Wie viele Spüllösungen sind für eine erfolgreiche Wurzelbehandlung erforderlich?

Für eine erfolgreiche Wurzelbehandlung ist es ent- scheidend, Bakterien effizient und möglichst vollständig aus dem Wurzelkanalsystem zu entfernen. Neben der mechanischen Aufbereitung spielt hierbei die Spü- lung und Desinfektion der Kanäle eine wichtige Rolle. In der Literatur finden sich verschiedene „Spülprotokolle“, die diese Aufgabe übernehmen sollen. Ziel der vorliegenden klinischen Studie war es, die Ergebnisse eines nicht aktivierten einzeitigen Spülprotokolls (NAS) unter ausschließlicher Verwendung von 1%igem Natriumhypochlorit (NaOCl) mit denen eines passiven mehrstufigen ultraschallaktivierten Spülprotokolls unter Einsatz von 1 % NaOCl, 17 % EDTA und 2 % Chlorhexidin (PUS) zu vergleichen.

Patienten mit avitalen (CO2-Kältetest negativ) Molaren und einer radiologisch sichtbaren apikalen Parodon- titis wurden in die Studie eingeschlossen. In beiden Gruppen erfolgte eine endodontische Behandlung in zwei Sitzungen mit einer intrakanalären Kalziumhydroxid- Einlage und einem zufällig ausgewählten Spülprotokoll (NAS oder PUS). Zu vier verschiedenen Zeitpunkten (vor der Instrumentierung, nach dem Spülprotokoll, nach der Kalziumhydroxid-Einlage und vor der defini- tiven Wurzelkanalfüllung) wurden Proben aus den Kanälen entnommen und bakterielle Kulturen gezüchtet. 50 Zähne von 49 Patienten konnten untersucht wer- den; 4 Patienten erschienen nicht mehr zur zweiten Sitzung.

Zwischen den beiden Gruppen wurde kein statistisch signifikanter Unterschied gefunden. 21 von 25 Zähnen (84 %) in der PUS-Gruppe und 20 von 25 Zähnen (80 %) in der NAS-Gruppe zeigten nach Abschluss des initialen Spülprotokolls negative Bakterienkulturen. Nach der Einlage mit Kalziumhydroxid wurde bei 40 der 46 verbleibenden Zähne (87 %) eine negative Bakterienkultur festgestellt. Diese Zahl stieg nach der zweiten Instrumentierung und Spülung auf 91 %.

Schlussfolgerungen: Zwischen den verschiedenen Spülprotokollen war kein signifikanter Unterschied zu finden. Jedes Protokoll führte zu einer großen Zahl an negativen Kulturen. Dieser hohe Anteil an negativen Kulturen nach einer Sitzung ist wahrscheinlich die Folge eines größeren Volumens und einer größeren Tiefe der Spülung im Vergleich zu früheren Berichten mit ähnlichen Protokollen.

Kommentar: Gegenstand dieser Studie war der Vergleich zwischen einem Spülprotokoll mit drei Schlüsselwirkstoffen (NaOCl, EDTA und Chlorhexidin) und einem weiteren mit nur einem einzelnen Wirkstoff (NaOCl). Es wurde kein statistisch signifikanter Unterschied bei den negativen Bakterienkulturen gefunden. In der Arbeit werden viele Details zur klinischen Anwendung beschrieben, aber es sind keine Berechnungen enthalten, die zeigen, ob die Anzahl der Proben groß genug war, um eine Aussage zur statistischen Signifikanz zu treffen. Sicherlich müssen weitere Untersuchungen durchgeführt werden, um den Einfluss der zur Spülung der Wurzelkanäle verwendeten Protokolle zu überprüfen. Es wäre wünschenswert, wenn man in Zukunft bei der Desinfektion des Kanalsystems nur NaOCl verwenden müsste.

