Zweimal jährlich Silberdiaminfluorid zur Kariesbehandlung

Das Interesse am Einsatz von Silberfluorid zur Karieskontrolle ist in letzter Zeit wieder gestiegen, da Karies leider immer noch weltweit ein signifikantes Problem darstellt. Ziel dieser Studie war es, die Effektivität der jährlichen bzw. halbjährlichen lokalen Anwendung einer Silberdiaminfluoridlösung (SDF) und der jährlichen Anwendung eines fließfähigen, stark Fluorid freisetzenden Glasionomers zur Arretierung einer aktiven Karies an Milchzähnen zu untersuchen. Die Studie wurde in Guangzhou in der südchinesischen Provinz Guangdong Province durchgeführt, wo Liu et al. bereits früher ähnliche Untersuchungen vorgenommen hatten.

Insgesamt 212 Kinder im Alter von 3 bis 4 Jahren wurden zufällig in folgende drei Gruppen zur Behandlung kariöser Läsionen im Dentin der Milchzähne eingeteilt: Gruppe 1 – jährliche Applikation von SDF (n = 71), Gruppe 2 – halbjährliche Applikation von SDF (n = 69) und Gruppe 3 – jährliche Anwendung von Glasio- nomer (n = 72). Nachuntersuchungen wurden alle 6 Monate durchgeführt, um zu bestimmen, ob die behandelten kariösen Läsionen arretiert werden konnten. Informationen zu Putzgewohnheiten, zum Einsatz fluoridierter Zahnpasta, zur Häufigkeit der Aufnahme süßer Snacks zwischen den Mahlzeiten und zur Zufrie- denheit der Eltern mit dem Erscheinungsbild der Zähne ihrer Kinder wurden mit Hilfe eines Fragebogens zu Beginn und nach 24 Monaten erhoben. Nach 24 Mona- ten befanden sich noch 181 Kinder (85 %) in der Studie (60, 59 bzw. 62 Kinder in den Gruppen 1, 2 bzw. 3). Die Rate der arretierten Karies lag in den Gruppen 1, 2 und 3 bei 79 %, 91 % bzw. 82 % (p = 0,007). Es wurde eine höhere Rate an arretierter Karies bei den in Gruppe 2 behandelten kariösen Läsionen (Chancenverhältnis/ Odds Ratio [OR] = 2,98, p = 0,007), bei den Frontzähnen (OR = 5,55, p < 0,001) und auf den bukkolingualen Glattflächen (OR = 15,6, p = 0,004) gefunden.

Schlussfolgerungen: Während die jährliche Anwendung einer SDF-Lösung oder eines fließfähigen, stark Fluorid freisetzenden Glasionomers sich hinsichtlich der Wirkung zur Arretierung einer aktiven Dentinkaries an Milchzähnen nicht signifikant unterscheiden, führt die häufigere Anwendung einer SDF- Lösung (alle 6 Monate) zu einer Erhöhung der Rate arretierter kariöser Läsionen.

Zhi QH, Lo EC, Lin HC. Randomized clinical trial on ef- fectiveness of silver diamine fluoride and glass iono- mer in arresting dentine caries in preschool children. J Dent 2012;40:962-967.

Sind Engstand der Zähne und Karies miteinander verknüpft?

Der Engstand der Zähne führt zu veränderten approximalen und okklusalen Kontakten und dadurch zu Bereichen, die oft zu einer stärkeren Ansammlung von Speiseresten und Plaque neigen. Daher wurde dieser Umstand als Risikofaktor für dentale Karies angesehen. Allerdings sind die Ergebnisse der Studien, die den Zusammenhang zwischen Engstand und Karies untersuchen, oft widersprüchlich. Ziel dieser Übersichtsarbeit war es, den Zusammenhang zwischen Engstand der Zähne und der Entwicklung kariöser Läsionen zu bewerten.

Die Datenbanken Cochrane Library, PubMed, Med- line, LILACS, Google Scholar und ISI Web of Science wurden durchsucht. Zusätzlich erfolgte eine manuelle Suche in folgenden Zeitschriften: Journal of Dental Research, Community Dentistry and Oral Epidemiolo- gy, American Journal of Orthodontics, American Jour- nal of Orthodontics and Dentofacial Orthopedics, Angle Orthodontist und European Journal of Orthodontics. Studien zu Prävalenz oder Schweregrad von Engstand und Karies und einer Bestimmung des Zusammenhangs zwischen diesen mit einem Vergleich oder eine Kontrollgruppe wurden eingeschlossen. Die Qualität der Studien wurde bewertet und die MOOSE-Regeln (Meta-analysis of Observational Studies in Epide- miology) befolgt.

