Abrasion monolithischer CAD/CAM- Materialien ist multifaktoriell bedingt

Die Verbesserung der Ästhetik von Lithiumdisilikat- und yttriumoxidstabilisierten tetragonalen Zirkonoxidkeramiken hat zum vermehrten Einsatz monolithischer Restaurationen geführt, die das Problem des Bruchs bzw. Chippings einer Verblendkeramik eliminieren. Durch die Einführung der CAD/CAM-Technologie ist es zudem möglich geworden, Restaurationen in einer einzigen Sitzung zu fertigen. In den letzten Jahren wurden weitere ästhetische monolithische CAD/CAM-Materialien mit ähnlichen Indikationen wie Lithiumdisilikat- und Zir- konoxidkeramik eingeführt. Dazu gehören zirkonoxidverstärkte Lithiumsilikatkeramiken, polymerinfiltrierte Keramiken und nanogefüllte Komposite.

Ohne eine Verblendkeramik stehen diese Materialien in Kontakt mit dem Antagonisten, der ein intakter Zahn oder eine Restauration sein kann. Deshalb sind die Verschleiß- und die Abriebfestigkeit der Materiali- en wichtig. Die Verschleißeigenschaften von Zirkonoxid, Lithiumdisilikat, zirkonoxidverstärktem Lithiumsilikat, polymerinfiltrierter Keramik und nanogefülltem Komposit gegenüber Schmelz wurden bereits unter- sucht. Die multifaktorielle Natur des Verschleißes macht es notwendig, das Verschleißpotenzial der Materialien anhand der Zusammensetzung und der mikrostrukturellen Aspekte, die ihre Eigenschaften bestimmen, zu verstehen. Zur Rolle, die Rauheit, Reibungskoeffizient, Elastizitätsmodul und Härte bei der Bestimmung des Verschleißpotenzials spielen, gibt es schon Untersuchungen. Dabei wurde jedoch Schmelz als Antagonist verwendet. Es fehlen Studien, die die verschiedenen Kombinationsmöglichkeiten dieser Materialien unter- suchen. CAD/CAM-Restaurationen stehen in Kontakt mit dem Antagonisten, d. h. einem natürlichen Zahn oder einer Restauration. Zahnärzte sollten sich daher über die Verschleißfestigkeit von CAD/CAM-Materialien und das Verschleißverhalten des Antagonisten im Klaren sein.

Ziel dieser In-vitro-Studie war es, die Verschleißfestigkeit und Abrasivität von CAD/CAM-Materialien zu bewerten. In einem Zwei-Körper-Verschleißtest fungierten die Materialien IPS e.max CAD (Fa. Ivoclar Vivadent), Vita Suprinity (Fa. Vita Zahnfabrik), Lava Ultimate (Fa. 3M Espe), Vita Enamic (Fa. Vita Zahnfabrik) und Lava Plus (Fa. 3M Espe) als Schleifmittel und zusammen mit Schmelz von Rinderzähnen auch als Antagonisten. Jedes Antagonistenpaar durchlief 200.000 Zyklen mit einer Federkraft von 15 N und einer Drehzahl von 1 Hz in destilliertem Wasser gegen jedes Schleifrad. Für die Ermittlung der Verschleißrate kam ein Oberflächenprofilometer zum Einsatz. Die Oberflächen wurden raster- elektronenmikroskopisch begutachtet sowie ihre Härte, ihr Reibungskoeffizient und ihre Rauheit bewertet.

Lava Plus und IPS e.max CAD zeigten das höchste Verschleißpotenzial von Lava Ultimate. Diese beiden Materialien wiesen zusammen mit Vita Suprinity den größten Verschleiß an Schmelz und Vita Enamic auf. Vita Suprinity und IPS e.max CAD hatten einen höheren Verschleiß als Lava Plus, und das Gegenteil war auch der Fall. Vita Enamic und Lava Ultimate gehörten zu den Materialien, die den geringsten Verschleiß von Schmelz und allen anderen bewerteten Materialien verursachten. Rasterelektronenmikroskopische Aufnahmen zeigten, dass abgesehen von Lava Ultimate alle anderen Materialien den Schmelz beschädigten, wobei Vita Suprinity und IPS e.max CAD beim Gleiten gegen die Materialien aggressiver waren. Lava Plus hatte die größte Härte, gefolgt von Vita Suprinity und IPS e.max CAD, Vita Enamic und Lava Ultimate. Der Reibungskoeffizient variierte von 0,42 bis 0,53. Vita Enamic und Lava Ultimate zeigten die höchste Oberflächenrauigkeit.

