Antibiotikaprophylaxe bei künstlichen Gelenken nicht notwendig

Ende 2012 haben die American Academy of Orthopaedic Surgeons und die American Dental Association (ADA) den Zusammenhang zwischen zahnmedizinischen Behandlungen und dem Auftreten von Infektionen im Bereich künstlicher Gelenke untersucht. Hieraus ergab sich derHi nweis an die zahnärztlichen Praktiker, dass eine routinemässige Abschirmung mit Antibiotika bei zahnmedizinischen Eingriffen an Patienten mit künstlichen Hüftund Kniegelenken nicht zwingend notwendig sei. 2014 hat die ADA ein Expertengremium beauftragt, den oben erwähnten Zusammenhang neu zu untersuchen, um den Praktikern eine konkrete Empfehlung zur Notwendigkeit einer antibiotischen Abschirmung bei Patienten mit künstlichen Gelenken zu geben.

Die bereits 2012 erfolgte Literatursuche wurde durch das Sichten von später erschienenen Arbeiten ergänzt. Ein Expertengremium prüfte die Studien hinsichtlich Relevanz und Evidenz. Es wurden nur vier kontrollierte Fallstudien berücksichtigt. Bei drei der vier Studien war kein Zusammenhang zwischen zahnmedizinischen Eingriffen, Infektionen im Bereich künstlicher Gelenke und der Wirksamkeit einer antibiotischen Abschirmung zu finden. Aus diesen Ergebnissen wurde folgende aktualisierte Empfehlung formuliert: Bei Patienten mit künstlichen Gelenken ist eine Antibiotikaprophylaxe vor einem zahnmedizinischen Eingriff zur Vorbeugung einer möglichen Infektion im Bereich des künstlichen Gelenks nicht notwendig. Bei Patienten mit Komplikationen im Verlauf des Setzens des künstlichen Gelenks sollte vor invasiven zahnmedizinischen Massnahmen (z. B. Scaling, chirurgischer Eingriff) eine mögliche prophylaktische Abschirmung nach Absprache mit dem behandelnden Chirurgen geplant werden.

Schlussfolgerungen: Es fehlt an Evidenz, die eine Abschirmung mit Antibiotika vor einem zahnmedizinischen Eingriff bei Patienten mit künstlichen Hüftund Kniegelenken rechtfertigen würde. In Anbetracht der steigenden Resistenz gegen Antibiotika ist es sinnvoll, wenn immer möglich auf deren Einsatz in der Praxis zu verzichten. Es bedarf aber noch zusätzlicher Studien, um den Evidenzgrad dieser Empfehlung zu erhöhen.

Sollecito TP, Abt E, Lockhart PB et al. The use of prophylactic antibiotics prior to dental procedures in patients with prosthetic joints: Evidence-based clinical practice guideline for dental practitioners – a report of the American Dental Association Council on Scientific Affairs. J Am Dent Assoc 2015;146:11-16.

Rauchgewohnheiten und Karies

In der vorliegenden Studie sollte der mögliche Zusammenhang zwischen täglichem Rauchen und dem Auftreten von Karies bei Erwachsenen untersucht werden. Grundlage waren die Daten einer Umfrage, die 2000 und 2001 in Finnland bei einem repräsentativen Ausschnitt der Bevölkerung im Alter über 30 Jahren durchgeführt wurde. Ausgewertet werden konnten die Daten von 955 bezahnten Erwachsenen mit einem Durchschnittsalter von 48,4 Jahren, welche an beiden Gesundheitsumfragen teilgenommen hatten. Die Teilnehmer gaben an, wie viele Zigaretten oder ähnliche Produkte sie pro Tag konsumierten. Dabei fanden die Häufigkeit des Rauchens und der tägliche Konsum Berücksichtigung. Es wurde der Anstieg der Anzahl kariöser (DT), gefüllter (FT) und fehlender (MT) Zähne sowie der DMFT-Index über 4 Jahre mit klinischen Untersuchungen zu Beginn und am Ende der Studie bestimmt.

