Digitale Abformung für Kronen und kleine Brücken besser

Bei CAD/CAM-Workflows kann die Umwandlung der klinischen Situation in einen dreidimensionalen Datensatz zur Herstellung eines Zahnersatzes direkt im Mund oder indirekt via Modell erfolgen. Im Rahmen der extraoralen Digitalisierung folgt einer konventionellen Abformung die Anfertigung eines Gipsmodells, das anschliessend im Labor digitalisiert wird. Über die letzten Jahre wurden viele neue Systeme zur direkten und indirekten Digitalisierung eingeführt, um den Einfluss von Abformtechnik, Abformlöffel, Mischtechnik, Material und anderen Faktoren zu reduzieren. Es besteht ein Konsens verschiedener Autoren, dass marginale Fugen unterhalb von 120 µm klinisch akzeptabel sind.

In der vorliegenden klinischen Studie sollten die marginale und die interne Passung von direkt bzw. indirekt digitalisierten, CAD/CAM-gefertigten Kronen und dreigliedrigen Brücken aus Zirkon untersucht werden. Ein weiteres Ziel bestand darin, die Effizienz der beiden Workflows zu vergleichen.

Bei 25 Patienten wurden 17 Einzelkronen und acht dreigliedrige Brücken aus Zirkon mit einem CAD/CAM- System angefertigt. In jedem Fall erfolgten sowohl eine digitale intraorale Abformung mit dem Intraoralscanner Lava C.O.S. als auch eine konventionelle Abformung mit einem Polyethermaterial (Impregum). Die Arbeitszeiten wurden für beide Abläufe aufgezeichnet. Vor der Eingliederung der Versorgungen erfolgte eine Erfassung ihrer marginalen und internen Passung mit Hilfe von Silikonreplika. Die Proben wurden in vier Segmente geteilt und jeweils an vier Stellen (marginale Fuge, mittlere axiale Wand, axiookklusaler Übergang, zentrale okklusale Stelle) bei 64-facher Vergrösserung bewertet. Danach gelangten die erfassten Daten zur statistischen Auswertung.

Die durchschnittlichen Fugenbreiten waren mit 61,08 µm (± 24,77) bei der digitalen intraoralen Abformung und mit 70,40 µm (± 28,87) bei der konventionellen Abformung statistisch signifikant verschieden. Die übrigen Durchschnittswerte betrugen für die digitale und die konventionelle Abformung 88,27µm (± 41,49) bzw. 92,13 µm (± 49,87) an der mittleren axialen Wand, 144,78 µm (± 46,23) bzw. 155,60 µm (±=?55,77) am axiookklusalen Übergang und 155,57 µm (± 49,85) bzw. 171,51 µm (± 60,98) an der zentralen okklusalen Stelle. Bei den digitalen Abformungen zeigten sich in den zentralen okklusalen Anteilen signifikant bessere Passungen. Die Zeitersparnis der digitalen Abformung gegenüber der konventionellen lag bei 5 Minuten und 6 Sekunden für die Abformung eines Quadranten und bei 1 Minute 34 Sekunden für die Abformung des ganzen Kiefers.

Schlussfolgerungen: Sowohl direkte als auch indirekte Digitalisierungen ermöglichen die Herstellung von Einzelkronen und dreigliedrigen Brücken mit einem klinisch akzeptablen Randschluss. Die digitale intraorale Abformung führte zu signifikant besseren Passungen. Zusätzlich ergab sich für Behandler und Patienten eine deutliche Zeitersparnis gegenüber der konventionellen Abformung.

Ahrberg D, Lauer HC, Ahrberg M, Weigl P. Evaluation of fit and efficiency of CAD/CAM fabricated all-ceramic restorations based on direct and indirect digitalization: a double-blinded, randomized clinical trial. Clin Oral Investig 2016;20:291-300.

Polymer lnfiltrierte Keramiken

Die Wahl dentaler Materialien wurde bisher durch die Zugehörigkeit zu einer Materialgruppe bestimmt. Metalle, Keramiken und Polymere unterscheiden sich in ihren interatomaren Verbindungen, welche mechanische Eigenschaften und insbesondere den Elastizitätsmodul beeinflussen. Die Anforderungen an die Kaubelastungen im Seitenzahnbereich haben auch zur Entwicklung steiferer und höher gefüllter Kompositmaterialien geführt. Trotz der Materialvielfalt ist immer noch eine grosse Diskrepanz zwischen diesen Materialien und den Eigenschaften von Schmelz und Dentin festzustellen, welche durch jene ersetzt werden sollen. Die Kombination von Gold und Amalgam als „Schmelzersatz“ sowie bestimmten Zementen und hoch gefüllten Kompositen als „Dentinersatz“ kam in der Vergangenheit diesem Konzept am nächsten. Die steigenden ästhetischen Ansprüche haben zum vermehrten Einsatz von Materialien mit viel niedrigeren (Komposite) oder höheren (Zirconia) Elastizitäten als Schmelz geführt. Wie kann das Materialangebot im Bereich der CAD/CAM-Zahnmedizin erweitert werden, um dem Ideal des natürlichen Zahnes näher zu kommen? Die Ansprüche sind nicht nur ästhetischer Natur, sondern schliessen darüber hinaus Biokompatibilität, Langle- bigkeit, hohe Präzision und effektive Verarbeitung auch in dünnen Dimensionen (< 500 µm) ein. Bisher sind aber nur zu wenig wirklich neuen Materialien ausserhalb der bekannten Klassen entwickelt worden.

Was liegt näher, als die Eigenschaften von Keramiken und Kompositen in einer Materialgruppe zu vereinen. In diesem Zusammenhang steht die Entwicklung einer neuen Materialgruppe von polymerinfiltrierten Keramiken. Dabei wird ähnlich wie bei den von Sadoun in den 1980er Jahren entwickelten In lnfiltrationskeramiken ein Keramikrohling mit einem Material vermischt. Im Fall der In lnfiltrationskeramiken kamen Gläser zur Verstärkung und Verbesserung der optischen Eigenschaften zum Einsatz. Bei den neuen In lnfiltrationskeramiken wird ein neuer Weg gewählt. Nach der Herstellung eines Rohlings aus z. B. Feldspatkeramik (vergleichbar mit einem Schwamm) wird in diese Matrix mit sehr hohem Druck ein Polymer gepresst. Daraus entsteht ein Material, das elastischer als die ursprüngliche Keramik ist, sich sowohl leichter als auch präziser in CAD/CAM-Systemen verarbeiten lässt und bezüglich der Handhabung einem Komposit näher kommt. Erste Studien zeigen, dass dieses Material sich im klinischen Einsatz gut bewährt.

Schlussfolgerungen: Die aktuell verfügbaren p lymerinfiltrierten Keramiken für den klinischen Einsatz sind weicher, zeigen mit den übrigen Materialien vergleichbare Festigkeits- und Frakturwerte, einen niedrigeren Elastizitätsmodul und eine höhere Risstoleranz im Vergleich zu herkömmlichen Glaskeramiken. In Kausimulationen mit Kronen ergab sich eine höhere Resistenz gegenüber Funktionsbelastungen, obwohl die Frakturfestigkeit relativ gering ist. Es bedarf weiterer Studien, um diese interessanten Eigenschaften weiter zu untersuchen und besser zu verstehen.

Swain MV, Coldea A, Bilkhair A, Guess PC. Interpenetrating network ceramic-resin composite dental restorative materials. Dent Mater 2016;32:34-42.