Elektromagnetische Wellen fördern Einheilung von Implantaten

Implantate aus Titan sind in der Zahnmedizin weitverbreitet, da sie sich zuverlässig in den umliegenden Knochen integrieren. Trotz aller neuen Entwicklungen und Verbesserungen kommerziell verfügbarer Implantate beträgt die empfohlene Einheilungszeit vor einer Belastung 2 bis 6 Monate. Nach den neusten Studien führt eine Verkürzung der Einheilungsphase vor allem bei nicht vorblockten Implantatversorgungen zu einer 2- bis 3 fach höheren Misserfolgsrate. Für eine Sofortbelastung sind eine primäre klinische Stabilität und eine Verblockung mitentscheidend. Quantität und Qualität der Knochenstrukturen um das Implantat beeinflussen die Primärstabilität eines Implantates und damit auch die Prognose der Sofort- bzw. Spätbelastung.

Nach ersten Versuchen von Yasuda (1955) zum Einfluss elektrischer Stimulation auf den Knochenmetabolismus haben verschiedene Forscher das elektrisch induzierte Knochenwachstum in vivo und in vitro untersucht. In der vorliegenden Tierstudie wurde eine neue Heilungskappe getestet, die ein gepulstes elektromagnetisches Feld (PEMF) um ein Titanimplantat erzeugt, um so das periimplantäre Knochenwachstum zu stimulieren. 22 Implantate wurden in die Tibia von 22 Kaninchen inseriert. Bei der Hälfte der Implantate kam eine aktive Heilungskappe (11Testimplantate) und bei den übrigen (11 Kontrollimplantate) eine „leere“ Heilungskappe zum Einsatz. Die Tiere wurden nach 2 bzw. 4 Wochen getötet und die Proben mittels Mikrocomputertomographie sowie histologisch ausgewertet. Das periimplantäre Volumen wurde in einen koronalen (wo das PEMF am stärksten war) und einen apikalen Bereich unterteilt.

Die Wirkung der untersuchten aktiven Heilungskappe beschränkte sich auf den koronalen Anteil. 2 Wochen nach dem Setzen der Implantate zeigte die Testgruppe mit 56 % signifikant höhere Anteile an trabekulärem Knochen, eine größere Anzahl an Trabe- keln (+37 %) und eine höhere Knochendichte (+73 %) als die Kontrollgruppe. Nach 4 Wochen hatte die PEMF-Gruppe 69 % mehr trabekulären Knochen und 34 % mehr Trabekel. Es wurde zu keinem Zeitpunkt ein Unterschied in der Dicke der Trabekel festgestellt. Zusätzlich zeigte sich in der Testgruppe nach 2 Wochen ein um 48 % größerer Kontakt zwischen Knochen und Implantat als in der Kontrollgruppe. Reifer trabekulärer und Geflechtknochen konnten in direktem Kontakt zur Implantatoberfläche beobachtet werden.

Schlussfolgerungen: Die Ergebnisse der Studie deuten darauf hin, dass eine Heilungskappe mit einem EMF die frühe Bildung von Knochen um Implantate fördert und bereits nach 2 Wochen zu einem besseren Kontakt zwischen Knochen und Implantat sowie einem stärkeren Knochenwachstum führt. Dies lässt auf eine mehr als 3-fache Beschleunigung der Osseointegration schließen.

Barak S, Neuman M, Iezzi G, Piattelli A, Perrotti V, Gabet Y. A new device for improving dental implants anchorage: a histological and micro-computed tomo- graphy study in the rabbit. Clin Oral Implants Res 2016;27:935-942.

Hyaluroninjektionen zum Aufbau der Papillen

Ästhetischen Aspekten kommt in der Zahnmedizin aufgrund der Entwicklung verbesserter chirurgischer und prothetischer Techniken sowie gesteigerter Patientenansprüche eine immer größere Bedeutung zu. Offene Zahnzwischenräume, auch „schwarze Dreiecke“ genannt, sind oft die Folge eines chirurgischen Traumas und um implantatgetragene Kronen in ungefähr 2/3 der Fälle vorhanden. Sie werden von den Patienten vor allem im Bereich der oberen Frontzähne als unschön empfunden, können aber auch funktionelle („food impaction“) und phonetische Probleme verursachen. Obwohl der Einsatz mikrochirurgischer Techniken zu einer Verbesserung der ästhetischen Resultate geführt hat, ist der Aufbau einer fehlenden Papille zur Deckung offener Zahnzwischenräume wegen der anatomischen Gegebenheiten eine der schwierigsten und am wenigsten vorhersehbaren chirurgischen Maßnah- men. Deshalb wurden weitere Behandlungsoptionen zur Verbesserung der Ästhetik wie z. B. kieferorthopädische oder rekonstruktive Eingriffe empfohlen, die jedoch zeit- und kostenaufwendig sind. Einige Autoren haben Hyaluroninjektionen zum Aufbau interdentaler Papillen bei Implantatkronen vorgeschlagen.

In einer randomisierten, kontrollierten klinischen Studie sollte die Wirkung von Hyaluroninjektionen zum Aufbau interdentaler Papillen um Implantatkronen in der Oberkieferfront untersucht werden. Bei 22 Patienten mit einer ungenügenden Papille neben einer implantatgetragenen Krone wurde zufällig zweimal entweder Hyaluron (Testgruppe) oder Kochsalzlösung (Kontrollgruppe) injiziert. Folgende Parameter wurden vor der Injektion und nach 3 bzw. 6 Monaten erhoben: der Abstand zwischen Papillenspitze und Kontaktpunkt (PS-KP), der modifizierte Papillenindex (MPI) und die üblichen parodontalen Messwerte. Die Schmerzempfindung nach der Injektion wurde auf einer visuellen Analogskala (VAS) registriert. Der Defektbereich wurde anhand klinischer Fotos bewertet und das ästhetische Ergebnis auf einer VAS registriert. Nach 3 Monaten erfolgte eine Auswertung der Unterschiede im Gewebevolumen mit Hilfe von intraoralen Scans. Das Niveau des Knochens wurde anhand von periapikalen Röntgenaufnahmen bewertet.

Zwischen den Gruppen zeigte sich zu keinem Zeitpunkt der Studie ein Unterschied. Die durchschnittli- chen Werte für PS-KP reichten von 1,8 bis 2,3 mm ohne signifikante Unterschiede zwischen den Gruppen über den Beobachtungszeitraum. Der MPI lag für alle Patienten über den gesamten Zeitraum bei 2. Auch für die übrigen Parameter wie die Veränderungen des Gingivavolumens, das Knochenniveau und das ästhetische Erscheinungsbild wurden keine signifikanten Differenzen gefunden. Das Schmerzempfinden war in beiden Gruppen während der Injektion gleich. Nach der Injektion hielten die Schmerzen bei der Testgruppe länger an.

Schlussfolgerungen: Die Injektion von Hyaluron in das Gewebe um implantatgetragene Kronen in der Oberkieferfront führte zu keiner klinisch beobachtbaren Verbesserung des Volumens der defekten Papillen. Ein klinischer Einsatz kann daher nicht empfohlen werden.

Bertl K, Gotfredsen K, Jensen SS, Bruckmann C, Stav- ropoulos A. Can hyaluronan injections augment de – cient papillae at implant-supported crowns in the an- terior maxillä A randomized controlled clinical trial with 6 months follow-up. Clin Oral Implants Res 2016 Jul 5 [Epub ahead of print].