ZnO-Zement zur Befestigung von implantatgetragenen Versorgungen

Implantatgetragene Versorgungen lassen sich verschraubt oder zementiert einsetzen. Beide Methoden weisen je nach klinischer Situation Vor- und Nachteile auf. Insbesondere vorhandene Zementüberschüsse können zu entzündlichen Reaktionen um Implantate führen. Aus diesem Grund erfreut sich die Befestigung von Kronen mit einem provisorischen Zement auf der Basis von Zinkoxid (ZnO) grosser Beliebtheit. Er ist einfacher zu entfernen, und eventuelle kleine Überschüsse scheinen weniger entzündliche Reaktionen zu verursachen. Studien über die längerfristigen klinischen Ergebnisse von mit einem ZnO-Zement befestigten implantatgetragenen Versorgungen sind selten.

Ziel der vorliegenden retrospektiven klinischen Studie war es, die Häufigkeit von Retentionsverlusten und den Zustand der periimplantären Gewebe bei implantatgetragenen Versorgungen zu untersuchen, welche über einen längeren Zeitraum mit einem ZnO-Zement befestigt waren. Zwischen 1989 und 2003 wurden bei 63 teilbezahnten Patienten 93 Implantate eingesetzt. 27 dieser Patienten wurden mit 36 verschraubten Einzelkronen versorgt und dienten als Kontrollgruppe. Bei den restlichen 36 Patienten erfolgte die Eingliederung der Versorgungen mit ZnO-Zement. Über einen Beobachtungszeitraum von 10 bis 23 Jahren (Durchschnitt: 13,22 Jahre) wurden alle Retentionsverluste und der Zustand der periimplantären Weichgewebe in der Krankengeschichte erfasst.

In fünf Fällen trat über einen Zeitraum von durchschnittlich 10 Jahren ein Retentionsverlust ein (8,77%). In der Kontrollgruppe der vertikal verschraubten Versorgungen kam es bei fünf Patienten (18,52 %) nach durchschnittlich 6 Jahren innerhalb der Beobachtungszeit von 14,3 Jahren zu fünf Lockerungen der Schraube (13,89 %). In keinem Fall wurde eine Periimplantitis beobachtet. Die durchschnittlichen Werte für die Sondierungstiefe und die Sondierungsblutung betrugen bei den mit ZnO zementierten Kronen 3,74 mm und 31,58 % gegenüber 3,76 mm und 25 % in der Kontrollgruppe. Bezüglich technischer oder biologischer Komplikationen wurde kein signifikanter Zusammenhang zwischen den beiden Gruppen festgestellt.

Schlussfolgerungen: Die Verwendung von ZnO- Zement zur Befestigung von implantatgetragenen Versorgungen ist auch über einen längeren Zeitraum ohne biologische Komplikationen in Form einer Periimplantitis und ohne einen höheren Retentionsverlust möglich und kann empfohlen werden.

Woelber JP, Ratka-Krueger P, Vach K, Frisch E. Dece- mentation rates and the peri-implant tissue status of implant-supported fixed restorations retained via zinc oxide cement: a retrospective 10-23-year study. Clin Implantant Dent Relat Res 2015 Aug 12 [Epub ahead of print].

Kompositaufbau unter CAD-CAM- Kronen

Der langfristige klinische Erfolg wurzelkanalbehandelter Zähne ist eng mit deren anschliessender restaurativer Versorgung dieser Zähne verknüpft. Dabei gilt es als wissenschaftlich anerkannt, dass der „ferrule effect“ (Fassreifeneffekt) ein kritisches Element bei der Versorgung von wurzelkanalbehandelten Molaren ist. Dieser sich auf den zervikalen Bereich der Zahnstruktur beziehende Effekt verleiht einer Versorgung Halt, macht sie widerstandsfähig und schützt vor einer Fraktur. Bei einem fehlenden „ferrule effect“ gibt es keinen Konsens hinsichtlich des optimalen Vorgehens, das für den Aufbau und die Versorgung nach einem grossen Substanzverlust koronaler Strukturen nötig ist. Auch wenn Wurzelstifte wurzelkanalbehandelte Zähne nicht stärken, werden sie häufig zur Befestigung eines Aufbaus und als Fundament einer Versorgung eingesetzt.

