Zähneputzen allein genügt nicht zur Vermeidung von Karies im Alter

Karies ist nach wie vor die am häufigsten auftretende Erkrankung weltweit. Auch für die immer größer werdende Gruppe der alten Patienten stellt sie ein Problem dar. Im Hinblick auf die Ätiologie der Karies stehen zwei Hypothesen im Vordergrund. Die „Mund­hygienehypothese“ wird oft mit dem Motto „Ein sau­berer Zahn kann nicht erkranken“ umschrieben. Dem­ nach sollen Biofilme, die sich auf den Zahnoberflächen bilden, durch säurehaltige Abbauprodukte zur Ent­mineralisierung der Zahnhartsubstanz führen. Die „Defekthypothese“ hingegen besagt, dass Karies nur in mikroskopischen Rissen oder Rillen und nicht auf defektfreiem oder gesundem Schmelz entstehen kann. Der in den Rissen bzw. Rillen angesammelte Biofilm kann auch kariogen wirken, lässt sich aber kaum mit Zahnbürsten oder Interdentalbürsten entfernen. Unter solchen Umständen ist gemäß dieser Hypothese Mund­ hygiene nicht wirksam. Die Kariesprävention müsste durch die Vermeidung dentaler Defekte während der Zahnbildung, durch eine Reparatur von der pulpalen Seite her oder durch eine Versiegelung der oberfläch­lichen Schmelzdefekte erfolgen. Das Motto der „Defekt­ hypothese“ lautet demnach: „Intakte Zähne können nicht erkranken“.

Ein wichtiger Schritt zur Lösung des Konflikts zwi­ schen diesen beiden Hypothesen ist die Ermittlung des Einflusses der Mundhygiene ohne den Einsatz von Fluoriden, welche mit großer Evidenz eine antikariöse Wirkung haben. In einer systematischen Übersichts­ arbeit sollte der Einfluss der Mundhygiene auf die Entstehung koronaler Karies untersucht werden. Ge­ sucht wurde nach randomisierten klinischen Studien zu diesem Thema. Es konnten drei Studien mit 743 Patienten eingeschlossen werden. Die Analyse der Resultate ergab, dass eine individuelle Mundhygiene die Inzidenz dentaler Karies trotz sorgfältiger Plaque­ entfernung nicht zu beeinflussen scheint.

Schlussfolgerung: Eine individuelle Mundhygiene ohne den Einsatz von Fluoriden zeigt keine Wirkung bei der Reduktion der Inzidenz dentaler Karies.

Hujoel PP, Hujoel MLA, Kotsakis GA. Personal oral hygiene and dental caries: A systematic review of randomised controlled trials. Gerodontology 2018 May 15 [Epub ahead of print].

Kosteneffiziente Versorgung kariöser Milchmolaren

Für die Behandlung kariöser Milchmolaren stehen ver­schiedene Therapiekonzepte zur Auswahl. Die konventionelle Methode (KM), bei der kariöses Gewebe nicht selektiv entfernt und die Kavität mit Amalgam, Glasio­nomerzementen oder Kompositmaterialien versorgt wird, galt lange als Standard, obwohl sie mit einem großen Risiko endodontischer Probleme und hohen Misserfolgsraten der Versorgung verbunden ist. Mit einer selektiven Kariesentfernung, bei der über der Pulpa zum Schutz noch kariöses Gewebe belassen wird, ist die Erfolgsrate höher, aber bei einer konventi­ onellen Versorgung immer noch unsicher. Im Rahmen der Hall­Technik (HT) werden konfektionierte Stahl­ kronen auf die kariösen Zähne zementiert, und die dadurch bewirkte Versiegelung der Bakterien führt zu einer Inaktivierung der kariösen Läsion. Bei der nicht restaurativen Kontrolle von Kavitäten (NRKK) werden überstehende Schmelz­ und Dentinanteile nötigenfalls entfernt, gefolgt von einer regelmäßigen Beseitigung des Biofilms und dem Einsatz von Fluoriden. Für eine NRKK bedarf es einer guten Mitarbeit von Kindern und Eltern.

Die oben erwähnten Therapiekonzepte zur Behand­lung kariöser Milchmolaren wurden in einer rando­misierten klinischen Studie hinsichtlich ihrer Kosten­effizienz untersucht. Bei 142 Kindern (HT: 40; NRKK: 44; KM: 58) erfolgte durchschnittlich 2 1/2 Jahre nach der Versorgung eine Nachuntersuchung. Als primäres Kriterium wurde der Erhalt der Molaren bewertet. Se­kundäre Kriterien waren die fehlende Notwendigkeit einer Extraktion, keine Schmerzen bzw. keine notwen­dige endodontische Versorgung oder keine weiteren Interventionen. Die initialen Kosten für den Unterhalt und weiterführende Maßnahmen wurden aus den vor­ liegenden Abrechnungen mit der Krankenkasse abge­leitet. Daraus konnte die Kosteneffektivität errechnet werden. Mittels HT behandelte Molaren überlebten länger als die mittels NRKK und KM behandelten Molaren. Außerdem war die Behandlung mittels HT auch güns­ tiger (66; 62­71 Euro) als die mittels NRKK (296; 274­ 318 Euro) und KM (83; 73­92 Euro).

Schlussfolgerung: Stahlkronen (HT) sind bei der Versorgung kariöser Milchzähne gegenüber anderen Therapiekonzepten eine effektive und wesentlich kostengünstigere Behandlungsoption.

Schwendicke F, Krois J, Splieth CH et al. Cost- effectiveness of managing cavitated primary molar caries lesions: A randomized trial in Germany. J Dent 2018 May 30 [Epub ahead of print].