In Deutschland sind rund 850.000 Arbeitsplätze mit den mehr als 50.000 deutschen Zahnarztpraxen verbunden. Jede Zahnarztpraxis ist privatwirtschaftlich gewinnorientiert ausgerichtet mit durchschnittlich 5 oder mehr Beschäftigten pro lizenzierter Praxis. Die deutsche Zahnheilkunde ist gekennzeichnet durch hohe Praxiskosten (Mittelwert > 330.000 EUR pro lizenziertem Zahnarzt und Jahr), aber auch durch hohe Einnahmen (Mittelwert > 530.000 EUR). Alle Zahnärzte bieten ihren Patienten Leistungen an, die ganz oder teilweise durch gesetzliche, private, berufsständische oder andere Versicherungen abgedeckt sind. Die Patienten können diese versicherten Leistungen aufstocken oder vollständig aus eigener Tasche bezahlen, wenn sie eine qualitativ hochwertigere Versorgungsalternative wünschen.

Mehr als 175 Länder weltweit haben Fälle von COVID-19 gemeldet. Bis zum 8. April 2020 wurden fast 1.405.000 Fälle und mehr als 82.000 Todesfälle gemeldet. Zur Bekämpfung von SARS-CoV-2 (COVID-19) haben die politischen Entscheidungsträger weltweit strenge Richtlinien zur Eindämmung der Pandemie eingeführt, die hauptsächlich physische Distanzierung einschließlich Ausgangssperren umfassen. In Deutschland ergriffen die Regierungen der Bundesländer ebenfalls Maßnahmen zur Eindämmung und Unterdrückung der Pandemie, die die Mobilität erheblich eingeschränkt haben und einen tief greifenden Einfluss auf Zahnarztpraxen haben werden. Die wirtschaftlichen Auswirkungen solcher Politiken auf die Zahnarztpraxen in Deutschland wurden nun mit Hilfe eines Modellansatzes bewertet.

Es wurde die Perspektive der Leistungserbringer innerhalb des deutschen Gesundheitswesens eingenommen, wobei die 2 Leistungserbringer-Szenarien S1/S2 (Praxis mit geringem/hohem Praxisvolumen, geringer/hoher Anteil der nicht gesetzlich vorgeschriebenen Versicherungseinnahmen, geringer/ hoher Personalbestand und Kosten; S1- und S2- Szenarien) modelliert wurden. Die Kosten der Leistungserbringer wurden in verschiedenen Blöcken (Personal, Material, Labor, andere) geschätzt. Vom 24. März bis 2. April 2020 wurde eine telefonische Umfrage bei einer Zufallsstichprobe von 300 deut- schen Zahnärzten durchgeführt (Antwort: n = 146), um die Veränderungen in der Inanspruchnahme zahnärztlicher Leistungen in diesen Leistungsblöcken zu ermitteln. Es wurde ein Markov-Modell erstellt, in dem 100 Praxen in jedem Szenario für insgesamt 365 Tage verfolgt wurden. Es wurden verschiedene COVID-19-Milderungs- bzw. Unterdrückungszeiträume (90 Tage: Basisfall, 45, 135 Tage: Sensitivitätsanalysen) modelliert. Es wurde eine Monte-Carlo-Mikrosimulation durchgeführt und die Unsicherheit über probabilistische und univariate Sensitivitätsanalysen eruiert.

Die Ergebnisse zeigen, dass Mitigation bzw. Unterdrückung die Inanspruchnahme aller Leistungen verringerten, am deutlichsten in der Prävention (−80 % im Mittel), Parodontologie (−76 %) und Prothetik (−70 %). Innerhalb des Basisfalls betrugen die durchschnittlichen Einnahmeverluste in S1/S2 18,7/15,7 % bei der öffentlichen Versicherung, 18,7/18,6 % bei den privaten Versicherern und 19/19 % bei den Ex-Pocket-Ausgaben. Wenn die Milderung bzw. Unterdrückung 135 Tage lang aufrecht- erhalten wurde, gingen die Gesamteinnahmen in S1/S2 um 31/30 % zurück. In diesem Fall würden 29/12 % von S1/S2 im Laufe eines Jahres einen negativen Nettogewinn verzeichnen.

