Fluoridspülung vor Zähneputzen bei Erosionen

Nicht bakterielle Säuren, die häufig mit Zahnober­flächen in Berührung kommen, können zu Zahn­erosionen führen. Wenn dieser Prozess mit den mechanischen Einflüssen in der oralen Umgebung verbunden ist, z. B. mit Zahnkontakt oder Abrieb durch das Bürsten mit einer Zahnpasta, verstärkt sich der Strukturverlust und beschleunigt das Fort­ schreiten der Läsionen. Der abriebbedingte Ober­flächenverlust kann durch die Abrasivität der Zahn­ pasta, insbesondere auf Schmelz, und die Dicke der erweichten Schicht beeinflusst werden. Auf Dentin wird als Folge eines Mineralienverlustes der orga­nische Anteil freigelegt, der relativ widerstandsfähig gegen mechanische Kräfte ist.

Fluorid (F­) kann die Zahnhartsubstanz vorüber­ gehend vor erosiven Angriffen schützen und bis zu einem gewissen Grad die Wirkung von Schleifmitteln ausgleichen, indem es höchstwahrscheinlich calciumfluoridähnliches Material auf ihre Oberflächen aufbringt. Nach wiederholten sauren Einwirkungen erfolgt jedoch eine Reduktion calciumfluoridähnli­cher Ablagerungen auf den Zahnoberflächen, was zu einem eingeschränkten Schutz vor Zahnerosio­nen führen kann.

Präparate, die Zinnfluorid (SnF2) oder eine Kom­bination von Fluorid und Zinnchlorid (SnCl2) enthal­ten, haben vielversprechendere Ergebnisse gezeigt, da sie andere metallreiche Ablagerungen bilden können, die in der Lage sind, eine verbesserte Säu­rebeständigkeit zu fördern. Darüber hinaus kann sich Zinn auch in die Schmelz­ und Dentinstrukturen integrieren und deren Löslichkeit reduzieren. Für Schmelz haben mehrere Studien einen verbesserten Erosionsschutz durch den Einsatz von Spülungen mit Fluorid (225 oder 500 ppm F­) und Zinn (800 ppm Sn2+) im Vergleich zu reinen Fluoridformulierungen gezeigt. Bei Zahnpasten wurden vielversprechende Ergebnisse mit einer Formulierung beobachtet, die Fluorid (1.400 ppm F­ als calciumfluoridähnliche Ablagerungen und Natriumfluorid), Zinnchlorid (3.500ppm Sn2+) und das Biopolymer Chitosan (0,5 %) enthält. Für Dentin konnte auch bei der Verwendung der fluorid­ und zinnhaltigen Spülung eine überlegene Wirkung festgestellt werden, die jedoch weniger ausgeprägt als auf Schmelz zu sein schien.

In Anbetracht der Möglichkeit, dass Abrieb die Entfernung des erodierten Gewebes und die relative Abriebfestigkeit von Fluoridverbindungen beschleu­nigt, lässt sich die Hypothese formulieren, dass der Einsatz einer fluoridhaltigen Mundspülung vor dem Zähnebürsten eine Rolle beim Schutz der erodierten Zahnoberflächen spielen könnte, indem deren Ab­ rieb durch das Zähnebürsten reduziert wird.

In der vorliegenden Studie sollte die Verwendung von fluoridhaltigen Mundspülungen vor bzw. nach dem Zähneputzen bei erosivem Zahnabrieb unter­ sucht sowie die antierosive Wirkung der Kombina­tion Zahnpasta und fluoridhaltige Mundspülung mit oder ohne Zinnchlorid beurteilt werden.

Schmelz­ und Dentinproben wurden zufällig in folgende Gruppen aufgeteilt (n = 10 von jedem Sub­strat/jeder Gruppe): B = Bürsten, B+R = Bürsten+Spülen sowie R+B = Spülen+Bürsten. Die Behandlungen erfolgten mit einer Fluorid­Zahnpasta (BF: 1.400 ppm Fluorid als Aminfluorid [AmF]) kombiniert oder nicht kombiniert mit einer Fluorid­Mundspülung (RF: 250 ppm Fluorid als AmF und Natriumfluorid [NaF]) oder Fluorid und Zinn­Zahnpasta (BF+Sn: 1.400 ppm Fluorid als AmF und NaF, 3.500 ppm Zinn als Zinnchlorid [SnCl2] und 0,5 % Chitosan) kombiniert oder nicht kombiniert mit Fluorid und Zinn­Mund­spülung (RF+Sn: 500 ppm Fluorid als AmF und NaF, 800 ppm Zinn als SnCl ). Als Kontrolle diente das Putzen mit künstlichem Speichel. Die Proben wur­den einem 5­tägigen erosiv­abrasiven Zyklusmodell unterzogen. Die Behandlungen erfolgten zweimal täglich. Der Oberflächenverlust wurde mittels op­tischer Profilometrie bestimmt. Die Daten wurden durch ANOVA­ und Games-Howell­Tests analysiert (α = 0,05).

