Intraorales Scannen von ganzen Kiefern

Seit der Einführung von CAD/CAM-Systemen in den 1980er Jahren haben sich die Technologie und das Indikationsspektrum stark verbessert. Bis vor Kurzem wurden vor allem Laborscanner zur digitalen Erfassung verwendet. Mit der Einführung neuer intraoraler Scansysteme konnte dieser Prozess insbesondere deshalb vereinfacht werden, weil die als „computer-aided impressioning“ (CAI) bezeichnete intraorale Digitalisierung dem Praktiker die direkte Erfassung der präparierten Pfeiler ermöglicht, ohne dass zusätzliche Abformungen, Modelle und das Einscannen im Labor notwendig sind. Das bedeutet auch, dass die Gesamtarbeitszeit verkürzt und mögliche Fehlerquellen in der Produktionskette reduziert werden können. Studien zum Vergleich der Genauigkeit digitaler und konventioneller Abformungen beschränken sich meist auf bis zu drei Elemente. Bei ganzen Kiefern oder komplexen Versorgungen ist die intraorale Erfassung des kompletten Kiefers erforderlich. In den verschiedenen Systemen werden unterschiedliche Scantechniken (Laser, Video etc.) eingesetzt, was das Resultat beeinflussen könnte.

Die vorliegende Studie sollte die Genauigkeit intraoraler Scanner bei der Digitalisierung ganzer Kiefer untersuchen. Ein Standardmodell mit 14 präparierten Stümpfen wurde mit einem industriellen Scanner (Re- ferenz) und vier intraoralen Scannern (iTero, CEREC AC Bluecam, Lava C.O.S. und Zfx IntraScan) erfasst. Die so gewonnenen Datensätze wurden in eine 3-D-Software importiert und auf deren Genauigkeit hin miteinander verglichen. Eine statistische Analyse (ANOVA) erfolgte zum Vergleich innerhalb der Gruppen (Präzision) und zum Vergleich mit dem Referenzscanner (Richtigkeit = „trueness“). Statistische Signifikanz wurde bei p < 0,05 angenommen. Die durchschnittliche Richtigkeit bewegte sich zwischen 38 und 332,9 ?m. Die Analyse der Daten zeigte einen statistisch signifikanten Unterschied zwischen CEREC AC Bluecam und anderen Scannern sowie zwischen Zfx IntraScan und Lava C.O.S. Die durchschnittliche Präzision reichte von 37,9 bis 99,1 Mikron. Statistisch signifikante Unterschiede fanden sich zwischen CEREC AC Bluecam und Lava C.O.S., CEREC AC Bluecam und iTero, Zfx IntraScan und Lava C.O.S. sowie Zfx IntraScan und iTero (p < 0,05).

Schlussfolgerungen: Bis auf einen Scanner zeigten alle Systeme vergleichbare Ergebnisse bei der intraoralen digitalen Erfassung ganzer Kiefer. Weitere Studien sind nötig, um die Leistungsfähigkeit dieser Systeme im klinischen Einsatz zu bewerten.Trotz einer sehr guten Präzision bei der digitalen Erfassung einzelner Stümpfe weiß man heute noch zu wenig über die Genauigkeit intraoraler Scanner bei der gleichzeitigen Erfassung mehrerer Stümpfe. Auch wenn die einzelnen Scanner ähnliche Ergebnisse lieferten, deuten die Ergebnisse darauf hin, dass die Ungenauigkeiten der erfassten Datensätze einen Einfluss auf die endgültige Versorgung haben können.

Anmerkung: Interessant an dieser Studie ist das schlechte Abschneiden der CEREC Bluecam im Vergleich zu den anderen Systemen. Die Testperson erzeugte damit wesentlich mehr Artefakte als mit den übrigen Scannern. Es ist möglich, dass die kurze Einführung in die verschiedenen Systeme, die Handhabung und der Einsatz einer älteren Softwareversion zu diesen Fehlern geführt haben. Aber es ging in dieser Arbeit nicht darum, ein System abzuwerten, sondern darum, zu zeigen, dass die intraorale digitale Erfassung ganzer Kiefer heute mit allen auf dem Markt verfügbaren Systemen eine Herausforderung darstellt und noch Verbesserungspotenzial hat.

