Impfung kann Knochenverlust reduzieren

Parodontitis ist eine bakteriell bedingte, chronisch entzündliche Erkrankung, die eine weitgehend irreversible Zerstörung des Zahnhalteapparates nach sich zieht. Es gilt als erwiesen, dass Porphyromonas gingivalis, ein gramnegatives anaerobes Bakterium, bei parodontalen Erkrankungen erwachsener Patienten beteiligt ist. Die subgingivale Infektion stimuliert verschiedene immanente und adaptive Immunreaktionen, welche auch zur Ausschüttung von proinflammatorischen Zytokinen wie Interleukin (IL)-1?, IL-6, IL-11, IL-17, Interferon-c und Tumornekrosefaktor (TNF)-? führen. Demgegenüber ist die hauptsächliche entzündungshemmende Reaktion, der man bisher eine Schutzfunktion gegen die Zerstörung parodontaler Gewebe durch bakterielle Infekte nachsagte, durch die Ausschüttung von IL-4, IL-10, IL-12, IL-13 und IL-18 gekennzeichnet.

In der vorliegenden Studie wurde bei Mäusen nach einer Infektion mit Porphyromonas gingivalis die Wirksamkeit einer Impfung mit rekombinantem und nativem RgpA auf die lokale Entzündungshemmung, die Immunantwort und den Verlust von parodontalem Knochen überprüft. Mit Hilfe eines subkutanen Kammermodells wurden Exsudate nach einer Behandlung mit nativem RgpA und einem Adjuvans oder einem Adjuvans mit Kochsalzlösung (Kontrolle) auf Zytokine untersucht. Bei den Mäusen erfolgte außerdem im Anschluss an eine orale Infektion mit Porphyromonas gingivalis eine Behandlung mit rekombinantem RgpA. Nach 6 Wochen wurde das Blut auf Antikörper gegen Porphyromonas gingivalis sowie IgG1- bzw. IgG2a- Titer untersucht und ein eventueller Knochenverlust bestimmt.

Die Immunisierung mit nativem RgpA verschob die Immunantwort hin zu einer entzündungshemmenden Antwort, was sich in einer Verringerung der Produktion des proinflammatorischen Zytokins IL-1? und ei- nem Anstieg des entzündungshemmenden Zytokins IL-4 im Kammerexsudat äußerte. Systemisch konnte die Immunisierung mit rekombinantem RgpA-Peptid ähnlich wie bei der Immunisierung mit abgetöteten Bakterien den parodontalen Knochenverlust um 50 % reduzieren. Weiter verschob das rekombinante RgpA die hormonelle Antwort hin zu höheren IgG1- und niedrigeren IgG2a-Titern, was einer entzündungs- hemmenden Reaktion entspricht.

Schlussfolgerungen: Die vorliegende Tierstudie zeigt das Potenzial von RgpA, die frühe lokale Immunantwort hin zu einer entzündungshemmenden Reaktion zu verschieben. Die Impfung mit rekombinantem RgpA schützte gegen einen durch Porphyromonas gingivalis verursachten parodontalen Knochenverlust. Weiter Studien sind notwendig, bevor ähnliche Methoden beim Menschen zum Einsatz kommen können.

Wilensky A, Potempa J, Houri-Haddad Y, Shapira L. Vaccination with recombinant RgpA peptide protects against Porphyromonas gingivalis-induced bone loss. J Periodontal Res 2016 Jun 10 [Epub ahead of print].

Stillen von Kleinkindern erhöht Kariesrisiko nicht

Die Rolle der Muttermilch bei der Entstehung von Karies wird immer noch kontrovers diskutiert. Einige Studien widerlegten den Zusammenhang zwischen verlängertem Stillen und einer frühen Karies, wohingegen epidemiologische Untersuchungen bei Kindern, die länger als 1 Jahr gestillt worden waren, einen entsprechenden Zusammenhang aufzeigen konnten. Das Herstellen einer Verbindung zwischen verlängerter Exposition mit Muttermilch und früher Karies ist eher unberechtigt. Dennoch führt eine verlängerte Stillzeit zu veränderten Essgewohnheiten, die bei Kleinkindern eine Erhöhung des Kariesrisikos zur Folge haben können. Dazu gehört eine größere Zufuhr raffinierter Zucker in der Ernährung, welche die Bildung und den Fortschritt kariöser Läsionen klar begünstigt. In diesem Zusammenhang durchgeführte Untersuchungen zeigten, dass Muttermilch per se keinen kariogenen Effekt hat.

In der vorliegenden Studie sollte die Azidogenität von menschlicher Milch und deren Einfluss auf den Biofilm bei Kindern mit und ohne eine frühe Karies (Early Childhood Caries, ECC) untersucht werden. Biofilme von 16 Kindern (7 mit ECC, 9 kariesfrei) wurden in menschliche Milch oder eine 10%ige Zuckerlösung eingelegt. Anschließend wurde der pH-Wert des entsprechenden Biofilms bestimmt.

Stillen führte unabhängig vom kariösen Status der Kinder nicht zu einer Senkung des pH im Biofilm. Zucker hatte in beiden Gruppen eine Senkung des pH-Wertes zur Folge. Zusätzlich konnte eine größere Veränderung des pH-Wertes bei Kindern mit einer frühen Karies beobachtet werden.

Schlussfolgerungen: Das Stillen von Kleinkindern ist nicht mit einem erhöhten Risiko einer frühen Karies verbunden. Ernährungsgewohnheiten und hier vor allem der Zuckerkonsum spielen eine entscheidendere Rolle.

Neves PA, Ribeiro CC, Tenuta LM et al. Breastfeeding, dental biofilm acidogenicity, and early childhood caries. Caries Res 2016;50:319-324.