Zähneputzen nach Säureexposition

Nach einem Säureangriff kommt es zu einem oberfläch­lichen Verlust an Mineralien, was zu einer aufgeweichten Schicht von 0,2 bis 3,0 µm Dicke führt, die z. B. durch das Putzen der Zähne leicht entfernt werden kann. Ver­schiedene Studien haben gezeigt, dass dieser erosive Abtrag an Zahnhartsubstanz öher sein kann, wenn die Säureexposition unmittelbar vor dem Zähneputzen stattfindet. Dennoch wird über den idealen Zeitpunkt des Zähneputzens nach einem Säureangriff immer noch kontrovers diskutiert. Das liegt auch an der un­terschiedlichen Bewertung der Funktion des Speichels in diesem Zusammenhang. Der Speichel kann helfen, die Zahnhartsubstanz nach einer gewissen Zeit zu re­mineralisieren. Es wurde deshalb empfohlen, nach der Aufnahme von erosiven Speisen und Getränken 30 bis 60 Minuten zu warten, bevor die Zähne geputzt wer­ den. Allerdings gibt es auch Studien, bei denen selbst nach 2 Stunden Speichelexposition keine wirksame Remineralisation sichtbar war. Die Schutzfunktion und die Wirkung des Speichels auf erodierte Zahnhart­substanz bleiben deshalb ein kontroversesThema.

In der vorliegenden Studie sollten die Wirkung von Speichel auf erodierte Zahnhartsubstanz sowie zusätz­lich individuelle Parameter des Speichels und deren Einfluss auf Erosion und Abrasion untersucht werden. Die Frage lautete, ob das Einlegen für bis zu 4 Stunden in Speichel den erosiven Abtrag an Zahnhartsubstanz reduzieren und die oberflächliche Mikrohärte der Schmelz­ proben nach Abrasion erhöhen kann. Schmelzproben wurden in fünf Gruppen eingeteilt: Bei dem Proben der Gruppe 1 erfolgte weder eine Speichelexposition noch eine Erosion (Kontrollgruppe). Die Proben der Gruppen 2 bis 5 wurden erosiv behandelt, und an­ schliessend wurden die der Gruppe 2 in einer feuchten Kammer deponiert und die der Gruppen 3 bis 5 für 30 Minuten, 2 Stunden bzw. 4 Stunden in Speichel einge­ legt. Nach der Erosion und Speichelbehandlung erfolg­te bei allen Proben eine abrasive Behandlung. Die Mikrohärte der Oberfläche und der erosive Abtrag an Zahnhartsubstanz wurden vor und nach der Erosion, der Inkubation mit Speichel und der Abrasion gemessen.

Sowohl die oberflächliche Mikrohärte als auch der erosive Abtrag an Zahnhartsubstanz zeigten während des Experiments signifikante Veränderungen: Erstere sank und Letzterer stieg in den Gruppen 2 bis 5 an, und zwar unabhängig von der Länge der Inkubation in Speichel. Die Resultate der Gruppen 3 bis 5 (Speichel ausgesetzt) waren zu denen von Gruppe 2 (Speichel nicht ausgesetzt) nicht statistisch signifikant verschieden. Die Einwirkung von Speichel auf erodierten Schmelz für bis zu 4 Stunden führte nicht zu einer Erhöhung der oberflächlichen Mikrohärte oder einer Reduktion des erosiven Abtrags an Zahnhartsubstanz. Zusätzliche Experimente mit künstlichem Speichel ohne Proteine zeigten einen Schutz gegenüber dem erosiven Abtrag an Zahnhartsubstanz.

Schlussfolgerungen: Die Empfehlung, nach einem Säureangriff der Zähne mit deren Reinigung mittels Zahnbürste abzuwarten, muss neu überdacht werden. Da die Wirkung von Speichel über einen klinisch rele­vanten Zeitraum nicht zu einer wesentlichen Präzipita­tion von Mineralien auf der erodierten Zahnoberfläche führt, sollte das Konzept der „Remineralisation“, wie es bei der Karies Gültigkeit hat, im Fall der Erosion neu bewertet werden. Die Wartezeit kann aber aufgrund der verschlechterten Mundhygiene zu einem erhöhten Kariesproblem führen.

Anmerkung: In unserer Praxis empfehlen wir – wie übrigens auch Prof. Arian Lussi – allen Patienten, sich die Zähne vor dem Frühstück zu putzen. Saubere und fluoridierte Zahnoberflächen sind weniger anfällig für Säureangriffe bzw. Karies.

Lussi A, Lussi J, Carvalho TS, Cvikl B. Toothbrushing after an erosive attack: will waiting avoid tooth wear? Eur J Oral Sci 2014;122:353-359.

 

Behandlung von Paro-Endo-Läsionen

Zwischen Parodont und Pulpa gibt es verschiedene anatomische Verbindungen wie das apikale Foramen, laterale und akzessorische Kanäle sowie exponierte Dentintubuli. Diese anatomischen Strukturen begüns­tigen die Entstehung von Erkrankungen mit gleich­ zeitiger Beteiligung parodontaler und pulpaler Gewebe (so genannte Paro­Endo­Läsionen). Eine endodon­tische Läsion kann eine entzündliche Reaktion der an­ grenzenden parodontalen Gewebe auslösen und so zu einer retrograden parodontalen Entzündung führen. Ebenso kann eine parodontale Läsion eine endodon­tische Reaktion zur Folge haben. Parodontitis und endodontische Läsionen können sich aber auch ge­trennt entwickeln.

Die Behandlung solcher kombinierten Läsionen stellt eine Herausforderung dar. Unter Berücksichtigung der Pathogenese oder der möglichen Therapie wurden verschiedene Klassifikationen zur Beschreibung dieser Läsionen vorgeschlagen. Die aktuelle Klassifikation der parodontalen Erkrankungen, welche kontrovers diskutiert wird, nennt sie „kombinierte parodontal­endodontische Läsionen“, und zwar unabhängig von der vermuteten Pathogenese der Läsionen.

In einer systematischen Übersichtsarbeit sollten die Behandlungsoptionen und die Ergebnisse bei parodontal­endodontischen Läsionen evaluiert werden. Aus 1.087 Artikeln konnten 5 Studien und 18 Fallbe­ richte aus den Jahren 1981 bis 2012 eingeschlossen werden. Es zeigte sich eine grosse Heterogenität hin­ sichtlich der in den Studien angewendeten Vorgehens­ weisen. Bei allen klinischen Studien mit insgesamt 111 Zähnen wurde eine konventionelle endodontische Behandlung als initialer Behandlungsschritt gewählt. In einigen Studien erfolgte eine nicht chirurgische und/ oder chirurgische Parodontaltherapie ohne Berücksich­tigung der endodontischen Heilung. Eine Reduktion der Taschentiefen konnte bei allen 80 nachuntersuchten Zähnen beobachtet werden.

Schlussfolgerungen: Ein sequenzielles Vorgehen bei der Therapie mit einer endodontischen Behandlung als erstem Schritt scheint vernünftig zu sein. Vor einer Reevaluation und Weiterbehandlung sollte ein genü­gend langer Zeitraum zur Beobachtung eingeräumt werden.

Schmidt JC, Walter C, Amato M, Weiger R.Treatment of periodontal-endodontic lesions – a systematic review. J Clin Periodontol 2014;41:779-790.