Erfolg einfacher Wurzelkanal­behandlungen

Die Prognose für Zähne mit einer fortgeschrittenen Ka­ries und symptomatischen Pulpitiden ist bei Bewohnern ärmerer Länder schlecht. Ungefähr 90 % der kariösen Läsionen werden in Afrika nicht versorgt, und die Extraktion bleibt die Therapie der Wahl. Die atraumatische Behandlung kariöser Läsionen („atraumatic restorative treatment“, ART) hat sich zu einem weltweit wichtigen Therapieansatz mit evidenzbasierten, mittelfristig guten Resultaten entwickelt. Die Stärke von ART zeigt sich vor allem bei der Behandlung beginnender kariöser Läsionen ohne eine Beteiligung der Pulpa.

Um die Lücke zwischen minimaler Intervention mit­ tels ART und der routinemäßigen Extraktion in unter­ entwickelten Ländern zu schließen, wurde der Ansatz einer einfachen Wurzelkanalbehandlung („basic root canal treatment“, BRT) in Gambia im Jahr 2006 in der zahnmedizinischen Grundversorgung eingeführt. Als „Folgebehandlung“ von ART zum längeren Erhalt der Zähne zeigten sich nach 1 Jahr gute klinische Resultate. DasTherapiekonzept umfasst u. a. eine einfache Instrumentierung, die unabhängig von einer Stromversor­gung durchgeführt werden kann. Um in verschiedenen Behandlungsumgebungen zu funktionieren, wird bei einer BRT eine taktile Längenmessung ohne den Ein­satz von Röntgenbildern vorgenommen. In einem kli­nischen Umfeld zeigte sich bei Zähnen, die extrahiert hätten werden sollen, mit 86 % eine hohe Genauigkeit der taktilen Längenmessung. In vitro lagen diese Werte sogar im Fall von Zähnen mit offenem Apex bei 97 %. Dennoch wurde die Genauigkeit bisher nicht im prakti­schen Einsatz im Umfeld der primären Versorgung untersucht.

Ziel dieser Studie war es, die BRT mit einer taktilen Längenmessung radiologisch und klinisch mit der konventionellen endodontischen Behandlung unter Einsatz einer radiologischen Längenmessung zu ver­ gleichen. Die multizentrische, kontrollierte klinische Studie über 24 Monate schloss 50 Patienten ein. Als Parameter wurden die apikale Qualität der Wurzel­ kanalfüllung, die Radioluzenz, die Klopfdolenz und der Erhalt der Zähne bewertet. Die BRT mit einer taktilen Längenmessung war nach 24 Monaten radiologisch und klinisch der konventionellen endodontischen Be­handlung bezüglich der apikalen Verhältnisse, der Klopfdolenz und der Extraktionsraten ebenbürtig.

Schlussfolgerungen: Eine taktile Längenmessung bei einer BRT erwies sich im Vergleich zu einer konven­tionellen endodontischen Behandlung als eine taugliche Alternative in einem schwierigen klinischen Umfeld in unterentwickelten Ländern. Es ist dadurch möglich, mehr Zähne zu erhalten und die Lebensqualität der Patienten zu steigern.

Jordan RA, Holzner AL, Markovic L, Brueckner I, Zimmer S. Clinical effectiveness of basic root canal treatment after 24 months: a randomized controlled trial. J Endod 2013 Dec 30 [Epub ahead of print]. 

Fließfähiges Komposit besser als Fissurenversiegler

Der Einsatz von Fissurenversieglern wurde in den 1960er Jahren als eine effektive Methode zur Kariesprävention eingeführt und zeigte eine hohe Retentionsrate. Bei den meisten heute verwendeten Fissurenversieglern handelt es sich um Bis­GMA­basierte Kompositmateria­ lien, deren Abrasionsresistenz durch das Hinzufügen von Füllerpartikeln erhöht werden kann. Man geht da­von aus, dass die restlichen Bakterien im Biofilm unter dem Versiegler verbleiben und nicht überleben oder sich nicht vermehren ko?nnen.

Ziel dieser klinischen, randomisierten Studie im Split­ Mouth­Design war es, die Retentionsrate und die karies­präventive Wirksamkeit eines fließfähigen Komposits im Vergleich zu einem konventionellen, kompositbasierten Versiegler über einen Zeitraum von 24 Monaten zu be­ werten. 34 Patienten im Alter von 16 bis 22 Jahren mit mindestens zwei nicht durchgebrochenen okklusalen kariösen Läsionen an den ersten und zweiten Molaren wurden zufällig mit einem der beiden Materialien be­handelt. Insgesamt erfolgten 220 Versiegelungen an 117 oberen und 103 unteren Molaren. Die Zähne wur­den mit einem fließfähigen Komposit (Tetric EvoFlow) oder einem Versiegler (Helioseal F) nach Herstelleran­gaben behandelt. Jede Füllung wurde zu Beginn sowie nach 1, 6, 12 und 24 Monaten im Hinblick auf Intaktheit bewertet.

Tetric EvoFlow zeigte eine vollständige Retention von 100, 95,5, 93,8 und 88,5 % nach 1, 6, 12 und 24 Monaten Beobachtungszeit, während die entsprechenden Werte für Helioseal F bei 98,1, 95,5, 94,8 und 85,4 % lagen. Beim Recall nach 24 Monaten wurden für Tetric EvoFlow vier (4,2 %) und für Helioseal F zwei (2,1 %) totale Retentionsverluste festgestellt. Es fanden sich über den Beobachtungszeitraum keine statisch signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Materialien in Bezug auf Retention und Kariesinzidenz.

Schlussfolgerungen: Der Einsatz eines fließfähigen Kompositmaterials zur Versiegelung von Fissuren mit einem Total ­Etch ­Einflaschenadhäsiv zeigte über einen Beobachtungszeitraum von 24 Monaten bei jungen Patienten bessere Retentionsraten als ein konventionel­ler fluoridhaltiger Versiegler und könnte als Alternative in Betracht kommen.

Erdemir U, Sancakli HS, Yaman BC, Ozel S, Yucel T, Y?ld?z E. Clinical comparison of a flowable composite and fissure sealant: a 24-month split-mouth, randomized, and controlled study. J Dent 2014;42:149-157.