Schlussfolgerungen: COVID-19 und die damit verbundene Politik haben tief greifende wirtschaftliche Auswirkungen auf Zahnarztpraxen. Die politischen Entscheidungsträger werden die gewonnenen Erkenntnisse bei der Gestaltung staatlicher Subventions- und Sicherheitsnetze mit sofortigen und mittelfristigen wirtschaftlichen Entlastungseffekten berücksichtigen wollen. Zahnärzte werden möglicherweise eine Neuorganisation der Praxis in Betracht ziehen, um die Kosten zu senken und eine minimale Rentabilität aufrechtzuerhalten.

Schwendicke F, Krois J, Gomez J. Impact of SARS- CoV2 (Covid-19) on dental practices: Economic analysis J Dent 2020 May 27 [Epub ahead of print].

Was deutsche Zahnärzte für die Versorgung ihrer Zähne wählen

Die Entscheidung für das ideale Restaurationsmaterial ist für Patienten und ihre Zahnärzte eine Herausforderung. Seit vielen Jahrzehnten sind metallbasierte Restaurationsmaterialien der Goldstandard für die Versorgung von Seitenzähnen. Die gestiegenen ästhetischen Ansprüche der Patienten haben jedoch zu einem verstärkten Einsatz von ästhetischen zahnfarbenen Restaurationsmaterialien, die zunächst für Frontzähne entwickelt wurden, geführt. Abhängig von der Größe des Defektes und der Präferenz der Patienten sind Amalgam, Kompositmaterialien, Kompomere, Zemente, gold- und metallbasierte Legierungen sowie Keramik die verfügbaren Optionen. Diese Materialien unterscheiden sich in ästhetischen, biologischen, physikalischen und Kostenaspekten.

Welches Restaurationsmaterial sich für die Behandlung des Molarenbereichs am besten eignet, ist unklar. Da Zahnärzte vermutlich die am besten geeignete Restauration auswählen, wurden deutsche Zahnärzte gefragt, wie ihre eigenen Molaren behandelt wurden.

In einer Umfragestudie sollten Molarenrestaurationen und ihre Haltbarkeit bei deutschen Zahnärzten untersucht werden. Im Amtsblatt der Bundeszahnärztekammer wurden deutsche Zahnärzte gebeten, sich an einer Onlineumfrage zu beteiligen, bei der demografische Daten und Informationen über die Art und Haltbarkeit ihrer Molarenrestaurationen gesammelt wurden. Um Auswahlverzerrungen zu reduzieren, wurden die Daten nach Region, Geschlecht und Alter des Zahnarztes gewichtet.

Der Datensatz bestand aus 1.719 versorgten Molaren von 288 Zahnärzten. Die Restaurationen umfassten Gold-Inlays (25 %), Kompositmaterialien (24,3 %), Amalgam (11,8 %), Keramik-Inlays (5,4 %), Glasionomerzement oder Kompomer (0,8 %), Goldkronen (21,8 %), Keramikkronen (6,6 %) und Metallkeramikkronen (4,3 %). Auf der Grundlage von Ge- schlecht, Alter und Region des Zahnarztes wurden bemerkenswerte Unterschiede festgestellt. Frauen wählten ebenso wie junge Zahnärzte vermehrt ästhetische Optionen. Restaurationen aus Gold, Amal- gam und unedlen Metallen hatten mit mehr als 20 Jahren die höchste Lebensdauer.

Schlussfolgerungen: Bei den deutschen Zahnärzten dominierten bei den Molaren Restaurationen mit metallischen Materialien, wobei Gold den größten Anteil ausmachte. In den letzten Jahren hat der Anteil zahnfarbener Restaurationen zugenommen und insbesondere junge Zahnärzte verwenden Kompositmaterialien und Keramiken.

Beyer C, Schwahn C, Meyer G, Söhnel A. What german dentists choose for their teeth: A web-based survey of molar restorations and their longevity. J Prosthet Dent 2020 May 19 [Epub ahead of print].