Multiple Sklerose (MS) ist eine behindernde neuro­degenerative Erkrankung und die häufigste Ursache für neurologische Behinderungen bei jüngeren Er­wachsenen. Sie betrifft weltweit mehr als 2,3 Millio­nen Menschen und kommt bei Frauen etwa dreimal so oft wie bei Männern vor. Die Erkrankung tritt verstärkt zwischen dem zweiten und vierten Lebens­jahrzehnt auf, wobei für die Bevölkerung der ge­mäßigten und kalten Klimazonen eine erhöhte Anfälligkeit besteht. Die Ätiologie der MS ist noch nicht vollständig geklärt, aber es wird angenommen, dass sowohl genetische als auch Umweltfaktoren zu ihrer Entstehung beitragen. MS wird nach Art und Schweregrad klassifiziert. Zu den häufigen körper­lichen Symptomen gehören schwere Müdigkeit, Schmerzen, motorische Beeinträchtigung, Muskel­ schwäche, Krampfanfälle sowie Probleme mit dem Sehen, Sprechen und der Atemfunktion. Außerdem kommen bei Menschen mit MS sehr oft Schwierig­keiten hinsichtlich Inkontinenz, Sexualfunktion und Stimmung sowie Probleme mit dem Gedächtnis und der Kognition vor.

Es existieren auch Hinweise, dass MS­Patienten mit größerer Wahrscheinlichkeit eine Reihe von Mund­gesundheitsproblemen haben könnten, und dafür scheint es eine starke theoretische Grundlage zu geben. Dies liegt zum einen daran, dass die Durch­führung einer wirksamen Mundpflege bei reduzierter Muskelkraft bzw. manueller Geschicklichkeit schwie­riger wird. Zum anderen sind motorische Anomalien ein häufiges Symptom der MS. Obwohl mehr als 25 Jahre zu diesem Thema geforscht wurde, ist es nach wie vor unklar, ob MS­ Patienten eher mit Mundgesundheitsproblemen kon­frontiert werden. Eine Literatursuche nach Studien mit Schwerpunkt auf Mundgesundheit und MS er­ folgte anhand der PRISMA­Richtlinien. Elektronische Datenbanken (PubMed, Scopus, Web of Science, MEDLINE und CINAHL) wurden bis Februar 2019 durchsucht. Zwei unabhängige Experten analysierten die Daten und bewerteten die Studienqualität an­ hand der Newcastle­Ottawa­Skala (NOS). Von 1.281 identifizierten Artikeln erfüllten 17 alle definierten Einschlusskriterien. Mehr als die Hälfte dieser 17 Studien arbeitete mit einer nicht klinischen Kontrollgruppe, und bei der Mehrheit handelte es sich um Beobachtungsstudien. Die eingeschlossenen Studien waren von schlechter bis mittlerer Qualität. Zusammengenommen lieferten die Ergebnisse nur sehr begrenzte Hinweise darauf, dass Menschen mit MS mit größerer Wahrscheinlichkeit an Karies und Zahnfleischerkrankungen leiden. Es gab Hinweise darauf, dass die Betroffenen ein höheres Risiko für Parodontalerkrankungen und eine schlechtere Mund­ hygiene aufweisen, und es gab mäßige Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen MS und Kiefer­gelenkserkrankungen.

Schlussfolgerungen: Diese systematische Über­ sicht liefert Hinweise auf einen Zusammenhang zwi­ schen MS und zumindest einigen Mundgesundheits­ problemen. Bei einer spezifischen Untersuchung von Kiefergelenkserkrankungen und Parodontalstatus ergaben sich in den meisten Studien Hinweise auf eine Assoziation mit MS. Die Übersicht zeigt jedoch auch deutlich die Notwendigkeit weiterer, qualitativ hochwertiger Studien in diesem Bereich auf.

Manchery N, Henry JD, Nangle MR. A systematic review of oral health in people with multiple sclerosis. Community Dent Oral Epidemiol 2020; 48:89-100.

