Prothetische Versorgung verhindert Bruxismus nicht

Die Frage nach der Rolle der Okklusion als Risikofaktor bei der Entstehung von kraniomandibulären Dysfunk­tionen (CMD) wird kontrovers diskutiert. Auch bezüglich eines möglichen Zusammenhangs zwischen Okklusion mit Bruxismus besteht keine einheitliche Meinung. Studien zeigen, dass die Ursache sowohl von CMD als auch von Bruxismus nicht mit der okklusalen Morpho­logie verknüpft ist, wie man früher meinte. Zahnärzte müssen daher klassische okklusionsorientierte Theo­rien aufgeben. Irreversible okklusale Veränderungen prothetischer oder kieferorthopädischer Art können weder für die Behandlung noch für die Prävention empfohlen werden.

In einer systematischen Übersichtsarbeit sollte der Zusammenhang zwischen prothetischer Versorgung sowie CMD und Bruxismus untersucht werden. Drei Fragestellungen wurden für verschiedene klinische Szenarien erarbeitet: 1. Soll eine prothetische Versor­gung zur Behandlung und Prävention von CMD und Bruxismus eingesetzt werden? 2. Ist es möglich, dass eine prothetische Behandlung CMD oder Bruxismus verursacht? 3. Wie kann eine Versorgung mit Zahn­ersatz (aus prothetischen Gründen) bei Patienten mit CMD oder Bruxismus durchgeführt werden? In der medizinischen Datenbank PubMed wurde eine syste­matische Suche nach folgenden Arbeiten durchgeführt: randomisierte klinische Studien mit einem Vergleich zwischen der Effektivität prothetischer Therapien und derjenigen anderer Ansätze zur Behandlung von CMD und Bruxismus (Frage 1); klinische Studien mit Berich­ten über das Auftreten von CMD und Bruxismus nach der prophetischen Versorgung gesunder Individuen (Frage 2); randomisierte klinische Studien zur Effektivi­tät verschiedener prothetischer Vorgehensweisen bei Patienten mit CMD und/oder Bruxismus (Frage 3).

Es konnten keine kontrollierten Studien zu den o. g. Fragestellungen gefunden werden. Bruxismus ist nicht linear mit CMD verknüpft, und beide Zustände sind multifaktoriell. Aufgrund der fehlenden Kausalität der Okklusion kann eine prothetische Versorgung zur Behandlung der beiden Zustände nicht empfohlen werden. Es scheint eher so, dass diese das stomato­gnathe System negativ beeinflussen. Es gibt auch keine Evidenz hinsichtlich der besten Strategie zur prothetischen Versorgung von Patienten mit CMD und/oder Bruxismus.

Schlussfolgerungen: Diese systematische Litera­turübersicht zeigt, dass kein eindeutiger Zusammen­ hang zwischen CMD, Bruxismus und prothetischer Versorgung zu finden ist. Auf der Grundlage der aktu­ell verfügbaren Evidenz sind prothetische Veränderun­gen der Okklusion zur Behandlung und Prävention von CMD und Bruxismus keine akzeptablen Strategien und sollten vermieden werden. Zahnärzte sollten sich im Fall von irreversiblen Veränderungen der Okklusion bei gesunden Patienten und solchen mit CMD und/ oder Bruxismus möglicher Konsequenzen bewusst sein.

Manfredini D, Poggio CE. Prosthodontic planning in patients with temporomandibular disorders and/or bruxism: A systematic review. J Prosthet Dent J 2016 Nov 8 [Epub ahead of print].

Vorsicht bei der mehrfachen Anwendung von Heilungskappen

Heilungskappen auf Implantaten erfüllen verschiedene Aufgaben. Biokompatible Materialien wie Titan oder Titanlegierungen können bei der Einheilung und Rei­fung die oberflächlichen Weichgewebe unterstützen. Die inneren Anteile des Implantats (Schraubenkanal) werden während dieser Phase vor äußeren Einflüssen geschützt.

Studien haben gezeigt, dass Heilungskappen aus Titan desinfiziert und sterilisiert werden können und dass dieser Prozess in gewissen Situationen zu einer besseren Anlagerung der Gewebe auf der sauberen Titanoberfläche führen kann. Neuere Untersuchungen deuten darauf hin, dass die Heilungskappen nach der Aufbereitung doch nicht ganz so sauber bzw. steril sind und eine sichere Wiederverwendung in Frage ge­stellt sein kann. Die Wiederverwendung von Heilungs­kappen für Implantate ist nicht zuletzt aus wirtschaftli­chen Überlegungen in den meisten Praxen üblich.

In der vorliegenden Studie wurden 100 Heilungs­kappen von acht verschiedenen Behandlern nach dem Einsatz am Patienten gesammelt. Zunächst erfolgte eine Reinigung und Sterilisation der Kappen. Anschlie­ßend wurden die Proben mit einer proteinspezifischen Farbe (Phloxin B) eingefärbt und fotografisch unter­ sucht. 99 % der Heilungskappen zeigten nach der Reini­gung und Sterilisation an einer oder mehreren Stellen Verunreinigungen mit Proteinen.

Schlussfolgerungen: Die Daten dieser klinischen Untersuchung deuten darauf hin, dass bei der Wie­derverwendung von Heilungskappen eine gewisse Vorsicht geboten ist.

Wadhwani C, Schonnenbaum TR, Audia F, Chung KH. In-vitro study of the contamination remaining on used healing abutments after cleaning and sterilizing in dental practice. Clin Implant Dent Relat Res 2016;18: 1069-1074.