Parodontale Kurzuntersuchung zur Parodontitisüberwachung

Die Parodontitis bleibt eine ernst zu nehmende Erkrankung mit möglichen systemischen Einflüssen und einer weltweiten Verbreitung. Verschiedene Methoden zur Überwachung und Kontrolle der Erkrankung setzen zu diesem Zweck unterschiedliche Messmethoden ein. Diesbezüglich gibt es aber keinen Konsens zwischen den Forschern, da die Parodontitis als Krankheit noch oft unterschätzt wird. Eine vollständige parodontale Untersuchung gilt nach wie vor als Goldstandard zur Bewertung einer parodontalen Erkrankung bei einem Individuum. Sie wird seit 2009 im National Health and Nutrition Examination Survey (NHANES) eingesetzt, um Trends oder Veränderungen bei der Prävalenz der Parodontitis in der erwachsenen Bevölkerung der USA zu bewerten. Eine vollständige parodontale Untersuchung, bei der 168 Stellen (sechs Stellen pro Zahn) kontrolliert werden, ist zeitaufwendig und personalintensiv. Auch wenn in NHANES 2009-2010 für eine vollständige Parodontaluntersuchung weniger als 5 Minuten veranschlagt werden, zeigen Studien, dass eine solche Untersuchung durchschnittlich 28,8 Minuten in Anspruch nimmt. Aus diesem Grund setzt man gerne parodontale Kurzuntersuchungen ein, bei denen wenige repräsentative Stellen zur Beurteilung der Gesamtsituation herangezogen werden.

In einer klinischen Studie sollte ein möglicher Messfehler bei der Beurteilung der Prävalenz einer Parodontitis beim Einsatz von neun parodontalen Kurzuntersuchungen unter Verwendung der Definitionen der Centers of Disease Control and Prevention und der American Academy of Periodontology (CDC/AAP) untersucht werden. Es wurden 3.667 Erwachsene im Alter von ? 30 Jahren aus NHANES 2009-2010 in die Studie eingeschlossen. Prävalenz, absolute und relative Messfehler, Sensitivität sowie Varianz wurden für diese Protokolle nach der CDC/AAP-Definition und einer um die Hälfte reduzierten CDC/AAP-Definition durch die Messung von ? 50 % der Stellen errechnet. Der Messfehler bei der Prävalenz einer moderaten und einer schweren Parodontitis variierte zwischen 11,1 und 52,5 % für das vollständige („full mouth“) mesiobukkal-distolinguale Protokoll sowie zwischen 27,1 und 76,3 % für das um 50 % reduzierte mesiobukkale Protokoll. Das reduzierte Protokoll nach der CDC/ AAP-Definition zeigte einen kleinen absoluten Messfehler (3,2 %) und einen relativen Messfehler (9,3 %) für die Beurteilung der Prävalenz einer moderaten Parodontitis; die entsprechenden Messfehler für eine schwere Parodontitis lagen bei 1,2 % und 10,2 %.

Schlussfolgerungen: Die Prävalenz einer Parodontitis kann mit einem geringen Messfehler unter Einsatz eines reduzierten Messprotokolls (parodontale Kurzuntersuchung) in Kombination mit einer um 50 % reduzierten CDC/AAP-Definition beurteilt werden.

Tran DT, Gay I, Du XL, FuY, Bebermeyer RD, Neumann AS, Streckfus C, Chan W, Walji MF. Assessment of partial- mouth periodontal examination protocols for perio- dontitissurveillance.JClinPeriodontol2014;41:846-852.

Lokale Anwendung von Bisphosphonat in Extraktionsalveolen

Zähne werden üblicherweise ohne zusätzliche Eingriffe am umliegenden Gewebe gezogen, und die Extraktionsalveole wird der spontanen Heilung überlassen. Das Koagulum, welches nach der Entfernung des Zahnes die Alveole auffüllt, bietet ein ausreichendes Gerüst zur Bildung von Granulationsgewebe und dessen Maturierung, was schlussendlich zu einer Regeneration des

Knochens und einer komplikationslosen Heilung der Alveole führt. Die Remodellierung der Alveole hat den- noch eine volumetrische Veränderung der Hart- und Weichgewebsanteile des Alveolarkamms im Bereich der Extraktion zur Folge. In der aktuellen Literatur wird eine Vielzahl von Behandlungsmöglichkeiten zur Erhaltung des Alveolarkamms und der umliegenden Gewebe (vor allem des bukkalen Knochens) nach der Extraktion vorgeschlagen. Diese beinhalten den Einsatz von Knochentransplantaten oder Knochenersatzmaterialien in der Extraktionsalveole mit oder ohne Membran zur Abdeckung, einen primären Verschluss, die Anwendung von Weichgewebstransplantaten oder Kombinationen der verschiedenenTechniken.