Für Schmelz, RF+BF und RF+Sn+BF+Sn ergab sich ein deutlich niedrigerer Oberflächenverlust als für die Kontrolle, wobei RF+BF sehr viel niedriger als RF+Sn+BF+Sn war. Für Dentin wies künstlicher Speichel den niedrigsten Oberflächenverlust auf, der sich nicht von BF+Sn+RF+Sn, RF+Sn+BF+Sn und BF unterschied. Die Gruppen RF+BF und BF+RF zeigten den höchsten Oberflächenverlust, der sich nicht von BF+Sn und BF+Sn unterschied.

Schlussfolgerungen: Für Schmelz konnte durch die Verwendung einer Mundspülung vor dem Bürs­ten der erosive Verschleiß sowohl bei Fluorid­ als auch bei Zinnprodukten reduziert werden. Für Den­tin war der Einsatz von zinnhaltigen Produkten un­abhängig von der Reihenfolge der Anwendung den Fluoridspülungen überlegen.

Machado AC, Bezerra SJC, Joao-Souza, SH et al. Ef- fect on erosive tooth wear, of using fluoride mouth- rinses before or after toothbrushing. Arch Oral Biol 2019;108:104520.

 

Vitalamputation bei kariösen Zähnen mit irreversibler Pulpitis

Karies bei bleibenden Zähnen stellt die weltweit häufigste Krankheit dar. Unbehandelte Karies kann schwere Entzündungen in der Pulpa verursachen, welche zu Schmerzen, Pulpanekrosen und Abs­zessbildungen führen. Ziel dieser systematischen Übersicht war es festzustellen, ob die koronale Pul­potomie bei der Behandlung kariöser Zähne mit An­zeichen und Symptomen, die auf eine irreversible Pulpitis hinweisen, klinisch wirksam ist.

Folgende Quellen wurden bis Dezember 2018 durchsucht: MEDLINE, PubMed, Embase, Web of Science, Cochrane Central Register of Controlled Trials, International Clinical Trials Registry Platform und ClinicalTrials.gov. Eingeschlossen wurden pro­spektive, retrospektive und randomisierte klinische Studien zur Untersuchung der koronalen Pulpo­tomie oder zum Vergleich der Pulpotomie mit der Wurzelkanalbehandlung bei reifen bleibenden kariö­sen Zähnen mit Anzeichen und Symptomen, die auf eine irreversible Pulpitis hinwiesen.

Acht Artikel wurden für die Analyse ausgewählt. Die durchschnittliche Erfolgsrate bei der koronalen
Pulpotomie betrug nach 12 Monaten 97,4 % (klinisch) bzw. 95,4 % (röntgenologisch). Nach 36 Monaten
verringerte sich die Rate auf 93,97 % (klinisch) bzw. 88,39 % (röntgenologisch). Die Ergebnisse der einzi­
gen vergleichenden klinischen Studie zeigten, dass die Pulpotomie nach 12, 24 und 60 Monaten ähnlich
erfolgreich wie die Wurzelkanalbehandlung ist.

Die Resultate deuten auf eine hohe Erfolgsrate der Pulpotomie bei Zähnen mit Anzeichen und Sympto­men einer irreversiblen Pulpitis hin, basieren jedoch auf heterogenen Studien mit hohem Bias­Risiko. Gut konzipierte, ausreichend leistungsfähige randomi­sierte kontrollierte Studien sind erforderlich, um Ver­änderungen der klinischen Praxis herbeizuführen.

Schlussfolgerungen: Die Behandlung von ka­riösen Zähnen mit irreversibler Pulpitis ist traditio­nell invasiv, aber die Ergebnisse der vorliegenden Übersichtsarbeit deuten darauf hin, dass die Be­handlung mit weniger invasiven Methoden wie der koronalen Pulpotomie möglicherweise erfolgreich ist und in Therapiekonzepte eingebaut werden kann.

Cushley S, Duncan HF, Lappin MJ et al. Pulpotomy for mature carious teeth with symptoms of irreversible pulpitis: A systematic review. J Dent 2019;88:103158.