In Anbetracht der Fortschritte bei den mechanischen Eigenschaften der Kompositmaterialien und der verbesserten Haftwerte der Dentin-Adhäsiv-Systeme scheint die Frage logisch, ob man mit diesen Materialien ohne einen Stiftaufbau einen internen „ferrule effect“ erreichen kann. Molaren haben üblicherweise einen substanziellen Anteil an Dentin, der dabei als Klebefläche dienen kann. Neben dem Ersatz des Pulpadachs eliminiert der Kompositaufbau Unterschnitte des endodontischen Eingriffs und ermöglicht es, die Dicke der Restauration zu kontrollieren. Einen anderen Ansatz verfolgt die Versorgung der wurzelkanalbehandelten Molaren mit einer Endokrone. Hierbei wird die innerhalb des Pulpakavums verfügbare Dentinoberfläche ausgenutzt, um den Aufbau und die Krone in einem Schritt zu ersetzen. Es gibt wenig Informationen zur klinischen Qualität von mit Hilfe des Cerec-Systems hergestellten Endokronen, aber dieses Vorgehen scheint akzeptabel zu sein.

In der vorliegenden In-vitro-Studie sollte der Einfluss des Designs des adhäsiven Aufbaus (4-mm-Aufbau, 2-mm-Aufbau und kein Aufbau/Endokrone) auf die Festigkeit und die Misserfolgsart von endodontisch be- handelten, mit adhäsiv befestigten CAD/CAM-gefertigten Lithiumdisilikatkronen versorgten Molaren unter- sucht werden. Bei 45 extrahierten Molaren wurde die Krone auf Höhe der Schmelz-Zement-Grenze abgetrennt und der Zahn anschliessend endodontisch behandelt. Die so vorbereiteten Proben wurden mit Hilfe von Filtek Z100 adhäsiv aufgebaut (4-mm-Aufbau, 2-mm-Aufbau und kein Aufbau/Endokrone) und an- schliessend mit Cerec-3-CAD/CAM-Lithiumdisilikatkronen (IPS e.max CAD) versorgt. Die Innenflächen der Kronen (n = 15) wurden mit Flusssäure geätzt und silanisiert. Vor dem Zementieren mit RelyX Unicem 2 Automix wurden die präparierten Zähne sandgestrahlt. Danach wurden die Proben zyklisch isometrisch bei 10 Hz be- lastet. Die Belastung begann mit 200 N (x 5.000 Zyklen), gefolgt von Stufen mit 400, 600, 800, 1.000, 1.200 und 1.400 N bei einer maximalen Anzahl von jeweils 30.000 Zyklen. Die Proben wurden bis zum Misserfolg oder bis zu einem Maximum von 185.000 Zyklen belastet.

Die Kausimulation erfolgte durch die Belastung mit einer Kugel aus Komposit (Filtek Z100) mit einem Durchmesser von 10 mm. Proben, die nach der normalen Belastung noch intakt waren, wurden bis zum Bruch oder bis zu einer maximalen Kraft von 4.500 N belastet. Neben einer Bewertung der Misserfolgsart wurden die Frakturen als katastrophal (Zahn-/Wurzelfraktur, die eine Extraktion des Zahnes erforderlich machen würde) oder reparabel (kohäsive/adhäsive Fraktur nur der Restauration) eingestuft.

Die Überlebensraten für die 4-mm-Aufbauten, die 2-mm-Aufbauten und die Endokronen betrugen nach dem Ermüdungstest 100, 93 bzw. 100 % und zeigten keine statistisch signifikanten Unterschiede. Nur bei einer Probe mit einem 2-mm-Aufbau kam es unter der Krone zu einer kohäsiven Fraktur bei einer Last von 1.400 N. Die durchschnittliche Frakturlast nach der Ermüdung lag bei 3.181 N für die 4-mm-Aufbauten (15 Proben), bei 3.759 N für die 2-mm-Aufbauten (12 Proben) und bei 3.265 N für die Endokronen (14 Pro- ben). Die 2-mm-Aufbauten zeigten eine deutlich höhere Frakturresistenz als die 4-mm-Aufbauten und die Endokronen. Eine Endokrone und zwei Restaurationen mit einem 2-mm-Aufbau überlebten selbst die Last von 4.500 N. Bei der Grenzbelastung kam es ausschliesslich zu katastrophalen Misserfolgen.

Schlussfolgerungen: Das Aufbaudesign hat einen Einfluss auf die Leistungsfähigkeit von endodontisch behandelten, mit adhäsiv befestigten CAD/CAM-gefertigten Lithiumdisilikatkronen versorgten Molaren. Die 2-mm-Aufbauten zeigten die höchsten Festigkeitswerte, aber alle Versorgungsarten widerstanden Belastungen, die weit über der klinischen Realität lagen.

Carvalho AO, Bruzi G, Anderson RE, Maia HP, Giannini M, Magne P. Influence of adhesive core buildup designs on the resistance of endodontically treated molars restored with lithium disilicate CAD/CAM crowns. Oper Dent 2015 Aug 12 [Epub ahead of print].