In der vorliegenden Studie sollte der Einsatz von lokal auf einem porcinen Knochenersatzmaterial appliziertem Pamidronat (Bisphosphonat) und dessen Wirkungsmechanismus bei der Heilung der Extraktionsalveole untersucht werden.

Anmerkung: Bisphosphonate reduzieren durch Anlagerung an die Knochenoberfläche die Mineralisation der Knochensubstanz und durch Hemmung der Osteoklastenaktivität den Knochenabbau. Sie werden seit den 1980er Jahren für diagnostische und therapeutische Zwecke bei Knochen- und Kalziumstoffwechselkrankheiten wie z. B. Osteoporose eingesetzt. Darüber hin- aus finden sie auch bei der Behandlung von Knochenmetastasen Anwendung. In der Zahnmedizin wurden Bisphosphonate für Nekrosen im Bereich des Kieferknochens verantwortlich gemacht. Vor dem Einsatz von Bisphosphonaten empfehlen Ärzte eine Herdabklärung bzw. -sanierung, um Komplikationen bei der Verwendung der Medikamente zu vermeiden.

Die Studie wurde mit zwei American Foxhounds durchgeführt. Nach einer endodontischen Behandlung der distalen Wurzel der drei Unterkieferprämolaren wurden diese Zähne hemiseziert und die mesiale Wurzel ohne Aufklappung extrahiert. Die Alveolen wurden anschließend mit einem kollagenartigen porcinen Knochenersatzmaterial (Osteobiol Gen-Os; CPB) gefüllt und entweder mit 90 mg/ml Pamidronat (Aredia; Testgruppe) oder mit steriler Kochsalzlösung (Kontrolle) getränkt. Der Verschluss der Extraktionsalveolen erfolgte durch Bindegewebstransplantate aus dem Gaumen mit Hilfe von Nähten. Nach 4 Monate Heilungszeit wurden Proben, die den Bereich der präparierten Alveolen enthielten, entnommen und histomorphometrisch untersucht.

Die histologische Untersuchung der Schnitte ergab substanzielle Unterschiede zwischen den Heilungsmustern der beiden Protokolle. Die Kontrollstellen zeigten unterschiedliche Mengen an neu gebildetem Knochen und keine Anzeichen von CPB in der Alveole. Im Gegensatz hierzu wurden an denTeststellen nur beschränkte Mengen neuen Knochens beobachtet, welcher mit vor allem von Bindegewebe umgebenen CPB gefüllt war. Es wurden nur geringfügige Unterschiede zwischen Test- und Kontrollstellen in Bezug auf den vertikalen Knochenverlust gefunden (bukkaler Knochen: 1,01 mm vs. 1,15 mm; lingualer Knochen: 0,92 mm vs. 1,15 mm). Der horizontale Knochenverlust war an den Kontrollstellen im Bereich von 3 mm unterhalb der Schmelz- Zement-Grenze fast dreimal höher als bei den mit Pamidronat behandelten Stellen (2,19 ± 1,81 mm vs. 0,80 ± 0,91 mm).

Schlussfolgerungen: Die lokale Gabe von in einem porcinen Knochenersatzmaterial als Granulat absorbiertem Pamidronat scheint die Heilung von Extraktionsalveolen zu verzögern, aber gleichzeitig auch die Dimensionsveränderungen nach der Extraktion vor allem in Bezug auf den horizontalen Knochenverlust zu reduzieren. Zusätzlich verhindert Pamidronat offenbar auch die Resorption des Knochenersatzmaterials. Es bedarf zusätzlicher Studien, bevor der klinische Einsatz von Bisphosphonaten empfohlen werden kann. Der Ansatz erscheint aber vielversprechend.

Fischer KR, Stavropoulos A, Calvo-Guirado JL, Schneider D, Fickl S. Influence of local administration of pamidronate on extraction socket healing – a histo- morphometric proof-of-principle pre-clinical in vivo evaluation. Clin Oral Implants Res 2014 Sep 15 [Epub ahead of print].