Apikale Aufhellungen und Pulpanekrosen

Eine Pulpanekrose infolge einer Entzündung kann zur Bildung eines apikalen Abszesses, eines periapikalen Granuloms oder einer periapikalen Zyste führen, welche oft kollektiv als Spätfolge einer Pulpanekrose bezeich­net werden. Die Literatur beschreibt eine grosse Vielfalt von Läsionen, die wie eine Pulpanekrose aussehen, wenn sie periapikal auftreten. Hinsichtlich der Häufig­ keit periapikaler Läsionen, die nicht auf eine Pulpa­nekrose zurückzuführen sind, variieren die Angaben zwischen 0,7 und 5 %.

In einer retrospektiven klinischen Studie sollte an 1.521 über einen Zeitraum von 14 Jahren eingereichten, klinisch als Folge einer Pulpanekrose diagnostizierten Biopsien periapikaler Läsionen die Häufigkeit von Lä­ sionen, die nicht Folge einer Pulpanekrose waren, be­ stimmt werden. Geschlecht und Alter der Patienten, Ort und maximale Grösse der Läsion, Symptome, Ein­ schluss der endgültigen Diagnose und Differenzialdia­ gnose sowie die Fachkompetenz des Behandlers, der die histologische Probe eingereicht hatte, wurden für jeden Fall aufgezeichnet. Nach Übernahme der endgültigen

Diagnose für jeden Fall aus dem pathologischen Bericht wurden zwei Gruppen gebildet: Läsionen, die Folge bzw. nicht Folge einer Pulpanekrose waren. Bei 52 der 1.521 untersuchten Fälle (3,42 %) stimmte die histologische Analyse nicht mit der klinischen Diagnose einer Pulpanekrose überein. Die odontogene Keratozyste war die am häufigsten gefundene Läsion (34,62 %). Weitere Läsionen waren odontogene Zysten der Speicheldrüs­en, laterale parodontale Zysten, zentrale ossifizierende Fibrome und auch maligne Prozesse (z. B. Metastasen).

Schlussfolgerungen: Periapikale Läsionen, die nicht als Folge einer Pulpanekrose entstanden sind, traten sehr selten auf. Die meisten davon waren odontogene Keratozysten, es wurden aber auch odontogeneTumoren wie Ameloblastome oder maligne Läsionen diagnosti­ziert. Vor allem bei grösseren Läsionen im periapikalen Bereich ist es sinnvoll, eine histologische Untersuchung des Gewebes vorzunehmen, um eine eindeutige Differenzialdiagnostik durchführen zu können.

Kontogiannis TG, Tosios KI, Kerezoudis NP, Krithinakis S, Christopoulos P, Sklavounou A. Periapical lesions are not always a sequelae of pulpal necrosis: a retrospective study of 1521 biopsies. Int Endod J 2015;48:68-73.

Kieferorthopädische Retentions­methoden im Vergleich

Die Retentionsphase nach Abschluss einer kieferortho­pädischen Behandlung ist für den langfristigen Erfolg einer Korrektur der Zahnstellung mitentscheidend. Es stehen hierfür festsitzende Retainer oder abnehmbare Schienen zur Auswahl, wobei wegen der fehlenden Mitarbeit der Patienten oft der geklebte Retainer zum Einsatz kommt. In der vorliegenden Studie sollten ver­schiedene Methoden über einen Zeitraum von 5 Jah­ren klinisch hinsichtlich ihrer Wirksamkeit untersucht werden.

Nach Abschluss einer kieferorthopädischen Thera­pie bei 75 Patienten durch einen Behandler wurden diese zufällig mit einer der folgenden drei Retentions­methoden versorgt: Tiefziehschiene im Oberkiefer, die den Gaumen und die Front von Eckzahn zu Eckzahn umfasst, und ein geklebter Retainer von Eckzahn zu Eckzahn im Unterkiefer (Gruppe TSR); Tiefziehschiene im Oberkiefer, kombiniert mit einem „Stripping“ in der Unterkieferfront (Gruppe TSS); vorgefertigter Positio­ner, der alle Zähne im Ober­ und Unterkiefer umfasst (Gruppe P). Sämtliche Retentionsmethoden kamen in­nerhalb von 1 Stunde nach Entfernung der festsitzen­ den kieferorthopädischen Apparatur zum Einsatz.

Die Patienten der Gruppen TSR und TSS wurden instruiert, die Tiefziehschiene im Oberkiefer 22 bis 24 Stunden täglich für 2Tage und Nächte und anschlie­ ssend 12 Monate lang nur nachts zu tragen. In der Gruppe P sollte der Positioner tagsüber 30 Minuten lang und für 12 Monate beim Schlafen getragen wer­ den, wobei die Patienten tagsüber jeweils aktiv in den Positioner beissen sollten; im zweiten Jahr trugen die Patienten den Positioner während der Nacht. Es wur­ den Modelle vor der kieferorthopädischen Behand­ lung (T0), nach Entfernung der Apparatur (T1) sowie nach einer Retentionsphase von 2 Jahren (T2) und von 5 oder mehr Jahren (T3) angefertigt. Neben der Be­ stimmung des Irregularitätsindex nach Little für den Ober­ und Unterkiefer (LII) wurden die Breite zwischen den Eckzähnen und den Molaren, die Länge der Kiefer­ bögen sowie der Overbite/Overjet gemessen.

Die 75 Patienten wurden zufällig in die drei Gruppen eingeteilt. 69 Patienten (24 in derTSR­Gruppe, 23 in der TSS­Gruppe, 22 in der P­Gruppe) konnten nach 2 Jahren Retentionsphase und 49 Patienten (16 in der TSR­ Gruppe, 17 in der TSS­ Gruppe, 16 in der P­Gruppe) nach 5 Jahren Retentionsphase nachuntersucht werden. Es liessen sich keine signifikanten Unterschiede feststellen.

Schlussfolgerungen: Nach einer Retentionsphase von 5 Jahren zeigten die drei Methoden vergleichbar gute Ergebnisse, so dass sie alle empfohlen werden können. Das bedeutet, dass der Behandler nicht auf den traditionellen geklebten Retainer von Eckzahn zu Eckzahn fixiert sein muss, sondern die Art der Reten­tion in Abhängigkeit von der kieferorthopädischen Diagnose, der Kooperation und den Wünschen des Patienten sowie finanziellen Aspekten wählen kann.

Anmerkung: Es muss darauf hingewiesen werden, dass die Zahl der untersuchten Patienten nicht sehr gross war und dass nach 5 Jahren 35 % von ihnen nicht nachuntersucht werden konnten. Sicher sind noch grösser angelegte Studien erforderlich, um die Aussa­ gen dieser Studie zu bestätigen.

Edman Tynelius G, Petren S, Bondemark L, Lilja- Karlander E. Five-year postretention outcomes of three retention methods – a randomized controlled trial. Eur J Orthod 2014 Dec 1 [Epub ahead of print].