Versiegeln oder Fluoridieren von Milchmolaren?

In einem neuren Cochrane-Review wird festgehalten, dass der Einsatz von Fissurenversiegelungen zur Kariesprävention bei Kindern und Jugendlichen vor allem dann zu empfehlen ist, wenn diese ein erhöhtes Kariesrisiko aufweisen.

In der vorliegenden klinischen Studie sollte der präventive Effekt von okklusal an Milchmolaren eingesetzten Fissurenversieglern und deren Retentionsrate nach 1 Jahr mit der Wirksamkeit eines Fluoridlackes verglichen werden. 147 Vorschüler aus zwei Kindergärten wurden von einem Zahnarzt nach den Richtlinien des „International Caries Detection and Assessment System“ (ICDAS) untersucht. Anschliessend versiegelte ein anderer Zahnarzt die Fissuren oder behandelt sie mit einem Fluoridlack. Hierbei erfolgte die Behandlung quadrantenweise nach dem Zufallsprinzip jeweils kontralateral. Die Untersuchungen und Behandlungen wurden mit einer mobilen Dentaleinheit und einer transportablen OP-Leuchte in den Kindergärten vorgenommen. Die Trockenlegung erfolgte mit Hilfe von Watterollen und Luft aus der Multifunktionsspritze. Nach 1 Jahr wurde die Nachuntersuchung durchgeführt. Bei allen Kindern erfolgte 6 Monate vor und 6 Monate nach dem Eingriff die Applikation eines Fluoridlackes.

Von den 267 Vergleichspaaren der okklusalen Flächen an Milchmolaren zeigten die mit Fluoridlack behandelten Flächen nach 1 Jahr eher neue kariöse Läsionen als die entsprechenden versiegelten Flächen. 73,0 % der Versiegelungen waren bei der Nachuntersuchung vollständig und 15,1 % teilweise intakt.

Schlussfolgerungen: Das Versiegeln von Fissuren an Milchmolaren scheint eine bessere kariespräventive Wirkung zu haben als die alleinige Anwendung von Fluoridlacken. Nach einer Beobachtungszeit von 1 Jahr war die Mehrzahl der Versiegelungen noch intakt.

Honkala S, ElSalhy M, Shyama M, Al-Mutawa SA, Boodai H, Honkala E. Sealant versus uoride in primary molars of kindergarten children regularly receiving uoride varnish: One-year randomized clinical trial follow-up. Caries Res 2015;49:458-466.

Natriumhypochlorit als Prothesenreiniger

Bei der Versorgung von älteren Patienten mit Totalprothesen muss auf deren Hygienebedürfnisse geachtet werden. Die Patienten bekunden oft Mühe, ihre Prothesen sauber zu halten. Eine gründliche tägliche Entfernung des in der oralen Kavität und auf den Obeflächen der Prothesen vorhandenen Biofilms ist zur Reduktion des Risikos opportunistischer Infektionen, für eine gute orale und systemische Gesundheit, eine ästhetische Erscheinung und die Verminderung unangenehmer Gerüche entscheidend. Den Patienten stehen zur Entfernung von Rückständen auf den Prothesen mechanische, chemische oder kombinierte Strategien zur Verfügung. Die tägliche Reinigung mit einer Prothesenbürste wird allen Prothesenträgern empfohlen. Dennoch ist die mechanische Reinigung alleine für die Desinfektion oft nicht ausreichend.

In der vorliegenden Studie wurden die Wirkung von Natriumhypochlorit (NaOCl) auf Biofilme, Farbbeständigkeit und Oberflächenrauigkeiten bei Totalprothesen sowie die Patientenakzeptanz untersucht. Prothesenreiniger sollten in der Lage sein, die Ansammlung von Biofilmen zu reduzieren, ohne dabei die Eigenschaften des verwendeten Kunststoffs zu beeinträchtigen. Die Patientenzufriedenheit spielt für den täglichen Einsatz solcher Produkte ebenfalls eine wichtige Rolle.

Die 15 teilnehmenden Patienten wurden instruiert, ihre Totalprothesen 90Tage lang täglich für 3 Minuten in eine 0,5%ige NaOCl-Lösung einzulegen. Proben der Beläge auf den Prothesen wurden auf Agar-Nährböden kultiviert und die Keimzahlen nach einer Inkubationszeit von 48 Stunden bestimmt. Die Ermittlung der Rauigkeit der Prothesen erfolgte mit einem Profilmeter. Die Akzeptanz der Patienten wurde anhand ihrer Zufriedenheit bestimmt. Nach der statistischen Auswertung der Daten zeigte sich eine signifikante Reduktion der Gesamtzahl an Mikroorganismen und Candida-Pilzen. In Bezug auf die Farbveränderungen und Rauigkeiten wurden während der Beobachtungszeit keine signifikanten Veränderungen festgestellt.

Schlussfolgerungen: Eine 0,5%ige NaOCl-Lösung eignet sich für eine effektive Reduktion der Mikroorganismen auf Prothesen, ohne dabei den Kunststoff in Farbe und Rauigkeit signifikant zu verändern. Deshalb kann die Lösung als Alternative zu herkömmlichen Prothesenreinigern empfohlen werden. Die Patienten waren mit der Reinigungswirkung zufrieden.

De Sousa Porta SR, de Lucena-Ferreira SC, da Silva WJ, Del Bel Cury AA. Evaluation of sodium hypochlorite as a denture cleanser: a clinical study. Gerodontology 2015;32:260-266.