18 Studien entsprachen den Einschlusskriterien, wobei nur acht Durchschnittsanalysen in der qualitativen Synthese eingeschlossen wurden. Vier Studien fanden keinen Zusammenhang zwischen Engstand oder Unregelmäßigkeiten der Zahnstellung und Karies. Signifikant negative Korrelationen wurden in zwei Studien beschrieben. Eine Studie zeigte einen direkten und signifikanten Zusammenhang zwischen Engstand und approximalem Kariesbefall, eine andere einen positiven Zusammenhang zwischen Engstand und approximaler Karies und eine weitere einen positiven Zusammenhang zwischen Engstand und approximaler Oberflächenkaries im Bereich der Unterkieferfront sowie eine umgekehrte Korrelation im posterioren Anteil des Oberkiefers.

Schlussfolgerungen: Die Autoren folgerten, dass zurzeit keine qualitativ hochwertigen Studien den Zusammenhang zwischen Engstand und Karies bestätigen oder widerlegen.

Hafez HS, Shaarawy SM, Al-Sakiti AA, MostafaYA. Den- tal crowding as a caries risk factor: A systematic review. Am J Orthod Dentofacial Orthop 2012;142:443-450.

Zirkonoxid bei implantatgetragenem festsitzendem Zahnersatz

In den frühen 1990er Jahren wurde Zirkonoxid als Material in die Zahnmedizin eingeführt und hat mit der Verbreitung von CAD/CAM-Technologien rasch an Po- pularität gewonnen. Der erfolgreiche Einsatz von Zirkonoxidkeramiken zur Herstellung von zahngetragenen Versorgungen hat die Kliniker ermutigt, die Anwendung auch auf implantatgetragene Arbeiten auszudehnen. Die vorliegende Übersichtsarbeit sollte das aktuelle Wissen über den Einsatz von Zirkonoxid als Gerüstmaterial bei implantatgetragenen Versorgungen und Implantatabutments, Laborstudien, aktuelle Entwicklungen, klinische Leistungsfähigkeit und mögliche Zukunftstrends in der Implantatprothetik eruieren. Die verfügbare Literatur aus den Jahren 1990 bis 2010 wurde mit den Suchbegriffen „zirconia“, „implants“, „abut- ment“, „crown“ und „fixed dental prosthesis“ elektronisch (PubMed) sowie von Hand durchsucht.

Die neuesten Einsatzgebiete von Zirkonoxid in der Implantologie umfassen Abutments, mehrgliedrige und kieferumspannenende Gerüste sowie individuelle Stegkonstruktionen zur Unterstützung von festsitzenden und abnehmbaren Rekonstruktionen. Dem Zirkonoxid werden eine hohe Biokompatibilität, eine geringe Adhäsion von Bakterien auf der Oberfläche und günstige chemische Eigenschaften zugeschrieben. MitYttrium stabilisiertes Zirkonoxid zeigt aufgrund eines Um- wandlungsmechanismus (Phasenänderung des Zustands) eine hohe Biege- und Bruchfestigkeit. Erste klinische Daten bestätigen die hohe Stabilität des Zir- konoxids bei Abutments und als Gerüstmaterial für implantatgetragene Brücken. Über Frakturen oder Schäden an Abutments und Gerüsten aus Zirkonoxid wurde selten berichtet. Das Abplatzen der Verblendkeramik ist die am häufigsten auftretende Komplikation bei implantatgetragenen Zirkonoxidrekonstruktionen. Diese Misserfolge der Verblendkeramik haben zu Bedenken hinsichtlich der unterschiedlichen Wärmeausdehnungskoeffizienten von Gerüst- und Verblendkeramik sowie deren Verarbeitungsprotokollen geführt.

Schlussfolgerungen: Zum gegenwärtigen Zeitpunkt (Stand: 2010) fehlen die Evidenz und Langzeitergebnisse für einen erfolgreichen Einsatz von Versorgungen auf Zirkonoxidbasis. Dieser Umstand sollte vor allem bei umfangreichen implantatgetragenen Zirkonoxidversorgungen bedacht werden.

Guess PC, Att W, Strub JR. Zirconia in fixed implant prosthodontics. Clin Implant Dent Relat Res 2012;14: 633-645.