durch einen nicht an der Studie beteiligten Experten verglichen. Die Messungen wur­ den wiederholt, um die Zuverlässigkeit des Experten zu bewerten. Der Pearson­ Korrelationskoeffizient (r) für den Vergleich der DVT­Messung mit der EAL­Messung lag bei 0,97. Zusätzlich konnte für die DVT­Messungen eine große Wiederholungsgenauigkeit gefunden wer­ den (r = 0,99).

Schlussfolgerungen: Diese prospektive, kontrol­lierte klinische Studie zeigt, dass DVT­Schnitte zur Be­ stimmung der Arbeitslänge durchaus für eine Wurzel­ kanalbehandlung verwendet werden können. Weitere Untersuchungen sind notwendig, um herauszufinden, ob vorhandene DVTs die Ausgangsröntgenbilder und die Nadelröntgenbilder zur Bestimmung der Arbeitslänge in Zukunft ersetzen können. Neben der Längenmessung ist auch die verbesserte anatomische Vorkenntnis her­ vorzuheben, die in schwierigeren anatomischen Situa­tionen bei der Instrumentierung von Wurzelkanälen hilfreich sein kann.

Jeger FB, Janner SF, Bornstein MM, Lussi A. Endodontic working length measurement with preexisting cone- beam computed tomography scanning: a prospective, controlled clinical study. J Endod 2012;38:884-888.

Auffinden des Zugangskanals bei zementierten Implantatkronen

Zementierte Versorgungen auf Implantaten sind je nach prothetischer und ästhetischer Situation den verschraub­ ten Varianten vorzuziehen. Dennoch ist die Möglich­ keit, die Befestigungsschraube im Fall einer klinischen Lockerung wieder freizulegen, bei verschraubten Ver­ sorgungen sicher eher gegeben. Wenn sich bei einer zementierten Rekonstruktion eine Abutmentschraube gelockert hat, muss ein Zugang durch die Krone ge­ schaffen werden, was nicht immer einfach ist. Eines der größten Probleme stellt hierbei das exakte Auffin­ den des Schraubenkanals dar, ohne dabei einen zu großen Schaden anzurichten. In der Literatur wurden hierfür verschiedene Methoden beschrieben.

Eine einfache und effiziente Lösung stellt die Her­ stellung einer Tiefziehschiene auf dem Arbeitsmodell dar, welche der Behandler zusammen mit der Arbeit erhält. Auf der Schiene wird das Zentrum des Schrau­benkanals markiert. Bei einer Lockerung der Abutment­ schraube kann die Schiene im Mund des Patienten über der Versorgung positioniert und anschließend mit einem diamantierten Fräser der Zugang zum Schrau­ benkanal eröffnet werden. Es ist in jedem Fall ratsam, die Arbeitsmodelle (und eventuelle Schienen) von im­ plantatgetragenen Versorgungen aufzubewahren, um bei einer notwendigen Anpassung/Neuanfertigung nicht erneut eine Abformung durchführen zu müssen.

Tarlow JL. A modified technique to locate the abut- ment screw access opening of a cemented implant- supported restoration. J Prosthet Dent 2012;108:58-59.