Front-Eckzahnführung nicht vorherrschendes Okklusionsmuster
Vor notwendigen prothetischen Versorgungen, insbesondere nach vorangegangener Funktionstherapie, aber auch vor kieferorthopädischen Maßnahmen stellt sich immer die Frage nach den Gestaltungsmöglichkeiten der dynamischen Okklusion. Nicht immer kann aller- dings eine reine Front-Eckzahnführung prothetisch realisiert werden, und in vielen Fällen ist zu vermuten, dass diese schon vorher nicht vorgelegen hat. Also könnte man dann auf eine Gruppenführung zurück- greifen? Und was geschieht mit den eventuell noch vorhandenen Balancekontakten im Molarenbereich: einschleifen, in die prothetische Versorgung einbeziehen oder einfach belassen?

Die okklusalen Führungsmuster wurden in den letzten 20 Jahren hinsichtlich ihrer Bedeutung für die Funktion des Kauorgans mit unterschiedlichsten Ansätzen erforscht und müssen sicherlich gegenüber älteren Dogmen neu bewertet werden. So zeigt die front-eckzahn-geführte Okklusion nicht die höchste Prävalenz unter laterotrusiven Zahnführungsmustern und kann somit auch nicht als vorherrschendes Okklusionsmuster angesehen werden. Jedoch scheint bei Vorhandensein dieses Okklusionsmusters gegenüber anderen wie der Gruppenführung die Ausprägung nicht kariöser Zahn- halsdefekte geringer zu sein. Das Fehlen einer front-eckzahngeführten Okklusion ist nicht mit dem Auftreten von kraniomandibulären Dysfunktionen (CMD) assoziiert. Somit stellt die okklusale Rehabilitation mit Erstellung dieses Führungsmusters weder eine Variante der CMD- Therapie dar, noch dient sie der CMD-Prävention.

Schlussfolgerungen: Bei notwendigen prothetischen Versorgungen sollten primär die vorhandenen individu- ellen okklusalen Führungsmuster der Patienten berücksichtig werden. Zum Schutz posteriorer Restaurationen sind front-eckzahngeführte Okklusionsmuster bei komplexen prothetischen Versorgungen dennoch empfehlenswert.

Bernhardt O, Meyer G, Schülein H. Front-Eckzahnführung – Prävalenz, klinische Parameter und Valenz für prothetische Restaurationen – Ein Update für den Praktiker. Zeitschrift für Kraniomandibuläre Funktion 2017;9:123-133.

Fluoreszenz hat keinen Einfluss auf die Zahnfarbe
Als Fluoreszenz wird die spontane Emission von Licht bezeichnet, welche beim Übergang eines elektronisch angeregten Systems zurück in einen Zustand niedrigerer Energie erfolgt. Dies geschieht, wenn Licht einer bestimmten Wellenlänge (Anregungswellenlänge) z. B. auf ein Molekül trifft. Dabei werden Photonen absorbiert und Elektronen des Moleküls in ein energetisch höheres Orbital gehoben, also angeregt. Fallen sie von dort auf ihr ursprüngliches Niveau zurück, wird die frei werdende Energie in Form von Wärme und Photonen (Fluoreszenzlicht) abgegeben.

Bei der Fluoreszenz der Zähne unterscheidet man drei Arten: blaue Fluoreszenz, die durch Licht im UV-Bereich angeregt wird, gelbe/orange Fluoreszenz, die durch blaue und grüne Wellenlängen angeregt wird, sowie eine Fluoreszenz im weiten Rot oder nahe bei Infrarot. Die gelbe/orange Fluoreszenz kommt bei der Kariesdiagnostik zum Einsatz. Fluoreszenz im UV- Bereich ist für die optische Erscheinung relevant, da sie in speziellen UV-beleuchteten Umgebungen (Nachtclubs, Bars, Diskotheken) sichtbar wird. Demzufolge sollte diesem Umstand bei der Entwicklung zahnärztlicher Materialien Rechnung getragen werden.

Es wird oft angenommen, dass die UV-Fluoreszenz des Tageslichtes einen sichtbaren Ein uss auf die Zahn- farbe hat. Studien, bei denen Normlicht A und D65 ge- mäß CIE (Commission Internationale de L’Éclairage) verwendet wurde, zeigten keine Evidenz für einen Ein uss der Tageslicht uroreszenz, erfolgten aber nur unter Kunstlicht.

Materialien zur Versorgung und Rekonstruktion von Zähnen sollten unter allen Lichtbedingungen ein- schließlich UV und Tageslicht wie natürliche Zähne erscheinen. Verschiedenen Untersuchungen zufolge wirken Zähne unter UV-Licht weißer und heller. In der vorliegenden Studie sollte der Einfluss der Fluoreszenz der Zähne im natürlichen Sonnenlicht auf die wahrgenommene Zahnfarbe bestimmt werden.

Es wurden 35 extrahierte und feucht gelagerte Zähne ohne Füllungen oder Karies untersucht. Für die Messung kam ein UV/VIS-Spektrometer zum Einsatz. Ungefiltertes und gefiltertes Sonnenlicht wurden zur Beleuchtung der Proben sowohl mit einer Kombination aus UV- und sichtbarem Licht (UV/VIS) als auch ausschließlich mit sichtbarem Licht (VIS) verwendet. Die Farbkoordinaten wurden im System CIE L*a*b* 1976 ausgegeben, gemittelt und miteinander verglichen.

Der durchschnittliche Farbunterschied zwischen den beiden Gruppen (UV/VIS und UV) lag bei ∆E* 0,527, was unter dem für das menschliche Auge wahrnehmbaren Differenz von E* 1 liegt. Die durchschnittliche Zahnfarbe betrug in der VIS-Gruppe L*VIS 72,21, a*VIS -2,42 und b*VIS 22,35. In der UV/VIS-Gruppe lagen die Werten bei L*UV/VIS 72,00, a*UV/VIS -2,47 und b*UV/VIS 22,44.

Schlussfolgerungen: In der vorliegenden Studie konnte kein Einfluss der UV-Fluoreszenz natürlicher Zähne auf die wahrgenommene Farbe festgestellt werden. Bei der Entwicklung dentaler Materialien empfiehlt es sich, vor allem auf die altersbedingten Veränderungen der optischen Eigenschaften der Zähne (Brechungsindex, Transluzenz) Rücksicht zu nehmen, um eine natürliche optische Integration anzustreben, und die Fluoreszenz unter natürlichen Bedingungen nicht überzubewerten.

Hein S, ten Bosch JJ. The effect of ultraviolet induced fluorescence on visually perceived tooth color under normal light conditions. Dent Mater 2018 Mar 7 [Epub ahead of print].