Kaukräfte und Lebenserwartung bei 70-Jährigen

Die als funktionelle Kraft während des Zusammenbeissens definierte maximale Kaukraft spiegelt die biomechanischen Eigenschaften des Kauapparates wider. Mit Hilfe dieser Kraft lassen sich die orale Funktion und in Abhängigkeit von den okkludierenden Zahnpaaren die Kauleistung definieren. Neuere Studien haben gezeigt, dass eine schlechte Mundhygiene und eine ungenügende Funktion mit der Morbidität und Sterberate bei älteren Erwachsenen in Zusammenhang stehen. Die Ernährung kann als Bindeglied zwischen oraler und systemischer Gesundheit betrachtet werden. Individuen mit einer ungenügenden oralen Gesundheit nehmen weniger Energie, Proteine, Vitamine, Mineralien und Faserstoffe zu sich.

Es gibt nur spärliche Informationen zum Einfluss der Kaufunktion auf die Sterblichkeit bei älteren Erwachsenen. In der vorliegenden prospektiven Kohortenstudie sollte über einen Zeitraum von 13 Jahren untersucht werden, ob mit einer objektiven Bewertung der Kaufunktion mittels Bestimmung der maximalen Kaukraft eine Aussage zur Sterblichkeit älterer Individuen gemacht werden kann. Eingeschlossen wurden 550 Japaner (282 Männer und 277 Frauen), die zu Beginn der Studie 70 Jahre alt waren. Medizinische und dentale

Untersuchungen inklusive einer Fragebogenerhebung erfolgten beim Start der Studie. Die maximale Kaukraft wurde mit einem elektronischen Messgerät (Occlusal Force-Meter GM10) bestimmt. Nach 13 Jahren erfolgte eine Nachuntersuchung. Die Überlebensraten wurden in Relation zur maximalen Kaukraft und zum Geschlecht statistisch ausgewertet.

Es kam in den 13 Jahren zu 111Todesfällen (82 Männer und 29 Frauen). Die Auswertung zeigte, dass Männer mit einer Kaukraft im unteren Drittel eine statistisch signifikant höhere Sterberate als Männer mit einer Kaukraft im oberen Drittel aufwiesen. Im Gegensatz hierzu fand sich dieser Zusammenhang bei den Frauen nicht. Die maximale Kaukraft war mit der Sterblichkeit bei älteren männlichen erwachsenen Japanern korreliert.

Schlussfolgerungen: Eine stark eingeschränkte Kaukraft ist bei älteren Männern mit einer reduzierten Lebenserwartung verbunden. Die Bestimmung der maximalen Kaukraft bei älteren Erwachsenen kann vor allem bei Männern als zusätzliches diagnostisches Hilfsmittel in der Alterszahnmedizin genutzt werden.

Iwasaki M, Yoshihara A, Sato N et al. Maximum bite force at age 70 years predicts all-cause mortality during the following 13 years in Japanese men. J Oral Rehabil 2016 Apr 15 [Epub ahead of print].

 

Zahnwurzeln als Augmentationsmaterial

Lokal kompromittierte Alveolarkämme stellen bei der Versorgung mit Implantaten eine Herausforderung dar. Der Einsatz von autologem Knochen als Aufbaumaterial gilt vor allem wegen seiner osteogenen und osteokonduktiven Eigenschaften bei den meisten Behandlungsmethoden immer noch als Goldstandard.

Mögliche Nachteile ergeben sich aus der eingeschränkten intraoralen Verfügbarkeit, einer erhöhten Morbidität und den postoperativen Beschwerden. In den letzten Jahren wurden Xenografts in Partikel- oder Blockform als Ersatz für autologen Knochen propagiert. Trotz der Zugabe von Wachstumsfaktoren weisen diese Materialien nur geringe osteokonduktive Eigenschaften auf und führen oft zu unvorhersehbaren, unbefriedigenden Resultaten. Frühere experimentelle Studien haben gezeigt, dass es im Bereich von absichtlich belassenen Wurzelresten zu einer erfolgreichen Integration von Implantaten kommt, was sich in neu gebildetem Zement und parodontalem Ligament im Kontaktbereich manifestiert.

Die vorliegende Tierstudie sollte die Wirksamkeit von Zahnwurzeln zur lateralen Augmentation des Alveolarkamms bei einer zweizeitigen Implantatversorgung überprüfen. Extrahierte Prämolaren im Oberkiefer wurden zufällig entweder endodontisch vorbehandelt oder unbehandelt verwendet. Blöcke aus retromolarem kortikalem Knochen dienten als Kontrolle. Die Wurzeln und die Knochenblöcke kamen für den Kammaufbau an Defekten im Unterkiefer von Hunden (n = 8) zum Einsatz. Nach 12 Wochen wurden Titanimplantate inseriert und für 3 Wochen belassen. Anschliessend erfolgten histologische Untersuchungen der Breite des krestalen Knochenkamms, des augmentierten Bereiches sowie des Kontaktes zwischen Knochen und Implantat. Beide Ersatzmaterialien (Wurzeln und Knochen) waren in die Remodellation des Knochens involviert, und es kam auch zu einer Ersatzresorption.

Schlussfolgerungen: Extrahierte Zahnwurzeln zeigten ein strukturelles und biologisches Potenzial, um alternativ zu autologem Knochen als Aufbaumaterial eingesetzt zu werden. Bei wurzelkanalbehandelten Zähnen dürfte das Risiko einer Exposition erhöht sein. Während hoffnungslose Zähne bisher extrahiert und entsorgt wurden, könnten sie in Zukunft als perfekt adaptiertes Knochenersatzmaterial eingesetzt werden.

Schwarz F, Golubovic V, Becker K, Mihatovic I. Extracted tooth roots used for lateral alveolar ridge augmentation: a proof-of-concept study. J Clin Periodontol 2016;43: 345-353.