Kostenvergleich Versiegelung versus Fluoridlack

Karies ist die häufigste chronische Erkrankung bei Kindern. Eine der grössten Herausforderungen bei der Kariesprävention bildet der Zugang zu einem Gesundheitssystem, das einen definierten Ansatz zur Prävention und ein Angebot zur Behandlung vorhandener Läsionen bietet. Karies lässt sich z. B. mit der Fluoridierung des Trinkwassers vorbeugen. Nach dem Durchbruch der Zähne sind das Versiegeln der Fissuren und der Einsatz von Fluoridlacken mögliche zusätzliche vorbeugende Massnahmen. Bei der Reduktion neuer okklusaler kariöser Läsionen zeigen Versiegelungen eine grössere Wirksamkeit als Fluoridlacke. Die Behandlung bedarf nur weniger Sitzungen, ist aber pro Anwendung teurer. In der vor- liegenden Studie sollte untersucht werden, welche Methode kosteneffizienter ist. Dazu wurden die Kosten von Versiegelungen und Fluoridlacken über einen Zeit- raum von 4 Jahren in einer Schulzahnklinik mit vorhandenen Schätzungen der relativen Vorteile in Bezug auf die Kariesreduktion verglichen, um daraus eine

Kosten-Nutzen-Rechnung für die beiden Präventionsmassnahmen aufzustellen. Die Anwendung von Fluoridlacken war im untersuchten Szenario bei der Prävention von Karies kosteneffizienter. Wenn neben okklusalen auch andere Zahnflächen mitberücksichtigt werden, erhöht sich die Kosteneffizienz von Lacken weiter. Versiegelungen können kosteneffizienter ausfallen, wenn sie nicht von Zahnärzten, sondern von Dentalhygienikerinnen durchgeführt werden. Lacke sind vor allem im Rahmen des nicht professionellen Einsatzes kostengünstiger.

Schlussfolgerungen: Auch wenn die Versiegelung von Fissuren eine bessere Kariesprävention bietet, verursacht die notwendige professionelle Anwendung viel höhere Kosten als der Einsatz von Fluoridlacken. Mit der Anwendung von Lacken lässt sich in Schulzahnkliniken bei einem fixen Budget eine grössere präventive Wirkung erzielen. Je nach Situation sollte der einen oder anderen Methode der Vorzug gegeben werden.

Neidell M, Shearer B, Lamster IB. Cost-effectiveness analysis of dental sealants versus uoride varnish in a school-based setting. Caries Res 2016;50(Suppl 1):78-82.

Fotografie und Modelle zur Beurteilung der Zahnabnutzung

Die Abnutzung der Zähne ist ein multifaktorieller Prozess, der zum Verlust von Zahnhartsubstanz führt. Es gibt heute eine grosse Anzahl an Methoden und Skalen, mit denen der Grad der Abnutzung am Patienten, am Modell oder auf Fotos bewertet werden kann. Zu den am häufigsten eingesetzten Skalen gehören der Eccles- Index, der „Tooth Wear Index“ (TWI), der Lussi-Index und die „Basic Erosive Wear Examination“ (BEWE). Alle vier Methoden sehen den Einsatz am Patienten vor.

Für die Verwendung bei Modellen eignen sich der TWI und die BEWE, während bei Fotos alle Bewertungssysteme mit Ausnahme des Lussi-Index in Frage kommen. Es konnte gezeigt werden, dass die BEWE nicht nur zuverlässig am Patienten und auf Fotos eingesetzt werden kann, sondern dass damit auch in beiden Anwendungen vergleichbare Bewertungen resultieren. Kürzlich wurde das „Tooth Wear Evaluation System“ (TWES) eingeführt. Hierbei handelt es sich um einen modularen klinischen Leitfaden zur Bestimmung der Abnutzung der Zähne, welcher erstmals einen umfassenden Ansatz zur Diagnostik und Behandlung liefert.

In der vorliegenden Studie sollte untersucht werden, ob sich die Ergebnisse des TWES beim Einsatz auf Modellen und Fotografien miteinander vergleichen lassen. Zusätzlich sollte geprüft werden, ob sich die Abnutzung der Zähne zuverlässig auf Fotografien beurteilen lässt. Bei 75 Patienten mit abgenutzten Zähnen wurden Modelle und Fotografien angefertigt und bewertet. Der Vergleich der Bewertungen auf Modellen und Fotografien ergab ähnliche Durchschnittswerte für okklusale/inzisale und nonokklusale/noninzisale Bewertungen. Die Bewertungen auf Modellen und Fotogra en zeigten eine hohe Übereinstimmung für okklusale/inzisale und eine geringere für nonokklusale/ noninzisale Bewertungen. Bei der Bewertung auf Foto- gra en war die durchschnittliche Urteilerübereinstimmung mässig bis gut (Intraklassen-Korrelationskoeffizient [IKK] = 0,41 bis 0,55), während sie für die okklusale/ inzisale Bewertung gut bis sehr gut war (IKK = 0,68 bis ICC = 0,86). Für die nonokklusale/noninzisale Bewer-tung el die Urteilerübereinstimmung schlecht bis gut aus (IKK = 0,22 bis 0,59), wohingegen die Zuverlässigkeit der einzelnen Beurteiler gut bis hervorragend war (IKK = 0,64 bis 0,82).

Schlussfolgerungen: Die Bewertung der Abnutzung der Zähne mit demTWES liefert auf Modellen und Fotografien vergleichbare Ergebnisse. Die okklusale/inzisale Bewertung ist auf Fotografien besonders zuverlässig.

Wetselaar P, Wetselaar-Glas MJ, Koutris M, Visscher CM, Lobbezoo F. Assessment of the amount of tooth wear on dental casts and intra-oral photographs. J Oral Rehabil 2016 May 1 [Epub ahead of print].