20 Jahre Bologna-Reform in der Zahnmedizin

In der Bologna-Erklärung wurden 1999 sechs Hauptziele definiert: Vergleichbarkeit der akademischen Abschlüsse, Einführung eines zyklischeren Systems mit entsprechenden Abschlüssen (Bachelor, Master und Promotion), umfassende Anwendung der ECTS-Anrechnungspunkte, Unterstützung der innereuropäischen Mobilität, Förderung der internen europäischen Qualitätssicherung und Etablierung einer europäischen Denkweise in der Hochschulbildung. Letztere hat in den Staaten der Europäischen Union nach der „Erklärung von Bologna“ eine umfassende Reform zur Harmonisierung durchlaufen. Ziel der vorliegenden Arbeit war es, die Umsetzung des Bologna-Prozesses in der zahnärztlichen Ausbildung nach seinem 20-jährigen Bestehen zu bewerten sowie Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Art und Weise zu identifizieren, wie zahnärztliche Programme in der EU durchgeführt werden.

Gemäß dem Ziel dieser Studie erfolgte eine Internetrecherche auf der Grundlage des im Jahr 2015 veröffentlichten EU-Handbuchs, welche repräsentative Websites von Universitäten bzw. zahnärztlichen Fakultäten aus allen EU-Mitgliedstaaten umfasste. Die Suche konzentrierte sich auf die Art der zahnärztlichen Grund- und Aufbaustudiengänge (Zyklen), die vergebenen Bachelor-, Master- und Promotionsabschlüsse, die Dauer der grundständigen Studiengänge, die Vergabe von ECTS-Punkten und die Notwendigkeit eines obligatorischen Aufbaupraktikums. Die Ergebnisse wurden zusammengetragen und deskriptive statistische Analysen durchgeführt.

Bei der Suche wurden 26 von 28 EU-Staaten als Anbieter einer zahnärztlichen Ausbildung identifiziert. Zwei der 26 Länder bieten einen Bachelor-Abschluss (Bachelor of Dental Surgery) und fünf einen kombinierten Bachelor- und Master-Abschluss an. In zehn Ländern gibt es noch den Doktorgrad für die grundständige Ausbildung, und drei Länder vergeben Diplome für den graduierenden Zahnarzt.

Schlussfolgerungen: Zwei Jahrzehnte nach der Einführung bestehen weiterhin deutliche Unterschiede in der Struktur und Dauer der zahnärztlichen Erstausbildung, welche auf die curriculare Struktur und die Hochschulvorschriften der einzelnen EU-Länder zurückzuführen sind.

Kirnbauer B, Ali K. Twenty years after the launch of Bologna Process – What is the status of harmonisation of dental education? Eur J Dent Educ 2019;37:110-116.

Fluoreszenzunterstützte selektive Entfernung von Kompositresten

Bei der Entfernung einer alten Versorgung besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass ein signifikanter Teil der angrenzenden gesunden Zahnhartsubstanz verloren geht. Dies schwächt den Zahn und verschlechtert seine langfristige Prognose. Eine besondere Herausforderung bei der Reparatur oder dem Ersatz von Kompositversorgungen besteht in der Schwierigkeit, das Füllungsmaterial von der Zahnstruktur zu unterscheiden, da beide unter normalen Lichtverhältnissen ähnlich erscheinen. Das gleiche Problem ergibt sich bei Kompositzementen, die für festsitzende Restaurationen verwendet werden. So wäre eine Methode, die die selektive Entfernung von Kompositresten erleichtert, für die klinische Praxis äußerst nützlich.

Ziel der vorliegenden Studie war es, die fluoreszenzgestützte Identifikation von Restaurationen (FIR) mit der konventionellen Methode unter Einsatz von Weißlicht zur selektiven Entfernung zahnfarbener Kompositrestaurationen zu vergleichen. 60 extrahierte Zähne wurden verwendet, um 15 Modellsätze mit jeweils vier Zähnen herzustellen. In jedem Zahn wurden Hohlräume präpariert, und von jedem Modell wurde ein digitaler dreidimensionaler Scan im STL-Format durchgeführt. Die Versorgung der Zähne erfolgte dann entweder mit Admira Fusion, Gradia Direct X oder TPH Spectra LV (je 20 Zähne). Fünf Zahnärzte entfernten die Restaurationen bei den Sätzen mit 12 Zähnen (je sechs mit FIR und sechs mit der konventionellen Methode). Ausgehend von einem postoperativen Scan wurden mit einer 3D-CAD-Software Veränderungen der interkuspidalen Kavitätenbreite gemessen.

Mit FIR waren die Änderungen der Kavitätenbreite nicht signifikant (p = 0,17), und es gab keine signifikante Interoperator-Varianz (p = 0,3). Im Gegensatz dazu zeigten sich bei Anwendung der konventionellen Methode eine signifikante Zunahme der Kavitätenbreite (p = 0,0025) und eine erhebliche Interoperator-Varianz (p = 0,03). FIR ermöglichte eine schnellere Entfernung der Restaurationen (durchschnittliche Zeit 100,23 gegenüber 165,13 Sekunden bei der konventionellen Methode).

Schlussfolgerungen: Aufgrund der verbesserten Unterscheidung zwischen Versorgung und angrenzender Zahnstruktur erlaubt die FIR eine selektive Entfernung zahnfarbener Restaurationen, während gleichzeitig die unnötige Entfernung gesunder Zahnhartsubstanz vermieden wird. Der gleiche Ansatz lässt sich unter Umständen auch für die Entfernung von kunststoffbasierten Materialien wie Befestigungszementen, Fissurenversiegelungen und kieferorthopädischen Brackets anwenden.

Kiran R, Chapman J, Tennant M, Forrest A, Walsh LJ. Fluorescence-aided selective removal of resin-based composite restorative materials: An in vitro comparative study. J Esthet Restor Dent 2019;62:161-167.