Beus C, Safavi K, Stratton J, Kaufman B. Comparison of the effect of two endodontic irrigation protocols on the elimination of bacteria from root canal system: a prospective, randomized clinical trial. J Endod 2012; 38:1479-1483. 

Oberflächenanästhesie vor Injektion wenig wirkungsvoll

Eine vollständige lokale Anästhesie während einer Behandlung ist für den Zahnarzt von großer Bedeutung. In zahlreichen wissenschaftlichen Untersuchungen wurde diese Thematik diskutiert. Der Gebrauch von lokalen Oberflächenanästhetika vor der Injektion, die Verwendung verschiedener Arten und Volumina an- ästhetischer Lösungen sowie der Einsatz zusätzlicher Injektionen und modifizierter Techniken sollen die Anästhesie effektiver und vor allem für den Patienten weniger schmerzhaft machen. Frühere Arbeiten zur Wirksamkeit lokaler Oberflächenanästhetika vor einer Injektion zeigten widersprüchliche Ergebnisse. Wäh- rend viele Studien den Einsatz von lokalen Oberflächenanästhetika zur Reduktion des Schmerzes beim Einstich der Injektionsnadel und bei der Injektion des Anästhetikums unterstützten, kamen andere zu gegenteiligen Resultaten. Die Lokalisation der Einstichstelle scheint einer der Hauptgründe für diese widersprüch- lichen Ergebnisse zur Anwendung von lokalen Ober- flächenanästhetika vor der Injektion zu sein.

Die vorliegende klinische Doppelblindstudie an 25 freiwilligen Probanden sollte den Einfluss eines lokalen Oberflächenanästhetikums auf den Schmerz bei der Penetration der Nadel und bei der Infiltration des Anästhetikums in die Gewebe sowie die Wirksamkeit im Bereich der mittleren Oberkieferfrontzähne untersuchen. Bei den 25 Probanden wurde vor der Anästhesie der oberen mittleren Schneidezähne mit Prilocain in zwei Sitzungen ein Oberflächenanästhetikum oder ein Placebo appliziert. Der Schmerz nach der Penetration der Nadel und derjenige während der Injektion wurden getrennt bewertet. Zur Bewertung der Wirksamkeit der Anästhesie kam ein elektronischer Pulpatester zum Einsatz. Die Daten wurden statistisch ausgewertet.

Bei den 50 Injektionen zeigten 72 % der Zähne eine erfolgreiche Anästhesie. Hinsichtlich des Schmerzes beim Einstich der Injektionsnadel und bei der Injektion des Anästhetikums konnte kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen der Placebo-Gruppe und der Gruppe mit dem Oberflächenanästhetikum gefunden werden (p > 0,05). Bei den Probanden, die während der Injektion einen moderaten bis starken Schmerz empfanden, wurde im Vergleich zu denjenigen mit ge- ringer oder moderater Schmerzempfindung kein Unterschied bezüglich der Wirksamkeit der Anästhesie festgestellt (p > 0,05).

Schlussfolgerungen: Der Einsatz von lokalen Oberflächenanästhetika vor der Injektion hatte keinen signifikanten Einfluss auf das Schmerzempfinden der Patienten. Außerdem ließ sich kein signifikanter Einfluss des Schmerzes während des Einstichs und der Injektion auf die Wirksamkeit der Anästhesie ermitteln.

Anmerkung: Diese Arbeit bestätigt, dass das persönliche Empfinden („Angst vor der Nadel“) wahr- scheinlich eine größere Rolle bei der Schmerzempfindung spielt und die Ablenkung des Patienten ein ebenso probates wie einfaches Mittel zur Reduktion der Schmerzempfindung darstellt.

Parirokh M, Sadeghi AS, Nakhaee N, Pardakhty A, Abbott PV, Yosefi MH. Effect of topical anesthesia on pain during infiltration injection and success of an- esthesia for maxillary central incisors. J Endod 2012; 38:1553-1556.