Schlussfolgerungen: Das nanogefüllte Komposit und die polymerinfiltrierte Keramik waren antagonistenfreundlicher (egal ob Schmelz oder CAD/CAM- Material) als Glaskeramik und Zirkonoxid. Bei der Auswahl des Materials, das hauptsächlich mit Glaskeramik in Berührung kommt, ist Vorsicht geboten. Auch die Härte sollte bei der Materialauswahl berücksichtigt werden. Nanogefüllte Komposite und polymerinfiltrierte Keramiken sind antagonistenfreundliche Materialien, während Glaskeramiken hohe Verschleißraten auf dem Antagonistenschmelz und den Materialien fördern. Die Rauheit und der Reibungskoeffizient einiger Materialien können sich während des Verschleißprozesses ändern.

Ludovichetti FS, Trindade FZ, Werner A, Kleverlaan CJ, Fonseca RG. Wear resistance and abrasiveness of CAD-CAM monolithic materials. J Prosthet Dent 2018; 120:318.e1-318.e8.

Risiko einer Devitalisierung von Zähnen bei Sinuslift ist gering

Aufgrund der Pneumatisierung der Kieferhöhle und der Resorption des Alveolarknochens nach Zahnverlust werden häufig Kieferhöhlenbodenaugmentationen (KHBA) durchgeführt, um eine erfolgreiche Implantat- insertion und prothetische Versorgung im seitlichen Oberkiefer zu ermöglichen. Der Zugang zur Kieferhöhle erfolgt entweder von lateral oder transkrestal; beide Techniken haben sich bewährt und weisen hohe Erfolgsraten in Bezug auf das Überleben von Transplantat- material und Implantaten auf.

Dennoch können KHBA mit verschiedenen intra- und postoperativen Komplikationen verbunden sein. Die häufigste intraoperative Komplikation ist die Perforation der Schneider’schen Membran, gefolgt von Blutungen aufgrund der Durchtrennung der Alveolar- arterie und der Verlagerung von Transplantatmaterial in die Kieferhöhle. Zu den postoperativen Komplikati- onen gehören Sinusverstopfungen, Blutungen, trans- plantatinduzierte Sinusitiden, Zystenbildungen und Infektionen. Das Anheben der Schneider’schen Membran während der KHBA kann theoretisch zu einer Devitalisierung der in enger räumlicher Beziehung zum Sinusboden stehenden Nachbarzähne führen.

In einer retrospektiven Beurteilung sollte die Wahrscheinlichkeit einer Devitalisierung der an die Osteotomiestelle angrenzenden Zähne nach KHBA bei einer relativ großen Anzahl von Patienten untersucht werden. Alle in einer Universitätsklinik für Oralchirurgie innerhalb eines Zeitraums von 10 Jahren durchge- führten KHBA-Verfahren wurden nach folgenden Kri- terien beurteilt: 1. Vorhandensein vitaler Zähne (d. h. nicht wurzelkanalbehandelt und keine periapikale Auf- hellung auf einem Panoramaröntgenbild unmittelbar nach KHBA), 2. Vorhandensein einer 3 bis 12 Monate post operationem angefertigten Röntgenaufnahme der an die Osteotomiestelle angrenzenden Zähne mit den Wurzelspitzen und 3. vollständige medizinische Aufzeichnungen bis mindestens 12 Monate post operationem. Die Röntgenaufnahmen der verschiedenen Zeitpunkte wurden verglichen, Veränderungen im Röntgenstatus der Nachbarzähne (Entwicklung einer periapikalen Läsion, Wurzelkanalbehandlung etc.) erfasst und das räumliche Verhältnis der Nachbarzähne zur Kieferhöhle klassifiziert.

Von 684 KHBA erfüllten 257 die Einschlusskriterien und betrafen 357 Nachbarzähne, von denen 221 eine enge und/oder innige Beziehung zur Kieferhöhle auf- wiesen. In nur einem einzigen Fall könnte die Zahnvitalität durch das Verfahren verloren gegangen sein. So lag die Wahrscheinlichkeit einer Devitalisierung bei Zähnen mit engem und/oder innigem räumlichem Bezug zum Sinusboden zwischen 0,45 und 0,7 %.

Schlussfolgerungen: Selbst bei Zähnen mit engem und/oder innigem räumlichem Bezug zum Sinusboden ist die Devitalisierung nach einer MSFA eine äußerst seltene Komplikation.

Beck F, Lauterbrunner N, Lettner S, Stavropoulos A, Ulm C, Bertl K. Devitalization of adjacent teeth following maxillary sinus floor augmentation: A retrospective radiographic study. Clin Implant Dent Relat Res 2018 Aug 7 [Epub ahead of print].