Risikobeurteilung und Strategien bei Wurzelkaries

Die vorliegende Literaturübersicht diente der Iden­tifizierung der Risikoprädiktoren für Wurzelkaries, der Beschreibung ihrer Entstehung und deren Zusammenhang mit der Häufigkeit und dem Anstieg von Wurzelkaries. Vier elektronische Datenbanken (PubMed, MEDLINE, EMBASE und Scopus; Zeit­ raum: 1. Januar 1990 bis 31. Januar 2019) wurden von zwei unabhängigen Prüfern nach Informationen über die Faktoren durchsucht, die mit dem Auftreten oder der Zunahme von kariösen und gefüllten Wurzeloberflächen und/oder kariösen Wurzelober­flächen verbunden sind. Es erfolgte eine Einteilung der Faktoren in sechs Kategorien: soziodemografi­scher Hintergrund, allgemeine Gesundheit, Gesund­heitsverhalten, Fluoridbelastung, Mundgesundheits­gewohnheiten und Mundgesundheitszustand. Von den 440 identifizierten potenziellen Publikationen wurden schließlich 19, die über 16 Kohortenstudien berichteten, aufgenommen. Der gesamte Stichpro­benumfang betrug 7.340 Teilnehmer aus verschie­ denen Ländern der Welt mit einem Alter von 20 bis 100 Jahren. Es wurden positive Korrelationen zwischen neuer Wurzelkaries und Alter, bestehender Wurzelkaries, Gingivarezessionen und Tabakkonsum ermittelt, während sich negative Korrelationen für den sozio­ ökonomischen Status, eine gute Mundhygiene und den Einsatz von Fluoriden ergaben. Für den Zu­sammenhang zwischen neuer Wurzelkaries und der Anzahl der natürlichen Zähne wurden gemischte Befunde festgestellt.
Die systematische Überprüfung ergab eine Reihe von Risikoprädiktoren für Wurzelkaries in verschiede­nen Kategorien. Bei Personen, die älter sind, einen niedrigeren sozioökonomischen Status haben oder Tabak konsumieren, und bei Personen mit mehr Wurzelkarieserfahrung, Gingivarezessionen und schlechter Mundhygiene besteht ein höheres Risiko, neue Wurzelkaries zu entwickeln.

Schlussfolgerungen: Diese systematische Lite­raturübersicht stützt die Annahme, dass die Ver­besserung der Mundhygiene, die Vorbeugung par­ odontaler Erkrankungen und die Verwendung von Fluorid eine nützliche Strategie zur Prävention neuer Wurzelkaries sein kann.

Zhang J, Leung KCM, Sardan D, Wong MCM, Lo ECM. Risk predictors of dental root caries: a systematic review. J Dent 2019 July 10 [Epub ahead of print].

Veneers aus Keramik sind langlebiger

Veneers sind aus verschiedenen ästhetischen Grün­den als minimalinvasives Behandlungskonzept indi­ ziert. In der Literatur besteht kein Konsens darüber, ob Komposit oder Keramik als Restaurationsmaterial verwendet werden soll. Es gab einige Versuche, diese Materialien in vivo zu vergleichen, aber es wurde kein In­vivo­ Vergleich in einer Split ­Mouth­ Studie mit einem Nachuntersuchungszeitraum von mehr als 8 Jahren durchgeführt.
Die Überlebensraten keramischer Verblendschalen liegen nach 10 bis 21 Jahren zwischen 82 und 96 %. Dabei sind Keramikfrakturen (5,6 bis 11 %) und Rand­ defekte (12 bis 20 %) die Hauptursachen für das Versagen. Es wird berichtet, dass die Erfolgsraten wegen schlechter Randqualität und Verfärbungen über einen längeren Zeitraum signifikant abnehmen.
Indirekte Kompositrestaurationen lassen sich leicht zementieren und reparieren, haben einen höheren Biegemodul und sind kostengünstig sowie weniger abrasiv für die Antagonisten. Moderne Füllstoffver­bunde (Estenia, Fa. Kuraray,Tokio, Japan) enthalten bis zu 92 Gew.­% kolloidale Siliciumdioxidkugeln mit 16 Gew.­% superfeinen Mikrofüllstoffen der Korngröße 0,02 μm und 76 Gew.­% Mikrofüllstoffe der Korngröße 2 μm in einer Urethantetramethacrylat (UTMA)­Harzmatrix. Bisherige indirekte Komposit­ materialien enthielten nur 50 bis 80 Gew.­% Füllstof­fe. Darüber hinaus weist eine UTMA­ Harzmatrix vier funktionelle Urethanmethacrylate auf, was zu einer höheren Vernetzungsdichte als bei anderen Materia­lien führt. Der höhere Füllstoffgehalt verbessert so­ wohl die Festigkeit als auch die optischen Eigen­ schaften, macht das Material aber spröder. Ein direkter Vergleich verschiedener Material­optionen für Verblendschalen wurde nur in wenigen Studien mit relativ kurzen Nachbeobachtungszeiten durchgeführt. Ziel der vorliegenden randomisierten klinischen Studie mit Split­ Mouth­ Design war die Untersuchung der Überlebensrate und ­-qualität von indirekten Komposit­ und Keramikverblendungen. Insgesamt 48 indirekte Komposite (Estenia, n = 24) bzw. keramische Verblendungen (IPS Empress Es­ thetic, n = 24) wurden auf Frontzähne im Oberkiefer eingesetzt. Es erfolgten Veneerpräparationen mit Inzisalüberlappung in einer Mock­up­Technik. Das Überleben der endgültigen Versorgung galt als pri­märe Ergebnisgröße und wurde anhand von Kaplan- Meier­Statistiken und ­Überlebenskurven mittels Mantel-Cox­Test verglichen. Nach der Befestigung wurden die Restaurationen von kalibrierten Opera­teuren zu Studienbeginn sowie anschließend jedes Jahr nach modifizierten USPHS­Kriterien bewertet und mittels Mann-Whitney­U­Test verglichen. Insgesamt kam es zu sechs Misserfolgen (Debon­ding, n = 3; Fraktur, n = 3), die alle in der Gruppe der
indirekten Kompositveneers auftraten. Die kumula­tive Überlebensrate der indirekten Komposit­ und der Keramikverblendungen nach 10 Jahren betrug 75 % (Standardfehler 3,8 %) bzw. 100 % (p = 0,013). Bei den erhaltenen 42 Kompositveneers waren auch die Variablen „Farbübereinstimmung“ (p = 0,002), „Oberflächenrauheit“ (p = 0,000), „Bruch der Res­ tauration“ (p = 0,028) und „Verschleiß der Restaura­ tion“ (p = 0,014) deutlich ungünstiger.

Schlussfolgerungen: Die Keramikverblendungen an den oberen Frontzähnen in dieser Studie schnit­ten nach einem Jahrzehnt sowohl hinsichtlich der Überlebensrate als auch in Bezug auf die Qualität der überlebenden Restaurationen sehr viel besser ab als die indirekten Kompositveneers. Bei entspre­chender Indikation können anteriore keramische Veneers gegenüber indirekten Kompositveneers be­ vorzugt werden.

Gresnigt MMM, Cune MS, Jansen K, van der Made SAM, Özcan M. Randomized clinical trial on indirect resin composite and ceramic laminate veneers: Up to 10-year findings. J Dent 2019;86:102-109.