Wirksamkeit der photodynamischen Desinfektion des Wurzelkanals

Eine effektive Desinfektion des Wurzelkanalsystems ist eine Grundvoraussetzung jeder erfolgreichen endodontischen Behandlung. Aktuelle Techniken beinhalten eine mechanische Aufbereitung des Kanalsystems vor allem mit rotierenden Nickel-Titan-Instrumenten, eine Spülung mit antimikrobiellen und gewebeauflösenden Wirkstoffen sowie eine medikamentöse Einlage über mehrere Sitzungen. Allerdings zeigen verschiedene Studien, dass trotz dieser Weiterentwicklung und der gesteigerten Effizienz von NiTi-Instrumenten kein signifikanter Unterschied in der Reduktion der Bakterien zwischen Hand- und rotierenden Instrumenten besteht. Bei den chemotherapeutischen Wirkstoffen wird Natriumhypochlorit (NaOCl) wegen seiner antimikrobiellen und gewebeauflösenden Wirkung als „Goldstandard“ bezeichnet. Dennoch geht aus diversen Studien hervor, dass eine vollständige Entfernung aller Bakterien aus dem Kanalsystem auch mit den aktuellen Verfahren praktisch unmöglich ist.

Auf der Suche nach neuen Methoden und Systemen wurden Laser diverser Wellenlängen, hydrodynamische Systeme (z. B. Endo-Vac, Fa. SybronEndo Corporation, Orange, USA), schall- bzw. ultraschallunterstützte Spülsysteme, Ozongas und photodynamische Therapien (PDT) in der Literatur vorgestellt. Die antimikrobielle Wirkung von PDT beruht auf einer durch Licht induzierten Inaktivierung von Zellen, Mikroorganismen und Molekülen. Dabei wird ein nicht toxischer Photosensitizer (z. B.Toluidin- oder Methylenblau) appliziert, der chemisch an Oberfla?chenstrukturen der Zielzellen haftet und anschließend mit einem langwelligen Laserlicht niedriger Intensität (Diodenlaser mit 30 bis 100 mW) aktiviert wird. Durch eine Oxidation (Sauerstoffbindung) mikrobieller Zellkomponenten werden die Keime irreversibel geschädigt. Die Wirkung erfolgt im Umkreis von 100 nm mit einer Halbwertszeit von < 0,04 Mikrosekunden. Wegen dieses antimikrobiellen Effektes wird PDT als zusätzlicher Schritt bei der Desinfektion der Wurzelkanäle vorgeschlagen.
In einer systematischen Uebersichtsarbeit sollte die Wirksamkeit von PDT auf die Keimreduktion während der Desinfektion von Wurzelkanälen untersucht werden. Diese Wirkung wurde als Hauptkriterium bei der Auswahl der Studien gewählt. Es wurden 57 Beiträge und Abstracts gefunden, aber letztlich entsprachen nur drei Artikel den Kriterien. Die Heterogenität der klinischen Indikationen und die unterschiedlichen Protokolle beim PDT-Einsatz in den ausgewählten Studien machten eine Metaanalyse unmöglich. Alle eingeschlossenen Arbeiten zeigten eine Reduktion der Keimzahl im Wurzelkanal von 91,3 bis 100 %.

Schlussfolgerungen: Es sind zurzeit nur wenige klinisch-wissenschaftliche Informationen zum Einsatz von PDT bei der Desinfektion von Wurzelkanaälen verfügbar. Wenn weitere Studien die positive Wirkung von PDT bestaätigen, könnte diese für die Desinfektion der Wurzelkanäle eine interessante Ergänzung zu aktuellen Protokollen darstellen.

Chrepa V, Kotsakis GA, Pagonis TC, Hargreaves KM. The effect of photodynamic therapy in root canal disinfection: a systematic review. J Endod 2014;40: 891-898.