Patzelt SB, Emmanouilidi A, Stampf S, Strub JR, Att W. Accuracy of full-arch scans using intraoral scanners. Clin Oral Investig 2013 Nov 17 [Epub ahead of print]. 

Wie gut passen keramische Kronen?

Aesthetisch und funktionell ideale Versorgungen zu fertigen ist das Ziel jedes Behandlers. Kronen aus Keramik weisen eine natürliche Erscheinung und eine hervorragende Biokompatibilität auf. Deren Einsatzspektrum erstreckt sich heute auf den gesamten Kiefer. Der Erfolg einer Versorgung wird von drei Faktoren entscheidend beeinflusst: Aesthetik, Frakturresistenz und Randschluss. Eine ungenügende Passung führt zu Plaqueansammlungen und erhöht das Risiko von Sekundärkaries und Undichtigkeiten („microleakage“), was endodontische Komplikationen zur Folge haben kann. Darüber hinaus verursachen verstärkte Plaqueansammlungen insbesondere bei subgingivalen Präparationsrändern auch Entzündungen des Zahnhalteapparates (Gingivitis, Parodontitis). Undichte Ränder führen vor allem beim Einsatz von Zinkphosphatzement zur Auflösung des Zements.

Nach der Entwicklung verschiedener keramischer Restaurationssysteme in den letzten 20 Jahren hat sich die Herstellung festsitzender Prothesen markant verändert. Aesthetik, Frakturresistenz und marginale Passung sind für den klinischen Erfolg entscheidend. Aus diesem Grund sollte eine systematische Übersichtsarbeit die Genauigkeit von mit unterschiedlichen Systemen gefertigten keramischen Versorgungen und mögliche Einflüsse auf die marginale Passung untersuchen. In den Datenbanken PubMed und Scopus erfolgte eine elektronische Suche mit den folgenden kombinierten Suchbegriffen: (discrepancy or fit or gaps or adaptation) und (disilicate or ceramic) und (copings or crowns). Die Suche beschränkte sich auf Artikel in englischer Sprache, die im Peer-Review-Verfahren begutachtet wurden und vor April 2012 erschienen waren.

Von 469 gefundenen Studien erfüllten 54 die Einschlusskriterien und wurden bewertet. Alle Beiträge waren zwischen 1994 und 2012 veröffentlicht worden. Insgesamt wurden 17 keramische Systeme in 48 In-vitro- und 6 In-vivo-Studien untersucht. Von allen gemessenen Randschlüssen konnten 94,9 % als klinisch akzeptabel bewertet werden (Werte zwischen 50 und 100 Mikron). Die Heterogenität der Studien ließ keine korrekte Metaanalyse zum Vergleich der Passungen der verschiedenen keramischen Systeme zu. Vier Parameter scheinen die marginale Passung zu beeinflussen: Art der Präparationsgrenze, Wert der vorgesehenen Zement- bzw. Klebefuge sowie Verblendung und Befestigung.

Schlussfolgerungen: Mit sämtlichen untersuchten Systemen kann ein klinisch akzeptabler Randschluss erzielt werden. Der aktuelle Forschungsstand ermöglicht es noch nicht, einen wissenschaftlich korrekten Vergleich anstellen zu können. Der Einsatz der radiologischen Mikrotomographie wäre zur besseren Untersuchung marginaler Passungen empfehlenswert.

Contrepois M, Soenen A, Bartala M, Laviole O. Marginal adaptation of ceramic crowns: A systematic review. J Prosthet Dent 2013;110:447-454.e10.