Übertragungswege des Coronavirus in der Zahnarztpraxis

Coronaviren (CoV) gehören zu einer großen Familie von Viren, die Krankheiten von einer einfachen Erkältung bis hin zu schwereren Erkrankungen wie dem Nahost-Atemwegssyndrom (MERS-CoV) und dem schweren akuten Atemwegssyndrom (SARS- CoV) verursachen. Ein neuartiges Beta-Coronavirus (2019-nCoV) trat erstmals in der Stadt Wuhan (Provinz Hubei, China) auf und hat sich rasch auf andere Provinzen und Länder ausgebreitet. 2019-nCoV unterscheidet sich von SARS-CoV, teilt aber den gleichen Wirtsrezeptor, das menschliche Angiotensin konvertierende Enzym 2 (ACE2). Der natürliche Wirt von 2019-nCoV könnte die Fledermaus Rhinolophus affinis sein, da das bei ihr isolierte Coronavirus BatCoV RaTG13 zu 96,2 % mit der Gesamtgenomidentität von 2019-nCoV übereinstimmt. Die Übertragungswege von 2019-nCoV von Mensch zu Mensch umfassen die direkte Weitergabe via Husten, Niesen und Tröpfcheninhalation sowie die Kontaktübertragung durch Berührung der Mund-, Nasen- und Augenschleimhäute. 2019-nCoV kann auch durch den Speichel übertragen werden, und die fäkal-oralen Wege können ebenfalls ein potenzieller Übertragungsweg von Mensch zu Mensch sein.

Die Mitarbeiter in der zahnärztlichen Praxis sind aufgrund des direkten Kontakts zu den Patienten, der Exposition gegenüber Speichel, Blut und anderen Körperflüssigkeiten sowie des Umgangs mit scharfen Instrumenten einem enormen Risiko einer 2019-nCoV-Infektion ausgesetzt. Das gesamte Praxisteam spielt eine zentrale Rolle bei der Verhinderung der Übertragung von 2019-nCoV. Insbesondere in Anbetracht der Tatsache, dass Aerosole und Tröpfchen als die bedeutendsten Verbreitungswege von 2019-nCoV gelten, ist es wichtig, die Infektionskette zu unterbrechen.

Fragen Sie Ihre Patienten gezielt nach SARS- CoV-2-bezogenen Krankheitssymptomen und nach Kontakten mit einem laborbestätigten Fall während der letzten 14 Tage. Die Körpertemperatur des Patienten lässt sich mit einem kontaktlosen Stirnthermometer erfassen. Auch wenn eine ausreichende Handhygiene in einer Praxis üblich ist, sollte sie überwacht und konsequent durchgeführt werden.

Es wird allgemein angenommen, dass eine präoperative antimikrobielle Mundspülung die Anzahl der oralen Mikroben reduziert. Mit Chlorhexidin, das in der Zahnarztpraxis üblicherweise als Mundspülung verwendet wird, lässt sich 2019-nCoV wahrscheinlich nicht wirksam abtöten. Da 2019-nCoV anfällig für Oxidation ist, sollte die Mundspülung oxidative Substanzen wie 1%iges Wasserstoffperoxid oder 0,2%iges Povidon-Jod enthalten, um die Belastung des Speichels mit oralen Mikroben ein- schließlich ggf. 2019-nCoV zu reduzieren. Eine vorherige Mundspülung ist sicher in Fällen zu empfehlen, in denen sich kein Kofferdam applizieren lässt. Angelegter Kofferdam kann die Produktion von speichel- und blutkontaminierten Aerosolen oder Spritzern deutlich minimieren, insbesondere wenn mit Hochgeschwindigkeitshandstücken und dentalen Ultraschallgeräten gearbeitet wird. Auf diese Weise lässt sich die Aerosolbelastung in einem Durchmesser von ca. 1 m um das Operationsfeld um 70 % reduzieren. Der Einsatz von Instrumenten mit Antiretraktionskupplungen kann den Rückfluss von oralen Bakterien und Hepatitis-B-Viren in die Leitungen des Handstücks und der Dentaleinheit erheblich vermindern.

Der medizinische und häusliche Abfall, der bei der Behandlung von Patienten mit vermuteter oder bestätigter 2019-nCoV-Infektion anfällt, wird als infektiöser medizinischer Abfall betrachtet. Als Kontakt mit einer positiv getesteten Person gilt, wenn eine Distanz von 2 m über 15 Minuten oder länger ungeschützt unterschritten wurde.

Schlussfolgerungen: Die gängigen zahnärztlichen Hygienemaßnahmen sollten strikt eingehalten werden (gründliches Händewaschen mit Seife, regelmäßige korrekte Händedesinfektion, Tragen von Behandlungshandschuhen, Mundschutz und Schutzbrille, minutiöse und regelmäßige Oberflächendesinfektion unter Beachtung der geforderten Einwirkzeit). Aerosol verursachende Arbeiten sind möglichst zu vermeiden (kein Einsatz von Ultraschall oder Airflow bei der Dentalhygiene, stattdessen Handscaling). Außerdem empfiehlt es sich, die Behandlung von vulnerablen Patienten (immunsupprimierte, polymorbide Patienten und solche im fortgeschrittenen Lebensalter) nach Möglichkeit zu verschieben. Die Patienten sind durch die gängigen Hygienemaßnahmen und das übliche Tragen des Mundschutzes in der Zahnarztpraxis genügend geschützt, auch wenn ein Behandler mit SARS-CoV-2 infiziert sein sollte.

Anmerkung: Die Gesundheitsbehörden haben weltweit umfassende Informationen online geschaltet, um die aktuelle Entwicklung zu bewerten und geeignete Maßnahmen zu empfehlen.

Peng X, Xu X, Li Y, Cheng L, Zhou X, Ren B. Trans­ mission routes of 2019­nCoV and controls in dental practice. Int J Oral Sci 2020;12:9.