Sinterung in Hochgeschwindigkeit kann Eigenschaften von Zirkonoxid verändern

Eine Umfrage im Jahr 2016 ergab, dass 32 % der US ­amerikanischen Zahnärzte für Kronen im Seiten­zahnbereich monolithisches Zirkonoxid bevorzugt einsetzen würden. Bis vor kurzem gab es nur wenige Möglichkeiten für die Chairside­Herstellung von Zir­konoxidkronen. Die Einschränkung bei der Herstel­lung von Versorgungen aus Zirkonoxid in einer Sit­ zung bestand darin, dass das Sintern von Zirkonoxid traditionell einen Ofen erforderte, der eineTempera­tur von etwa 1.500 °C erreichen kann, und der Sinter­prozess mehrere Stunden benötigte. Kronen aus Lithiumdisilikat werden üblicherweise in Öfen kristal­lisiert, die 840 °C erreichen und etwa 13 bis 25 Min. zur Kristallisation benötigen. Die Einführung eines neuen, im Handel erhältlichen Induktionsofens für die Praxis (CEREC SpeedFire, Fa. Dentsply Sirona, Bensheim) ermöglicht nun eine schnellere Sinterung von Zirkonoxid in 18 bis 30 Min. Sowohl die Sinter­ zeit als auch die Temperatur des Ofens sind für die Herstellung einer Zirkonoxidkrone von Bedeutung, da sie die chemische Struktur und damit auch die physikalischen Eigenschaften des Materials beein­flussen.

Das Ziel dieser Studie war es zu bestimmen, ob das Hochgeschwindigkeitssintern von Zirkonoxid­materialien in einem im Handel erhältlichen Induk­ tionsofen einen Einfluss auf ihre klinisch relevanten Eigenschaften hat. Dazu wurden die Festigkeit und Lichtdurchlässigkeit von CAD/CAM­Zirkonoxid­ blöcken verschiedener Hersteller von dentalen Zirkonoxidmaterialien nach herkömmlichem und Hochgeschwindigkeitssintern mit Lithiumdisilikat verglichen. Drei Zirkonoxidmaterialien (Katana STML, Prettau Anterior und Zpex Smile) wurden entweder mit herkömmlichem (7 Std.) oder Hochgeschwindig­ keitssintern (18 oder 30 Min. in einem SpeedFire­ Ofen) verarbeitet. Als Referenz wurde ein Lithium­disilikatmaterial (IPS e.max CAD) herangezogen. Dreipunktbiegeproben (16 mm × 4 mm × 1,2 mm, n = 10) wurden auf 14 mm getrennten Trägern ge­ testet und mit 1 mm/Min. bis zum Versagen belas­tet. Die Proben (1 mm, n = 10) wurden in einem Color­i7 ­Spectrophotometer vor schwarzem und wei­ßem Hintergrund untersucht, um die Transparenz­ parameter zu berechnen. Die Zirkonoxidproben wurden thermisch geätzt und die Kornstruktur mit einem Rasterelektronenmikroskop bewertet. An­schließend erfolgte die Analyse der Daten mit einer 1­Wege­ANOVA und der Post­Hoc­Analyse nach Tukey (α = 0,05). Es gab signifikante Unterschiede zwischen den Materialien hinsichtlich Biegefestigkeit, Transluzenz­parameter und Korngröße (P < 0,001). Die Körner wurden signifikant größer und Poren waren bei zwei Zirkonoxidmaterialien (Prettau Anterior und Zpex Smile) vorhanden, wenn diese mit einem Hoch­geschwindigkeitssinterprogramm gesintert wurden. Zwei Materialien (Prettau Anterior und Zpex Smile) wurden durch ein Hochgeschwindigkeitssinterpro­gramm weniger lichtdurchlässig und weniger fest, während ein drittes Material (Katana STML) nicht beeinträchtigt wurde.

Schlussfolgerungen: Für die stark reduzierte Sinterzeit eignen sich nicht alle Zirkonoxidmateria­lien gleich gut. Je nach verwendetem Material kann es zu einer Reduktion der Lichtdurchlässigkeit und der Festigkeit kommen. Diesem Umstand muss bei der Auswahl der Materialien Rechnung getragen werden. Es muss auch angemerkt werden, dass bei diesen speziellen Sinteröfen auch nicht homologierte Materialien gesintert werden können, dieses Vor­gehen aber nicht zu empfehlen ist.

Lawson NC, Maharishi A. Strength and translucency of zirconia after high-speed sintering. J Esthet Restor Dent 2020;32(2):219-225.