Personen, die täglich rauchten, zeigten einen Anstieg des DT-, nicht aber einen höheren DMFT-, FToder MT-Index. Es zeigte sich eine signifikante und lineare Beziehung zwischen der Häufigkeit desTabakkonsums und dem Anstieg des DT, nicht aber zum DMFT-, FToder MT-Index. Die Zahnputzgewohnheiten konnten hierbei aber nur 20 % des Anstiegs des DT-Index erklären. Die Resultate dieser Studie zeigen klar einen kausalen Zusammenhang zwischen der Tabakexposition und dem Auftreten von Karies bei Erwachsenen. Derselbe Mechanismus kann für den in anderen Studien untersuchten möglichen Zusammenhang zwischen Passivrauchen und Karies bei Kindern in Betracht gezogen werden.

Schlussfolgerungen: Tägliches Rauchen und die Menge desTabakkonsums scheinen mit dem Auftreten neuer kariöser Läsionen (Anstieg des DT) bei Erwachsenen über einen Zeitraum von 4 Jahren in Zusammenhang zu stehen, nicht aber mit der Kariesbehandlung (FTbzw. MT-Anstieg) oder dem DMFT.

Bernabe E, Delgado-Angulo EK, Vehkalahti MM, Aromaa A, Suominen AL. Daily smoking and 4-year caries increment in Finnish adults. Community Dent Oral Epidemiol 2014;42:428-434.

Mundtrockenheit und Gingivastatus bei Jugendlichen

Xerostomie, das subjektive Empfinden eines trockenen Mundes, ist manchmal, aber nicht zwingend mit einem reduzierten Speichelfluss verbunden. Sie stellt einen wichtigen Indikator bei der Untersuchung von Mundtrockenheit dar. Xerostomie kann sich in starkem Masse auf die Gesundheit sowie die Lebensqualität auswirken und mit einer Unterfunktion der Speicheldrüsen zusammenhängen, welche einen grossen Einfluss auf die orale Gesundheit hat. Die Prävalenz der Xerostomie wird mit 10 bis 46 % angegeben, wobei Männer weniger häufig betroffen sind als Frauen. Als Ursachen für die Xerostomie können systemische Erkrankungen wie das Sjögren-Syndrom, Diabetes, Hypothyroidismus oder HIV-Infektionen, aber auch Drogenmissbrauch, Bestrahlungen im Kopf-Hals-Bereich oder die lange Einnahme diverser Medikamente in Frage kommen.

Ein Zusammenhang zwischen Xerostomie und oralen Veränderungen bei älteren Menschen ist oft beschrieben worden, aber entsprechende Untersuchungen bei Jugendlichen sind selten. In der vorliegenden Studie sollte der Zusammenhang zwischen einer möglichen Xerostomie und den gingivalen Verhältnissen bei 2.077 Studenten im Alter von 18 bis 24 Jahren (1.202 männlich, 875 weiblich) untersucht werden. Der Prozentsatz von Zähnen mit positivem Blutungsindex und das Vorhandensein von Taschen ? 4 mm wurden als Anzeichen einer Veränderung bewertet. Die Erhebung zusätzlicher Informationen zu Xerostomie, Zahnputzgewohnheiten, Kaffee-/Teekonsum und nasalen Verstopfungen erfolgte mit Hilfe eines Fragebogens.

183 Studenten (8,8 %) gaben an, dass ihr Mund häufig oder immer Anzeichen einer Mundtrockenheit aufweist. Die Xerostomie war mit dem Prozentsatz von Zähnen mit positivem Blutungsindex und der Plaquebildung verknüpft, nicht aber mit dem Auftreten von Sondierungstiefen > 4 mm. Verknüpfungen ergaben sich auch zwischen Xerostomie und dem Kaffeeund Teekonsum (p < 0,01) sowie nasalen Verstopfungen (p < 0,001).

Schlussfolgerungen: Die Xerostomie ist durch die Ansammlung von Plaque indirekt mit dem Zustand der Gingiva verknüpft. Nasale Verstopfungen und der Kaffee-/Teekonsum beeinflussen eine Xerostomie ebenfalls. Auch bei jugendlichen Patienten sollte im Rahmen der Beurteilung des Gingivitisrisikos eine mögliche Xerostomie in Betracht gezogen werden.

Mizutani S, Ekuni D, Tomofuji T et al. Relationship between xerostomia and gingival condition in young adults. J Periodontal Res 2015;50:74-79.