Klinischer Erfolg von Kompositrestaurationen

Zahnfarbene Versorgungen aus Kompositmaterialien werden von den meisten Patienten aus ästhetischen Gründen bevorzugt. Das ist einer der Gründe für die steigende Beliebtheit dieser Versorgungsart. Kompositmaterialien wurden in den letzten 20 Jahren laufend weiterentwickelt, um ihre klinische Leistungsfähigkeit vor allem für den Einsatz im Seitenzahnbereich zu verbessern. Mehrflächige und komplexe Füllungen sind immer noch nicht ganz risikolos, und dies gilt auch für Füllungen bei Patienten mit hohem Kariesrisiko und mit erhöhtem okklusalem Stress. In einer systematischen Literaturübersicht sollte die klinische Leistungsfähigkeit von Kompositfüllungen im Seitenzahnbereich in den Zeiträumen 1995 bis 2005 und 2006 bis 2016 untersucht werden. Die Datenbanken PubMed und Medline Ovid wurden nach relevanten Artikeln durchsucht. Die eingeschlossenen Studien sollten eine Nachbeobachtungszeit von mindestens 24 Monaten umfassen. Von den 70 gefundenen Beiträgen deckten 30 (3.012 Versorgungen) den Zeitraum 1995 bis 2005 und 40 (4.327 Versorgungen) den Zeitraum 2006 bis 2016 ab.

In den aktuelleren Studien wurden mehr Daten erfasst, als dies in den älteren Studien der Fall war. Dazu gehörten die Berechnung der jährlichen Misserfolgsrate, genauere Einschlusskriterien zu den klinischen Fällen und weniger unbekannte Gründe für Misserfolge. Die Zahl der Studien stieg vom ersten zum zweiten Zeitraum um über 33 % an.
In den Studien von 1995 bis 2005 wurden 28 Produkte berücksichtigt, und im Zeitraum von 2006 bis 2016 lag die Zahl der untersuchten Produkte bei 38. Zu den beschriebenen Bezeichnungen der Materialien gehörten „mini-hybrid“, „micro-hybrid“, „nano-hybrid“, „nano-filled“, „micro-filled“, „mini-filled“, „midi-filled“,„ fiber-reinforced“, „low-shrinkage“, „giomer“, „bulk-fill“, „ flowable“, „packable“, „conventional“, „universal“ und „posterior“.

Die Nachuntersuchungsperioden lagen zwischen 2 und 22 Jahren, wobei über die Hälfte der Studien Zeiträume bis zu 3 Jahren umfassten. Misserfolge wurden bei 319 Versorgungen im Zeitraum 1995 bis 2005 und bei 568 Versorgungen im Zeitraum 2006 bis 2016 registriert. Die Ursachen der Misserfolge schlossen Frakturen der Versorgung, Zahnfrakturen, Sekundärkaries, postoperative Schmerzen, endodontische Behandlungen, klinisch inakzeptable Randschlüsse, Abnutzung, unbekannte Faktoren und Behandlungsfehler ein. Einige Misserfolge waren auch das Ergebnis von Kombinationen dieser Faktoren.

Im Zeitraum 2006 bis 2016 lag die Misserfolgsrate etwas höher als in der früheren Periode. Außerdem fielen die Hauptgründe für die Misserfolge in den beiden Beobachtungszeiträumen unterschiedlich aus. Von 1995 bis 2005 waren Sekundärkaries und Kompositfrakturen die Hauptgründe, während es von 2006 bis 2016 mehr Frakturen und weniger Sekundärkaries gab. Zahnfrakturen waren markant häufiger, postoperative Beschwerden und Abnutzung dagegen stark reduziert.

Das am wenigsten erfolgreiche Material stellten stopfbare Komposite dar. Die gesamte Misserfolgsrate hat sich aber nicht wesentlich verändert. In den aktuelleren Studien sind die klinischen Erhebungen detaillierter geworden, und es zeigten sich Unterschiede bei den Ursachen der Misserfolge. Feststellbar war ein Anstieg der Häufigkeit von Kompositfrakturen, Zahnfrakturen und endodontischen Behandlungen. Sekundärkaries, postoperative Beschwerden, ungenügende Randschlüsse und Abnutzung waren dagegen als Misserfolgsursachen rückläufig.

Schlussfolgerungen: Die Daten zeigen, dass die Bedeutung von Sekundärkaries, postoperativer Empfindlichkeit und Abnutzung bei Misserfolgen von Versorgungen aus Komposit abgenommen hat, wohingegen Zahnfrakturen, Frakturen der Restaurationen und endodontische Versorgung als Gründe zugenommen haben. Eine Erklärung hierfür ist, dass Kompositmaterialien immer häufiger auch für ausgedehnte Restaurationen im Seitenzahnbereich eingesetzt werden. Zusätzliche Studien über längere Beobachtungszeiträume unter Einschluss der Art und Komplexität der Restaurationen wären in diesem Zusammenhang sinnvoll.

Alvanforoush N, Palamara J, Wong RH, Burrow MF. Comparison between published clinical success of direct resin composite restorations in vital posterior teeth in 1995-2005 and 2006-2016 periods. Aust Dent J 2017;62: 132-145.