Wissen von Zahnärzten über Aushärtungslampen

Die Mehrzahl der auf dem Markt verfügbaren Füllungsmaterialien enthält Photoinitiatoren, die Licht im Bereich von ca. 350 bis 500 nm zur Aktivierung benötigen. Lampen mit LED­Lichtquellen werden dazu am häufigsten eingesetzt. Diese LED­Lampen strahlen im Blau­ bzw. Blau­grün­Bereich (430 bis 490 nm), teilweise auch zusätzlich im Bereich von 400nm am Übergang zwischen UV­ und sichtbarem Licht. Sowohl UV­Licht als auch sichtbare Strahlung kann biologische Schäden verursachen. Die Leistung wird in Watt (W) pro Quadratmeter (m2), meistens aber in Milliwatt pro Quadratzentimeter (mW/cm2) ausgedrückt. Die Menge des Lichts, auch Lichtdosis genannt, ist das Produkt von Lichtleistung sowie Zeit und wird in (Milli­)Joule pro Quadratzentimeter ([m]J/cm2) ausgedrückt. Eine typische Lichtdosis zur Aushärtung einer Schicht Komposit beträgt 8 bis 50 J/cm2. Diese Dosis hängt vom verwendeten Material ab. Die von den Herstellern und Universitäten empfohlenen Leistungen reichen von 300 mW/cm2 bis zu über 2.000 mW/cm2 mit entsprechenden Aushärtungszeiten von 100 bis < 5 Sekunden. Das blaue Licht der Aushärtungslampen kann zu Schädigungen der Augen führen. Das Risiko hängt von der Leistung, der Strahlungscharakteristik und dem eingesetzten Augenschutz ab. Grenzwerte werden von der Commission on Non­Ionizing Radiation Protection (ICNIRP) veröffentlicht. Bei den heute benutzten Lampen kann die maximal zulässige Strahlung nach 5 Minuten an einem Arbeitstag erreicht werden. In einer modernen Praxis ist das Wissen über Sicherheitsmaßnahmen wichtig. Trotzdem gab in einer Umfrage unter norwegischen Zahnärzten im Jahr 2009 ein Drittel an, beim Arbeiten mit einer Aushärtungslampe keinen Augenschutz zu verwenden.

Die vorliegende Studie sollte den Kenntnisstand von Zahnärzten zu den Sicherheitsmaßnahmen, zum praktischen Einsatz und zu den technischen Daten der von ihnen verwendeten Aushärtungslampen überprüfen. 2015 wurde dazu elektronisch ein Fragebogen an alle 1.313 im norwegischen öffentlichen Gesundheitsdienst tätigen Zahnärzte versendet. Die Rücklaufquote betrug 55,8 %. Im Durchschnitt verbrachten die Zahnärzte 57,5 % ihrer täglichen Arbeitszeit mit dem Legen von 1 bis 30 Füllungen. Die durchschnittliche Aushärtungszeit einer Schicht Komposit lag bei 27 Sekunden. Die längste durchschnittliche Aushärtungszeit war 100­mal höher als die kürzeste. Die kürzeste Belichtungszeit lag immer noch über dem für die Augen festgelegten Höchstwert. Ungefähr ein Drittel der Zahnärzte verwendete einen nicht ausreichenden Augenschutz gegen das blaue Licht, wobei der Anteil junger Zahnärzte hier signifikant höher war (p < 0,01). Die Mehrzahl der Befragten (78,3 %) kannte die Leistung ihrer Lampen nicht, was zu Unsicherheiten bezüglich der notwendigen Aushärtungszeit führte. In dieser Gruppe vernachlässigten auch mehr Zahnärzte die regelmäßige Wartung der Lampen.

Schlussfolgerungen: Die Studie zeigt große Unterschiede im Kenntnisstand der befragten Zahnärzte zum Umgang, zu den Sicherheitsmaßnahmen und zur Lichtleistung der von ihnen verwendeten Aushärtungslampen. Die immer größer werdende Abhängigkeit von modernen Technologien macht es erforderlich, dass der Behandler gute Kenntnisse über die grundlegenden technischen Spezifikationen und den sicheren Einsatz von Geräten und Instrumenten besitzt, die bei zahnmedizinischen Behandlungen routinemäßig eingesetzt werden.

Kopperud SE, Rukke HV, Kopperud HM, Bruzell EM. Light curing procedures – Performance, knowledge level and safety awareness among dentists. J Dent 2017 Feb 5. pii: S0300-5712(17)30030-1 [Epub ahead of print].

Biokompatibilität von polymerinfiltrierten Keramiken

Die Biokompatibilität prothetischer Materialien ist vor allem bei der Versorgung auf Implantaten mit einem engen Kontakt zu den Geweben ein entscheidender Faktor. Insbesondere im Bereich der CAD/CAM­ Materialien werden neben Metallen (speziell Titan) und Keramiken wie yttriumstabilisiertem Zirkonoxid (Y­TZP) oder lithiumdisilikatverstärkten Glaskeramiken (Li2Si2O5) auch Komposite zur Herstellung von Abut­ments und Kronen verwendet. Ein großer Vorteil der Komposite ist ihre einfachere und schnellere maschinelle Verarbeitung, da sie weniger spröde und weniger anfällig für das sogenannte Chipping sind. Außerdem lassen sie sich in feineren Schichten schleifen.

Polymerinfiltrierte Keramiken (PIK) bilden eine neue Klasse von CAD/CAM­Materialien. Ihre Biokompatibilität vor allem mit humanen gingivalen Keratinozyten (HGK) wurde noch wenig erforscht. Ziel der vorliegenden Studie war es, die In­vitro­Biokompatibilität von PIK mit HGK im Vergleich zu üblicherweise bei der Versorgung von Implantaten verwendeten Materialien zu untersuchen. Weiter sollte die Freisetzung von Monomeren aus PIK und deren indirekte Zytotoxizität ausgewertet werden. Die HGK­Anlagerung, die Proliferation und das Wachstum auf Proben aus PIK, Grad­V­Titan (Ti), yttriumstabilisiertem Zirkonoxid (Zi), Lithiumdisilikat­Glaskeramik (LG) und Polytetrafluorethylen (negative Kontrollgruppe) wurden untersucht. Für die PIK­ und LG­Proben wurde die Freisetzung von Monomeren chromatographisch bestimmt, und es wurden Tests zur indirekten Zytotoxizität durchgeführt.

Ti und Zi zeigten die besten Werte in Bezug auf HGK­Überleben, während LG diesbezüglich schlechter abschnitt. Bei PIK ergaben sich ähnliche Werte wie bei LG, welche aber insgesamt näher bei Ti und Zi lagen. Es konnte weder eine Freisetzung von Monomeren aus den PIK­ und LG­Proben noch eine indirekte Zyto­ toxizität gefunden werden.

Schlussfolgerungen: Die Resultate der Studie bestätigen die hervorragende Biokompatibilität von Ti und Zi mit HGK. PIK­Materialien zeigten trotz eines Polymeranteils Ergebnisse, die zwischen denen von Ti, Zi und LG liegen. Diese Resultate lassen sich durch die bei PIK zum Einsatz kommende Fertigungstechnik mit hoher Temperatur und hohem Druck sowie das Fehlen einer Monomerfreisetzung und einer indirekten Zytotoxizität erklären.

Grenade C, de Pauw-Gillet MC, Pirard C et al. Biocompatibility of polymer-infiltrated-ceramic-network (PICN) materials with Human Gingival Keratinocytes (HGKs). Dent Mater 2017 Jan 31. pii: S0109-5641(16) 30459-6 [Epub ahead of print].