Einfluss der Temperatur bei Aushärtung von Komposit­materialien

Die Temperatur spielt im Ablauf der Polymerisation multifunktionaler Monomere in lichtaktivierten Materialien auf Dimethacrylatbasis eine große Rolle. Eine höhere Temperatur bei der Polymerisation erhöht die Beweglichkeit der Radikale und Monomere, was zu einer geringeren Viskosität des Systems und damit einer größeren Konversionsrate führt. Aus praktischer Sicht erhöht das Vorwärmen die Fließfähigkeit des Kompositmaterials. Es ist kein Schaden der Pulpa durch das Vorwärmen zu erwarten, da selbst bei einer Temperatur des vorgewärmten Kompositmaterials von 60 °C im Rahmen von In-vitro-Untersuchungen ein Temperaturanstieg von maximal 1 °C gemessen wurde und dieser keinen Unterschied zu Materialien bei Raumtemperatur zeigte. Dennoch ist nur wenig Information zum Polymerisationsstress vorgewärmter Kompositmaterialien verfügbar.
In der vorliegenden In-vitro-Studie sollten folgende Fragen untersucht werden: 1. Wie verhalten sich die Konversionsrate (KR) und der Anstieg des Polymerisationsstresses (PS) bei erhöhter Temperatur des Kompositmaterials? 2. Führt eine reduzierte Belichtung bei vorgewärmten Kompositmaterialien zu einer ähnlichen Konversionsrate wie bei Raumtemperatur mit einem reduzierten PS?
Kompositproben (Durchmesser: 5 mm, Dicke: 2 mm) wurden isothermal bei 22 (Kontrollgruppe), 40 und 60 °C mit einer Belichtungszeit von 5 oder 20 Sekunden (Kontrolle) untersucht. Die Bestimmung der Konversionsrate erfolgte 5 Minuten nach dem Start der Belichtung mittels Fourier-Transformations-Infrarot-Spektroskopie (FTIR) auf der Unterseite der Proben. Der maximale und der endgültige PS wurden ebenfalls isothermal für 5 Minuten auf einer Standard-Testmaschine gemessen. Der nonisothermale Stress wurde für Kompositmaterialien bei 22 oder 60 °C und einer Belichtung für 20 Sekunden bei 30 °C bestimmt. Anschließend erfolgte die Auswertung der Daten mit Hilfe von Statistikprogrammen.
KR und isothermaler Stress stiegen mit der Temperatur (p < 0,001) und der Belichtungszeit (p < 0,001) an. Die Werte für den isothermalen maximalen/finalen Stress (MPa) lagen bei 3,4 ± 2,0b/3,4 ± 2,0A (22 °C), 3,7 ± 1,5b/3,6 ± 1,4A (40 °C) und 5,1 ± 2,0a/4,0 ± 1,6A (60 °C). Die Konversionsraten (%) betrugen 39,2 ± 7,1c (22 °C), 50,0 ± 5,4b (40 °C) und 58,5 ± 5,7a (60 °C). Die Reduktion der Belichtungszeit (von 20 auf 5 Sekunden) ergab bei vorgewärmten Kompositmaterialien ähnliche Werte (%) wie in der Kontrollgruppe (22 °C, 20 s/ Kontrolle: 45,4 ± 1,8b, 40 °C, 5s s: 45,1 ± 0,5b, 60 °C, 5s s: 53,7 ± 2,7a, p < 0,01). Nonisothermale Bedingungen zeigten bei 60 °C signifikant höheren Stress als bei 22 °C (in MPa, maximal: 4,7 ± 0,5 und 3,7 ± 0,4, final: 4,6 ± 0,6 und 3,6 ± 0,4).

Schlussfolgerungen: Die Erhöhung der Temperatur von Kompositmaterialien erlaubt eine verkürzte Belichtungszeit und führt zu reduziertem Schrumpfungsstress (maximal und final) mit einer gleichbleibenden oder sogar leicht erhöhten Konversionsrate. Es empfiehlt sich, dieses Vorgehen in der Praxis routinemäßig bei der Verwendung von Kompositmaterialien einzusetzen.

Calheiros FC, Daronch M, Rueggeberg FA, Braga RR. Effect of temperature on composite polymerization stress and degree of conversion. Dent Mater 2014;30: 613-618.

Tinnitus kann durch Kiefergelenksprobleme ausgelöst werden

Nicht selten tritt ein Tinnitus gemeinsam mit Problemen im Bereich des Kiefergelenks und der Kaumuskulatur („temporomandibular disorders“, TMD) auf, was zu der Vermutung einer Verbindung zwischen diesen beiden Krankheitsbildern geführt hat. In der vorliegenden prospektiven klinischen Studie sollten ein möglicher Zusammenhang zwischen Tinnitus und TMD sowie die Auswirkungen einer funktionellen Behandlung auf denTinnitus ermittelt werden.
951 Patienten wurden in der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik der Universität Regensburg hinsichtlich des Vorliegens von TMD und Tinnitus untersucht. 25 Patienten mitTMD und Tinnitus konnten in die Studie eingeschlossen werden. Die Anfangsuntersuchung umfasste eine detaillierte funktionelle Analyse, die Feststellung eventueller Störungen im Kiefergelenk oder in der Kaumuskulatur und die Ausgabe eines Fragebogens zu Tinnitus. Alle Patienten wurden individuell funktionell behandelt (Schienen, Physiotherapie). Die Wirkung der funktionellen Therapie auf TMD und Tinnitus wurde 3 bis 5 Monate nach Beginn der Behandlung untersucht. Anschließend erfolgte eine statistische Auswertung der Daten.
Die Prävalenz eines Tinnitus lag bei Patienten mit TMD 8-mal höher (30 von 82 [36,6 %]) als bei Patienten ohne TMD (38 von 869 [4,4 %]). Alle Patienten mit uni- lateralen TMD und unilateralem Tinnitus zeigten die Symptome auf der gleichen Seite. Durch die funktionelle Behandlung konnten die Tinnitus-Symptome bei 11 von 25 Patienten (44 %) verbessert werden.

Schlussfolgerungen: Die Ergebnisse dieser prospektiven klinischen Studie zeigten einen deutlichen Zusammenhang zwischen TMD und Tinnitus. Die beobachteten Therapieresultate deuten darauf hin, dass eine Behandlung der TMD einen mit dieser Störung einhergehenden Tinnitus positiv beeinflussen kann. Aus diesem Grund empfehlen sich bei Tinnitus-Patienten eine genaue Untersuchung der Kiefergelenke und der Kaumuskulatur hinsichtlich TMD sowie ggf. eine Therapie vorhandener Störungen.

Buergers R, Kleinjung T, Behr M, Vielsmeier V. Is there a link between tinnitus and temporomandibular disor- ders? J Prosthet Dent 2014;111:222-227.