Hooligans tragen häufiger Zahnschutz als Kampfsportler

In den letzten Jahren ist die Zahl der Medienberichte über gewalttätige Zusammenstösse am Rande von Fussballspielen angestiegen. Bei nationalen und regio­nalen Veranstaltungen hat die Bereitschaft von Fuss­ballfans zur Gewaltanwendung sowohl innerhalb als auch ausserhalb der Stadien weltweit stark zugenom­men. Der Begriff Hooligan bezeichnet die gewalttätigs­ten aller Fans, die hauptsächlich für die Gewaltexzesse verantwortlich sind. Verletzungen sind bei Ansamm­lungen von Hooligans und Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Gruppierungen unausweichlich. Die Verletzungsgefahr ist hier sehr hoch und mit der bei Risikosportarten wie Rugby, Handball oder Vollkontakt­ Kampfsportdisziplinen vergleichbar. Be­sonders Letztere zeigen hinsichtlich der Verletzungs­muster Ähnlichkeiten mit den Folgen des aggressiven Verhaltens von Hooligans.

Die vorliegende Studie untersuchte die bei Kämp­fen zwischen Hooligans auftretenden Zahn­ und Kiefer­verletzungen sowie den Einfluss von Zahnschutzen auf diese Art der Verletzungen. Zwischen 2012 und 2013 wurden standardisierte Multiple­ Choice­ Frage­bogen in der Schweizer Hooligan­ Szene verteilt. Ge­genstand der unter Zusicherung absoluter Anonymität durchgeführten Umfrage war die Art der Verletzungen bei Hooligans unterschiedlicher Altersgruppen, Nationa­litäten sowie Ausbildungs-­ und Einkommensniveaus. Von den 95 befragten Hooligans gaben 82 an, leichtere (29) bzw. schwerere (53) Zahnverletzungen erlitten zu haben. Während der gewalttätigen Auseinanderset­zungen trugen 37 der 95 Hooligans einen Zahnschutz. Am häufigsten wurden dabei individuell gefertigte Zahn­schutze (19/37) oder sogenannte Boil ­and ­bite­ Varianten (10/37) getragen, wohingegen nicht angepasste Zahn­schutze seltener zum Einsatz kamen (6/37). Hooligans, die einen individuell angepassten Zahnschutz trugen, verloren bei den Auseinandersetzungen weniger Zähne (p = 0,056).

Schlussfolgerungen: Wie nicht anders zu erwarten war, ist die Verletzungsgefahr bei gewalttätigen Aus­einandersetzungen zwischen Hooligans sehr hoch. Die Verletzungen reichen dabei von Zahnschäden über Verstauchungen und Schnittverletzungen bis hin zu ernsthaften Knochenbrüchen im Bereich von Kopf und Extremitäten. Bei gewalttätigen Zusammenstössen trägt über ein Drittel der Hooligans einen meist individuell angefertigten oder zumindest angepassten Zahnschutz. Interessant ist, dass dieser Wert sehr viel höher als bei den meisten Kontaktsportarten liegt.

Sekulic M, Kühl S, Connert T, Krastl G, Filippi A. Dental and jaw injuries sustained by hooligans. Dent Traumatol 2015 Jul 15 [Epub ahead of print].

Ein Glas Wasser morgens hilft gegen schlechten Atem

Halitosis ist ein allgemeiner Begriff, der einen unange­nehmen oder penetranten Geruch aus der Mundhöhle beschreibt. Die Prävalenz der Halitosis lässt sich nicht genau beziffern. In den verschiedenen Regionen der Welt werden in der entsprechenden Literatur unter­schiedliche Bewertungskriterien beschrieben, was zu einer Bandbreite von 2 bis 42 % bei der Prävalenz führt. Verschiedene (nicht orale) pathologische Umstän­de einschliesslich Infektionen der oberen und unteren Atemwege bzw. des Verdauungstrakts sowie metabo­lischer Erkrankungen der Nieren und der Leber wurden mit Mundgeruch in Verbindung gebracht. Dennoch zeigen klinische Untersuchungen, dass ungefähr 90 %aller Arten von Mundgeruch ihren Ursprung im Bereich der Mundhöhle haben.

Die Entstehung des Mundgeruchs ist mit schwefel­haltigen bakteriellen Abbauprodukten von Aminosäu­ren (Methionin, Cystein und Cystin) verknüpft (flüchtige Schwefelverbindungen, „volatile sulfur compounds“, VSCs), deren Hauptbestandteile Schwefelwasserstoff (H2S), Methylmercaptan (CH3SH) und in geringerem Ausmass Dimethylsulfid ((CH3)2S) sind. Der Umstand, dass das Problem Mundgeruch verstärkt ins öffentliche Bewusstsein gerückt und die Nachfrage nach Mitteln zur Behandlung gewachsen ist, haben zu einem star­ken Anstieg kommerzieller Produkte wie Bonbons, Kaugummis, Mundspray und Tabletten geführt. Einige dieser Produkte bewirken zwar eine leichte Verbesse­rung des Atemgeruchs, aber die Mehrheit zeigt nur einen kurzfristigen, „maskierenden“ Effekt und ist eigentlich wirkungslos.

In der vorliegenden Studie sollten die Wirkung von Wasser auf den morgendlichen schlechten Atem („morning bad breath“, MBB) und ein möglicher Unter­ schied zwischen einer blossen Mundspülung und dem Trinken eines Glases Wasser am Morgen untersucht werden. 50 Studienteilnehmer wurden zufällig in zwei gleiche Gruppen eingeteilt. Innerhalb von 30 Sekunden spülten die Angehörigen der einen Gruppe mit 15 ml Wasser, während die Probanden der anderen Gruppe 200 ml Wasser tranken. Anschliessend erfolgte in der Zeit zwischen 7:30 und 12:00 Uhr eine klinische Unter­suchung aller Studienteilnehmer. Der Atem wurde vor und nach dem Spülen mit bzw. dem Trinken von Was­ ser primär olfaktorisch und ausserdem mit Hilfe eines sogenannten Halimeters und des Gaschromatographie­ Gerätes Oral Chroma auf das Vorhandensein von VSCs, H2S, CH3SH und (CH3)2S) untersucht. Zusätzlich wurden bestehender Zungenbelag (Verfärbung, Dicke) und Zungenfissuren bewertet.

Alle 50 Teilnehmer konnten untersucht werden. In beiden Gruppen wurde eine statistisch signifikante Reduktion der olfaktorischen Werte sowie der mittels Oral Chroma ermittelten H2S­ und CH3SH­Messwerte nach dem Spülen mit und dem Trinken von Wasser registriert werden. Beide Methoden zeigten eine Re­duktion des CH3SH­Wertes von ca. 60 % und des H2S­Wertes von 30 bis 50 %. Die klinischen Parameter waren zwischen den beiden Gruppen nicht statistisch signifikant.

Schlussfolgerungen: Sowohl das morgendliche Spülen mit Wasser als auch das Trinken eines Glases Wassers hatten einen statistisch signifikanten Einfluss auf den Mundgeruch und können beide als effektive Mittel zur Bekämpfung von schlechtem Atem empfoh­len werden.

Van der Sluijs E, Slot DE, Bakker E, van der Weijden GA. The effect of water on morning bad breath: a randomized clinical trial. Int J Dent Hyg 2015 Jun 16 [Epub ahead of print].