Wurzelkanalbehandlung in einer oder zwei Sitzungen?

Wurzelkanalbehandlungen stellen eine verbreitete Form der zahnmedizinischen Behandlung dar, welche gewöhnlich beim Vorliegen einer irreversiblen Pulpitis bzw. Nekrose der Pulpa infolge einer Karies oder eines Traumas durchgeführt werden. Ziel der vorliegenden Studie war es, das Resultat einer Wurzelkanalbehandlung von Zähnen mit einer apikalen Läsion in einer mit der in zwei Sitzungen nach einer Beobachtungszeit von 2 Jahren zu vergleichen. Patienten mit einer röntgenologisch evidenten apikalen Läsion (minimale Größe ? 2,0 x 2,0 mm) und einer diagnostizierten Nekrose wur- den in die Studie eingeschlossen. Weitere Einschlusskriterien waren: devitale Pulpa und apikale Läsion mit oder ohne Fistel, negative Reaktion auf Kälte- oder Wärmetest, genügend Restzahnhartsubstanz zur Be- festigung eines Kofferdams, keine frühere Wurzel- kanalbehandlung und keine vorherige Behandlung mit Schmerzmitteln oder Antibiotika.

Die Patienten wurden vor der Behandlung zufällig in zwei Gruppen eingeteilt. Bei den Patienten mit einer Behandlung in zwei Sitzungen erfolgte die zweite mindestens 1 Woche nach der ersten Sitzung. Die Zähne wurden nach 2 Jahren klinisch und radiologisch untersucht. Die Röntgenbilder wurden kodiert und für die bewertenden Spezialisten anonymisiert. Insgesamt wur- den 287 Patienten (300 Zähne) untersucht. 155 Zähne wurden in einer und 145 in zwei Sitzungen behandelt. 18 Zähne (9 aus jeder Gruppe) konnten nicht nachuntersucht werden. Nach 2 Jahren ließ sich kein signifi- kanter Unterschied zwischen den beiden Gruppen fin- den. 96,57 % (141 von 146 Zähnen) in der Gruppe mit einer Sitzung und 88,97 % (121 von 136 Zähnen) in der Gruppe mit zwei Sitzungen konnten als geheilt bewertet werden.

Schlussfolgerungen: Die Studie zeigt, dass ein sorgfältig instrumentierter Zahn in einer Sitzung ge- nauso erfolgreich wurzelkanalbehandelt werden kann wie in zwei Sitzungen. Es konnte auch radiologisch kein signifikanter Unterschied der periapikalen Abheilung zwischen den beiden Gruppen festgestellt werden.

Anmerkung: Im Jahr 2007 wurde ein Cochrane- Review von Figini et al. veröffentlicht. Dieses schloss 12 randomisierte Studien ein und kam zu dem Schluss, dass in Bezug auf den radiologisch sichtbaren Erfolg zwischen einer Wurzelkanalbehandlung in einer oder zwei Sitzungen kein Unterschied besteht. Die meisten kurz- und langfristigen Komplikationen sind hinsichtlich ihres Auftretens ähnlich, auch wenn Patienten nach einer Wurzelkanalbehandlung in einer Sitzung eher zu Schwellungen neigen und leichter zu Schmerzmitteln greifen.

Paredes-Vieyra J, Enriquez FJ. Success rate of single- versus two-visit root canal treatment of teeth with apical periodontitis: a randomized controlled trial. J Endod 2012;38:1164-1169. 

Physiotherapie bei Kiefergelenks­ problemen genauso effektiv wie Schienen

Ein Cochrane-Review von Al-Ani et al. aus dem Jahr 2003 fand keine Evidenz für oder gegen den Einsatz einer Stabilisierungsschiene zur Behandlung von Kie- fergelenksbeschwerden (Temporomandibular Disor- ders =TMD). Eine weitere Übersichtsarbeit von Fricton et al. aus dem Jahr 2010 fand eine geringe Evidenz der Effektivität einer harten Stabilisierungsschiene. Aus den beiden Reviews kann man schließen, dass mehr randomisierte klinische Studien notwendig sind, um definitive Lösungen für dieses häufig auftretende klinische Problem zu erhalten.

Das Ziel der vorliegenden Studie bestand darin, die kurzfristige Wirksamkeit einer Schienentherapie auf durch das Kiefergelenk ausgelöste Schmerzen und die Mobilität des Unterkiefers zu untersuchen. Patienten ab einem Alter von 20 Jahren mit nach definierten Kriterien klinisch diagnostizierten Kiefergelenksproble- men und ohne systemische Erkrankungen, die einen Einfluss auf die Kaumuskulatur haben könnten (z. B. rheumatoide Arthritis), wurden zufällig in eine Gruppe mit Schienentherapie (n = 39) und eine Kontrollgruppe (n = 41) eingeteilt. Die Gruppe mit Schienentherapie wurde mit einer Stabilisierungsschiene und einer phy- siotherapeutischen Beratung (Muskelübungen) behandelt, während die Kontrollgruppe nur eine physiotherapeutische Beratung erhielt. Als Messkriterien dienten die Erfassung der Intensität der Gesichts- schmerzen mit Hilfe einer visuellen Analogskala (VAS) und klinische Befunde für TMD, welche zu Beginn und nach 1 Monat erhoben wurden. Vier Patienten aus der Kontrollgruppe konnten nicht nachuntersucht werden. In beiden Gruppen gingen die Gesichtsschmerzen zu- rück, und die meisten klinischen Anzeichen einer TMD verschwanden. Die Unterschiede in der Veränderung der Schmerzen (VAS) oder die klinischen Befunde waren in den beiden Gruppen statistisch nicht signifikant verschieden.

Schlussfolgerungen: Die Resultate der Studie zei- gen, dass die Behandlung von Kiefergelenksproblemen mit einer Schiene und einer physiotherapeuti- schen Beratung kurzfristig keine besseren Ergebnisse liefert als die physiotherapeutische Beratung alleine. Für die Praxis bedeutet dies, dass vor einer Schienen- therapie eine Beratung des Patienten mit Muskelübungen und kalten/warmen Umschlägen durchgeführt werden sollte, während eine aufwändige Schienen- therapie vielleicht nicht notwendig ist.

Niemelä K, Korpela M, Raustia A, Ylöstalo P, Sipilä K. Efficacy of stabilisation splint treatment on temporo- mandibular disorders. J Oral Rehabil 2012 Jul 19 [Epub ahead of print]. DOI: 10.1111/j.1365-2842.2012.02335.x.