Antibiotika oder Chlorhexidin im Rahmen von Weisheitszahn­extraktionen?

Da es selbst beim Zähneputzen zu einer Bakteriämie kommt, kann man sich vorstellen, dass diese bei invasiveren Eingriffen wie Scaling oder Extraktionen unter Umständen noch ausgeprägter ist. Ziel der vorliegenden Studie war es, die Wirksamkeit einer Spülung mit 0,12%igem Chlorhexidin direkt vor dem Eingriff mit der Gabe von 2 g Amoxicillin während des Eingriffs zu vergleichen.

Patienten, bei denen eine Extraktion der Weisheits- zähne unter Narkose geplant war, wurden zufällig in eine der drei folgenden Gruppen eingeteilt: eine Kontroll-/ Placebogruppe (PLAC), in der eine Placebospülung und eine Placebotablette verabreicht wurden; eine Spülgruppe (CHX), deren Angehörige eine 0,12%ige Chlor- hexidinspülung und eine Placebotablette erhielten; und eine Antibiotikagruppe (AMOX), in der 2 g Amoxicillin und eine Placebospülung zur Anwendung kamen. Zu vier Zeitpunkten während der Behandlung wurden Blutproben entnommen und in einem Labor vor Ort analysiert. Eine Bakteriämie wurde beim Vorliegen von mindestens einer positiven Kultur in den vier Blutpro- ben pro Patient definiert und in Prozent dargestellt.  30 Patienten (10 pro Gruppe) nahmen bis zum Ende an der Studie teil. Im Hinblick auf die Bakteriämieinzidenz und -ausprägung fand sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den drei Gruppen. Die Bakteriämieinzidenz lag in der PLAC-Gruppe bei 50 %, in der CHX-Gruppe bei 60 % und in der AMOX-Gruppe bei 40 %.

Schlussfolgerungen: Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass weder die Spülung mit Chlorhexidin vor noch die Verabreichung von Antibiotika während des chirurgischen Eingriffs das Auftreten einer Bakteriämie signifikant reduzieren konnten. Eine systematische Abgabe von Antibiotika kann immer auch zu einer Re- sistenzbildung oder einer allergischen Reaktion führen, ist generell als nicht günstig zu betrachten und sollte mit Vorsicht eingesetzt werden.

Duvall NB, Fisher TD, Hensley D, Hancock RH, Vandewalle KS. The comparative efficacy of 0.12% chlorhexidine and amoxicillin to reduce the incidence and magnitude of bacteraemia during third molar extractions: a prospective, blind, randomized clinical trial. Oral Surg Oral Med Oral Pathol Oral Radiol 2013 Feb 27 [Epub ahead of print]. 

Kompensation des Schrumpfungs­ stresses bei Kompositen

Wenn ein (licht-)härtendes Material an Wänden befestigt werden soll, wird dessen Schrumpfung behindert, was zu Stress im Komposit, in der Adhäsivschicht und im zu versorgenden Zahn führt. Schrumpfungsstress ist seit der Einführung von Kompositmaterialien in der Zahnmedizin ein Problem, da er mit verschiedenen klinischen Komplikationen wie postoperativen Überempfindlichkeiten, Adhäsionsverlust und dem Voranschreiten von Schmelzrissen in Verbindung gebracht wird. Auch wenn der Schrumpfungsstress nicht direkt gemessen werden kann, ist er in Form von Deforma- tionen der Zähne sichtbar. Diese Deformationen verrin- gern sich mit der Zeit, was eine gleichzeitige Reduktion des Schrumpfungsstresses vermuten lässt. Eine solche Reduktion kann durch verschiedene Mechanismen erfolgen, z. B. durch einen Adhäsionsverlust (Debonding), eine „Entspannung“ des Kompositmaterials und/oder der Zahnhartsubstanz oder eine Kompensation der Schrumpfung durch eine hygroskopische Expansion. In der vorliegenden In-vitro-Studie sollte untersucht werden, ob die Reduktion des Schrumpfungsstresses durch die hygroskopische Expansion oder die „Entspannung“ des Zahn-Komposit-Komplexes verursacht wird. Extrahierte Molaren mit vier sphärischen Referenzbereichen wurden in starre Metallringe eingespannt. An 12 Molaren wurden große mod-Präparationen angelegt und mit einem Komposit (Filtek Supreme, Fa. 3M Espe) in zwei horizontalen Schichten adhäsiv versorgt. 10 intakte Molaren dienten als Referenz. Die Zähne wurden in entionisiertem Wasser oder Silikonöl gelagert und am Anfang, nach der Versorgung sowie nach einer Lagerung von 1, 2 und 4 Wochen eingescannt. Zum Vergleich erfolgte eine Überlagerung der gescannten Bereiche mit Hilfe einer Software. Die „Verbiegung“ der Höcker wurde aus der lingualen und bukkalen Deformation der Oberfläche errechnet. Um zu kontrollieren, ob die adhäsiven Versorgungen immer noch dicht waren, wurde die Penetration eines Farbstoffs bewertet. Die statistische Auswertung erfolgte mit ANOVA und dem Student-Newman-Keuls-Test (p = 0,05).  Eine substanzielle Kontraktion der Höcker wurde bei den versorgten Zähnen unmittelbar nach der Aus- härtung beobachtet (13 bis 14 ?m Deformation). Nach 4 Wochen reduzierte sich die Deformation der in Was- ser gelagerten Zähne deutlich (7,3 ± 3,2), nicht aber diejenige der in Silikonöl gelagerten Zähne (11,4 ± 5,0). Die Penetration des Farbstoffs war in beiden Gruppen gering (106 ± 87 bzw. 21 ± 28 ?m in Wasser bzw. in Silikonöl).

Schlussfolgerungen: Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die hygroskopische Expansion bei der Kompensation des Schrumpfungsstresses eine wichtige Rolle spielt.

Meriwether LA, Blen BJ, Benson JH, Hatch RH, Tantbirojn D, Versluis A. Shrinkage stress compensation in composite-restored teeth: Relaxation or hygroscopic expansion? Dent Mater 2013;29:573-579.