Protokolle zur Revaskularisation der Pulpa nachTrauma

Die Nekrose der Pulpa stellt eine verbreitete Komplikation nach traumatischen Schädigungen der Zähne dar, wobei sie an Zähnen mit unvollständig ausgebildeten Wurzeln öfter zu beobachten ist. Die am häufigsten eingesetzte Methode zur endodontischen Behandlung von Zähnen mit nicht abgeschlossenem Wurzelwachstum besteht in einem regelmäßigen Wechsel von Einlagen oder einem apikalen Verschluss mit Hilfe von Mineraltrioxidaggregat (MTA).

Seit Kurzem wird die Revaskularisation als alternative Behandlungsmethode bei solchen „unreifen nekrotischen Zähnen“ vorgeschlagen, was den Vorteil hat, dass dadurch das Wachstum des Apex angeregt werden kann. Der Großteil der Publikationen zur Revaskulari- sation der Pulpa sind klinische Fallberichte, bei denen eine passive Dekontamination mit einer Antibiotikapaste aus Metronidazol, Ciprofloxacin und Minocyclin als Einlage im Kanal beschrieben wurde. Kalziumhydroxid kam ebenfalls zum Einsatz, obwohl dessen Wirkung auf undifferenzierte Zellen und das Dentin im Wurzelbereich nicht geklärt ist. Ein kürzlich veröffentlichter Fallbericht zeigte eine erfolgreiche Revaskularisation mit Hilfe einer Kombination aus Kalziumhydroxid und 2%igem Chlorhexidin-Gel, bei welcher es zu einer Verdickung des Dentins und einem Abschluss des Wurzelwachstums kam.

In der vorliegenden klinischen Studie sollten traumatisierte Zähne mit nicht abgeschlossenem Wurzelwachstum mit zwei unterschiedlichen Protokollen zur Revaskularisation behandelt werden. 23 Zähne von jungen Patienten (7 bis 17 Jahre) mit unfallbedingt nekrotischen oberen Frontzähnen wurden in zwei Gruppen eingeteilt. Bei der einen Gruppe erfolgte die Behandlung mit einer Antibiotikamischung (Metronidazol,Ciprofloxacin und Minocyclin = TAP; n = 12), bei der anderen Gruppe mit einer Kombination aus Kalziumhydroxid und 2%igem Chlorhexidin-Gel (CHP; n = 11). Die Patienten wurden über einen Zeitraum von 9 bis 19 Monaten in zwei zahnmedizinischen Zentren behandelt und überwacht. Die Mehrzahl der behandelten Zähne zeigte eine laterale Luxation (47,8 %). Die klinische Beurteilung der TAP-Gruppe ergab eine signifikante und rasche Reduktion der Spontanschmerzen (p = 0,01), der Schmerzen auf horizontale Perkussion (p = 0,007) sowie der Schmerzen auf Palpation (p = 0,03). In der CHP-Gruppe zeigte sich eine signifikante Reduktion der Schmerzen auf vertikale Perkussion (p = 0,03). Eine Verfärbung der klinischen Krone trat signifikant öfter in der TAP-Gruppe auf (83,3 %, p < 0,002). Im Rahmen der radiologischen Kontrolle wurde bei allen Zähnen der TAP-Gruppe eine apikale Regeneration beobachtet (p = 0,03). Mit Ausnahme eines Zahnes konnten dieselben Ergebnisse in der CHP-Gruppe gefunden werden (p = 0,21). Eine Schließung des Apex fand in beiden Gruppen statt (p < 0,05). Eine Verla?ngerung der Wurzellänge wurde bei 5 Zähnen (41,7 %) der TAP- und bei 3 Zähnen (27,3 %) der CHP-Gruppe festgestellt. In beiden Gruppen zeigte sich bei 5 Zähnen eine Verdickung der apikalen Dentinwände.

Schlussfolgerungen: Die klinischen Ergebnisse der Revaskularisation waren bei den mit den beiden Protokollen behandelten Patienten ähnlich. Der Einsatz von TAP führte aufgrund der häufig auftretenden Verfärbung der Zähne zu ästhetischen Problemen, die im Vergleich zur Behandlung mit CHP als Nachteil betrachtet werden müssen.

Nagata JY, Gomes BP, Rocha LimaTF et al.Traumatized immature teeth treated with 2 protocols of pulp re- vascularization. J Endod 2014;40:606-612.